InterviewArchitekt und Stadtplaner Jan Gehl Automatisch fahrende Autos bringen keine Qualitätsverbesserung

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Stuttgart ist aufgrund seiner Topografie aber nach landläufiger Meinung nicht gerade eine fahrradfreundliche Stadt.
Heutzutage gibt es Elektrofahrräder. Und einige Städte mit Steillagen wie Trondheim in Norwegen oder auch Luxemburg Stadt haben Fahrradlifte gebaut. Es gibt verschiedene Lösungen für dieses Problem.
Was halten Sie von selbstfahrenden Autos? Tragen sie Ihrer Meinung nach zur Lösung unserer Mobilitätsprobleme bei?
Automatisch fahrende Autos würden zur Folge haben, dass wir künftig doppelt so viele Fahrzeuge auf unseren Straßen haben wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Das bringt keine Qualitätsverbesserung. Es löst nur die Probleme der Autoindustrie, nicht die der Städte und Menschen. Ich verweise noch einmal auf das Beispiel New York: Bürgermeister Bloomberg sagte, ich habe ein effizientes U-Bahnsystem, ich habe breite Straßen, ich habe eine kompakte Stadt – also werde ich den Pendlerverkehr herausnehmen und ihn durch öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Fußgänger ersetzen. Die haben es in New York in nur acht Jahren geschafft, 800 Kilometer neue Radwege anzulegen und die Gehwege zu verbreitern, so dass Straßencafés und Bänke Platz haben. Und sie haben den Times Square für Autos dicht gemacht.
Sie würden also sagen, dass es für jede Stadt Möglichkeiten gibt, ihre Verkehrsprobleme in den Griff zu kriegen?
Ja, natürlich. Es ist aber ziemlich anachronistisch, wenn man damit nicht schon vor langer Zeit angefangen hat.