ARD und ZDF unter Reformdruck 17 Euro, 50 Cent jeden Monat: Wohin fließt der Rundfunkbeitrag?

Von Tilmann Gangloff 

Viele ärgern sich, automatisch vier Mal im Jahr Rundfunkgebühren zahlen zu müssen, unabhängig davon, ob und wie viel sie ARD und ZDF nutzen. Wofür verwenden die Anstalten das Geld? Wir haben nachgerechnet.

Jeder Haushalt in Deutschland muss für ARD und ZDF zahlen. Das ärgert viele. Foto: dpa
Jeder Haushalt in Deutschland muss für ARD und ZDF zahlen. Das ärgert viele.Foto: dpa

Stuttgart - Bei einem seiner unvergessenen „Total normal“-Überfälle hat Hape Kerkeling 1990 die Bundespressekonferenz besucht, weil er wissen wollte, was mit seinen Steuerzahlungen geschieht. Also stellte er eine durchaus berechtigte Frage: „Wo bleibt die Mark?“

Auf eine befriedigende Antwort wartet er vermutlich bis heute. Käme der Humorist auf die Idee, sich bei der ARD zu erkundigen, wo der Beitragseuro bleibe, müsste er seine Frage nicht einmal, sondern zehnmal stellen, denn „die ARD“ besteht aus neun Landesrundfunkanstalten sowie der Deutschen Welle (wobei letztere aus dem Bundeshaushalt finanziert wird). Es lässt sich relativ rasch rausfinden, dass die ARD von den 17,50 Euro, die jeder Haushalt pro Monat zahlen muss, 12,37 Euro erhält; 1 Cent vom einzelnen Beitragszahler entsprach dabei im vergangenen Jahr 4,35 Millionen Euro in der Gesamtsumme. Die Recherche jedoch, was die einzelnen Sender mit dem Geld anstellen, ist eine echte Herausforderung. Dabei wüssten vermutlich viele Beitragszahler gern, welche Summen ins Programm fließen und was die jeweiligen Verwaltungen kosten.

Es ist nicht zuletzt die Fülle an Fakten, die den Blick verstellt, zumal sich die Sender kaum über einen Kamm scheren lassen. So gibt es zum Beispiel innerhalb der ARD keine einheitlichen Kriterien darüber, welche Planstellen konkret dem Programm zuzuordnen sind und welche nur der eigenen Verwaltung dienen.

Für Programme braucht man auch Technik

Laut Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten fließen daher nur 40 Prozent der Gebühren direkt ins Programm, weil die Kommission, wie NDR-Sprecher Martin Gartzke erläutert, „unter Programmkosten vor allem fertig ‚eingekauftes’ Programm wie Auftragsproduktionen, Film- und Sportrechte zusammenfasst.“ Aber natürlich diene auch der Aufwand für Sach- und Personalkosten der Erfüllung des Programmauftrags: „Fernsehen und Radio kommen schließlich nicht ohne Menschen aus. Viele von ihnen sind als Kameraleute, Tontechniker, Redakteure und Reporter fest angestellt. Ihre Gehälter werden unter Personal- und nicht unter Programmaufwand verbucht, doch ihre Arbeit dient allein dem Programm. Und Technik braucht man ebenfalls: Studios, Übertragungswagen, Sendeanlagen.“

Von besagten 12,37 Euro müssen die ARD-Sender ohnehin ein Drittel gleich wieder abgeben, denn damit werden die sogenannten Gemeinschaftsaufgaben finanziert. Dazu gehört unter anderem die Programmdirektion in München, die ARD-Online-Koordination in Mainz, das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin oder die ARD-aktuell-Redaktion in Hamburg, die für die Nachrichtensendungen im Ersten verantwortlich ist. In die gemeinschaftliche Verantwortung fallen außerdem noch die Digitalprogramme One und Tageschau24 sowie der Erwerb von Spielfilmlizenzen und Sportübertragungsrechten.

In absoluten Zahlen heißt das für das Geschäftsjahr 2015: Der SWR erhält zunächst 1,45 Milliarden Euro aus dem Gesamttopf der Rundfunkgebühren. Nach den diversen Abzügen bleiben 1,03 Milliarden übrig. Im Geschäftsbericht, der auf der Website des Senders für jedermann einsehbar ist, lässt sich nachlesen, wofür der SWR das Geld ausgegeben hat. Die Etats einzelner Redaktionen sind allerdings eine Wissenschaft für sich, wie selbst SWR-Sprecher Wolfgang Utz einräumen muss: „Solche Budgetaufstellungen folgen einer Systematik, die nur von Fachleuten zu durchschauen ist.“




3 Kommentare Kommentar schreiben

...: wiederholte frage: wieso bekommt der swr pro hörer 8 euro ? erstens wären das mehr als die gesamtsumme in der bilanz und zweitens bleibt dann für all die anderen sendeanstalten im verhältnis viel zu wenig. was stimmt da nicht in eurem etwas konfusem bericht ? dies ist mein zweiter kommentar, also die zweite anfrage, vielleicht überfordert es euer logisches denkvermögen

Wohin fließt der Rundfunkbeitrag, wird hier gefragt.... : Man darf das nicht nur materialistisch sehen. Das Volk benötigt politische Bildung. Jetzt mehr denn je. Diesem Auftrag werden die privaten Sender in keinster Weise gerecht. Im Gegenteil, sie forcieren geradezu die Verblödung der Massen. Ich erspare mir hier Beispiele. Die Gesellschaft braucht also die Öffentlich-Rechtlichen, um nicht abzustumpfen, zu verdummen und auf einem Auge blind zu werden. Das das nicht umsonst hinzubekommen ist, sehe ich ein und bin bereit, GEZ-Gebühren zu bezahlen.

....: etwas stimmt da nicht, wenn der swr 1,45 mrd bekommt entspricht das nicht 8 euros wenn der swr 8 euros bekäme, blieben für all die anderen sendeanstalten nur noch 4,37 euros übrig also, was ist jez richtig ? oder habe ich ihren für viele mathematisch sicherlich komplizierten beitrag auch nur falsch verstanden ?

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