Artenschutz Der Schrecken des Schmetterlings

Von Gerd Braune 

Monarch-Falter in Kanada leiden unter dem Anbau gentechnisch manipulierter Feldfrüchte, weil durch die Herbizide, die dafür nötig sind, ihre Nahrungsgrundlage dezimiert wird. Bevor sie zu Schmetterlingen werden, ernähren sie sich hauptsächlich von Seidenpflanzen. Davon gibt es mancherorts zu wenig.

Bedroht: der Monarchfalter leidet unter industriellem Landbau. Foto: dpa
Bedroht: der Monarchfalter leidet unter industriellem Landbau. Foto: dpa

Stuttgart - Eine Studie kanadischer Wissenschaftler stützt den Verdacht, dass der Anbau gentechnisch manipulierter Feldfrüchte wesentlich zum drastischen Rückgang des Bestandes an Monarch-Schmetterlingen in Nordamerika beigetragen hat. Genveränderte Mais- und Sojabohnensaaten ermöglichen den Einsatz von Herbiziden, die wiederum Pflanzen vernichten, von denen sich die Raupen der bunten Schmetterlinge ernähren.

Die farbenprächtigen, orange-leuchtenden Monarch-Falter sind wegen ihrer 3000 bis 4000 Kilometer langen Wanderungen vom Süden Kanadas bis nach Mexiko seit Jahrzehnten ein beliebtes Forschungsobjekt. Der Wanderfalter gilt als der am besten erforschte Schmetterling. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Süden Kanadas, wo sie vor allem im Nationalpark Point Pelee am Erie-See heimisch sind, bis in den Norden Südamerikas. Sie Überwintern auf einer nur wenige Hektar großen Fläche in der mexikanischen Sierra Nevada.

Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren einen besorgniserregenden Trend ermittelt: Die Zahl der Monarch-Falter ist deutlich gesunken. „1996 hatten wir schätzungsweise eine Milliarde Monarch-Schmetterlinge, im vergangenen Winter verzeichneten wir mit 30 Millionen Exemplaren den niedrigsten Stand der vergangenen 20 Jahre“, sagt Tyler Flockhart, Wissenschaftler an der Universität von Guelph westlich von Toronto. Die Zahl der Monarch-Schmetterlinge die in Mexiko überwintern, sank auf den niedrigsten Stand seit 1993, hatten im Januar auch der Worldwide Fund for Nature (WWF) und Mexikos Umweltministerium berichtet.

Problematischer Verlust an Seidenpflanzen

Bisher war überwiegend davon ausgegangen worden, dass das Abholzen von Wäldern und Klimaveränderungen in Mexiko der Hauptgrund für den Verlust so vieler Tiere ist, und dass die Verbreitung von gentechnisch verändertem Mais im Maisgürtel der USA den Rückgang lediglich zusätzlich fördert. Mexiko hat daher die Überwinterungsgebiete unter besonderen Schutz gestellt und ist gegen illegales Abforsten vorgegangen.

Die Studie von Ryan Norris und Tyler Flockhart von der Guelph-Universität, veröffentlicht im Journal of Animal Ecology, zeigt nun, dass der Verlust an Seidenpflanzen in Nordamerika, die wegen ihres milchigen Safts „milkweeds“ genannt werden, eine wesentlich größere Rolle bei der Zerstörung von Monarch-Beständen spielt. Die Seidenpflanzen sind die einzige Pflanzengattung, von der sich die Monarch-Raupen ernähren, bevor sie zu Schmetterlingen werden.

Entzug der Lebensgrundlage

Industrieller Landbau aber hat von 1992 bis 2013 zu einem Verlust von 21 Prozent der Seidenpflanzen geführt. Besonders groß ist der Verlust, wo der Anbau gentechnisch veränderter Getreidesorten, Mais und Sojabohnen ausgeweitet wurde, die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind. Die Forscher sehen den Anbau genetisch modifizierter Pflanzen als wahrscheinlichen Hauptgrund für den Verlust an „milkweeds“. „Herbizide werden versprüht, die alles Unkraut vernichten“, sagt Flockhart. Der Bedarf an Mais für die Ethanolproduktion fördere zudem die Umwandlung von Land, auf dem Seidenpflanzen wuchsen, in landwirtschaftliche Nutzfläche. Hinzu kommt der weitere Landverlust durch Urbanisation.

Dies entziehe den Schmetterlingen ihre Lebensgrundlage. Um den Rückgang des Bestandes an Monarch-Falter zu verlangsamen oder zu stoppen, müsse dem Schwund an Seidenpflanzen daher Einhalt geboten werden. Für eine Erholung der Bestände sei ein Wiederanpflanzen von Seidenpflanzen an Straßenrändern oder in Blumengärten erforderlich.