Arte-Doku über die Deutsche Bank Willkommen im 36. Stock

Von Thomas Gehringer 

Wie die Deutsche Bank Vertrauen verspielt hat und wieder zurück gewinnen will, erzählt der Arte-Dokumentarfilm „Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?“. Neuerdings lässt das Geldhaus sogar Journalisten in die Vorstandsetage.

Nicht mehr so glanzvoll wie einst: die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Foto: HR
Nicht mehr so glanzvoll wie einst: die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Foto: HR

Stuttgart - Die angeschlagene Deutsche Bank will bekanntlich wieder ein solides Geldhaus sein. Man arbeitet an sich. Und am Bild von sich in der Welt. „Entweder wir verändern die Wahrnehmung, oder die Wahrnehmung verändert uns“, doziert der Kommunikationschef Jörg Eigendorf vor einigen Führungskräften der Bank. Das bedeutendste deutsche Geldhaus hat sich eine neue Offenheit auf die Fahnen geschrieben, nachdem man sich als eines der Schmuddelkinder in der weltweiten Finanzkrise erwiesen hatte. Unter anderem hatte man Kunden Anteile an faulen Immobiliengeschäften verkauft – und gleichzeitig darauf gewettet, dass die Papiere an Wert und die Kunden Geld verlieren. Jetzt heißt es: Vertrauen zurück gewinnen. Und, schau an, plötzlich öffnen sich die Türen in Frankfurt, stehen Vorstandsmitglieder Schlange vor Kameras und Mikrofonen. Kürzlich bei „ZDF Zoom“, nun an diesem Dienstag bei Arte.

„Journalisten sind hier traditionell unerwünscht, jetzt dürfen wir rein“, heißt es stolz in dem vom Hessischen Rundfunk – ein Heimspiel also – produzierten Dokumentarfilm „Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?“ (20.15 Uhr). Ehrfürchtig schwenkt die Kamera über die Vorstandsetage im 36. Stock, das Autoren-Trio Julia Klüssendorf, Stefan Jäger und Ingo Nathusius darf in eine Vorstandssitzung hineinschnuppern und auch einen Blick in die großen, eher funktional statt pompös eingerichteten Büros von John Cryan und Paul Achleitner werfen. Deren Schreibtische sind vorbildlich aufgeräumt. Die Botschaft lautet wohl: Die Altlasten sind vom Tisch. Dem ist eher nicht so. Die Deutsche Bank, die 2016 Verluste in Höhe von 1,35 Milliarden Euro schrieb, hat in den Rückstellungen noch 7,6 Milliarden Euro für zu verlierende Prozesse und Behördenstrafen einkalkuliert.

Statt von Strafzahlungen spricht man von einer „Solidar-Abgabe“

Dem informativen und kurzweiligen, manchmal auch hektischen und reißerischen Film ist der Zwiespalt anzumerken, in den die PR-Charme-Offensive der Bank die Journalisten bringt. Es gilt, die neuen Möglichkeiten wahrzunehmen, ohne sich gemein zu machen. Und die Autoren bedienen sich reichlich. Vor die Kamera treten: der Aufsichtsratsvorsitzende Achleitner, der Vorstandsvorsitzende Cryan, dessen Stellvertreter Marcus Schenck (Finanzvorstand) und Christian Sewing (Privatkundenvorstand), außerdem der Rechtsvorstand Karl von Rohr, dazu noch drei weitere Top-Manager und die früheren Chefs Josef Ackermann und Hilmar Kopper.

Sie tragen auch manche Worthülse bei, aber der vielstimmige Einblick ist doch aufschlussreich. Während der knuffige Brite Cryan gelassen und bedächtig wirkt, tut sich insbesondere Paul Achleitner eigenwillig hervor. Dass der Internationale Währungs-Fonds (IWF) die Deutsche Bank aufgrund ihrer zahlreichen Beteiligungen und Altlasten vor einem Jahr als „bedeutendsten Träger systemischer Risiken“ bezeichnet hatte, klingt in den Ohren des Aufsichtsratschefs offenbar wie ein Lob. Es sei eine „Bestätigung der Bedeutung der Deutschen Bank im gesamten System“, sagt er. Und die zu zahlenden 7,2 Milliarden Dollar, auf die man sich in Verhandlungen mit dem US-Justizministerium geeinigt hatte, um langwierige Prozesse zu vermeiden, seien keine Strafe, sondern eine „Solidar-Abgabe“.

Spannende Reise durch die Unternehmensgeschichte

Die Autoren halten mit einigen spitzzüngigen Kommentaren dagegen und betten die Interviews in einen historischen Bilderbogen von den Anfängen der Bank bis zu den jüngsten Entwicklungen ein. Insgesamt summiert sich die überdimensionierte Zahl der Befragten auf 21. Darunter sind allerdings namhafte Wissenschaftler wie der Nobelpreisträger Robert J. Shiller und Insider wie der ehemalige IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson. Die Bloomberg-Korrespondentin Elisa Mertinuzzi ist übrigens die einzige Frau unter den 21. Sie hatte im vergangenen Herbst darüber berichtet, dass einige Hedgefonds Aktien der Deutschen Bank massenhaft verkauften und gleichzeitig auf den Kursverfall wetteten. Die Bank war selbst zum Spekulationsobjekt geworden. Die Reise durch die Unternehmensgeschichte ist spannend und zwischendurch auch mal ein bisschen gruselig, weil die Autoren in apokalyptischem Tonfall vor einem erneuten „Weltenbrand“ als Folge einer weiteren Börsen- und Bankenkrise warnen. Deshalb wäre jetzt mal ein Film zum Thema schön: „Wie lässt sich in Zukunft verhindern, dass Banken gefährlich werden?“