ARD-Spielfilm arbeitet Fall erneut auf Die Chronik eines jahrelangen Kampfes mit der Justiz

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29. 4. 1997
Ein Unbekannter versucht, Wörz’ Ehefrau, eine 26 Jahre alte Polizistin nachts in ihrem Schlafzimmer zu töten und würgt sie mit einem Wollschal. Die Frau überlebt, ist aber schwerstbehindert und kann zur Aufklärung nichts beitragen. Der Schwiegervater – er hatte in der Einliegerwohnung des Hauses übernachtet und seine Tochter gefunden – und der Liebhaber des Opfers, beide Beamte bei der Pforzheimer Polizei, sind kurze Zeit allein am Tatort.

30.4. 1997
Die Pforzheimer Polizei konzentriert sich auf den getrennt lebenden Ehemann des Opfers: Haftbefehl für Harry Wörz.

16. 11. 1998
Wörz wird vom Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt.

11. 8. 1998
Wörz beteuert seine Unschuld und legt Revision ein. Der Bundesgerichtshof (BGH) lehnt ab, Wörz kommt ins Gefängnis.

6. 4. 2001
Ein Zivilprozess eröffnet Wörz die Chance auf eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens. Sein früherer Schwiegervater fordert rund 150 000 Euro Schmerzensgeld für die Pflege der schwerstbehinderten Tochter. Die Klage wird abgelehnt, weil die Schuld von Wörz nicht nachweisbar sei. Der Zivilrichter kritisiert die Ermittlungen der Pforzheimer Polizei.

2001
Der Antrag auf Wiederaufnahme vom Mai wird im September abgelehnt.

30. 11. 2001
Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe ordnet die Prüfung der Wiederaufnahme an und setzt Wörz sofort und ohne Auflagen auf freien Fuß. Vier Jahre und sieben Monate saß er in Haft.

9. 3. 2004
Wiederaufnahme wird abgelehnt.

8. 10. 2004
Das OLG Karlsruhe ordnet die Wiederaufnahme vor dem Landgericht Mannheim an, am 30. Mai beginnt der Prozess.

6. 10. 2005
Freispruch für Harry Wörz, doch der Vorsitzende richter äußert Zweifel an seiner Unschuld. Staatsanwalt und Nebenkläger legen Revision ein.

16. 10. 2006
Der BGH hebt den Freispruch auf.

22. 4. 2009
Das zweite Wiederaufnahmeverfahren beginnt in Mannheim.

22. 10. 2009
Freispruch für Wörz, im Urteil wird auf den Geliebten des Opfers als möglichen Täter hingewiesen. Staatsanwalt und Nebenkläger legen Revision ein.

20. 1. 2010
Der frühere Geliebte des Opfers, ein Pforzheimer Polizist, wird vom Dienst suspendiert. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen des Verdachts des versuchten Mordes.

15. 12. 2010
Der BGH verhandelt zum dritten Mal den Fall Wörz. Er wird frei gesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Januar 2013
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat sämtliche Ermittlungen im Fall Wörz eingestellt. Für einen anderen Täter gebe es keinen Anfangsverdacht, auch nicht gegen den Liebhaber. Der Mann ist seit Dezember 2013 wieder im Dienst.

Januar 2014
Der Staat lässt sich Zeit mit der Entschädigung. Wörz muss nachweisen, dass er aufgrund der erlittenen Strafverfolgungsmaßnahmen erwerbsunfähig ist.