Astronomie
Observatorium in luftiger Höhe
Rainer Klüting,
15.03.2010 07:08 Uhr
Wenn Hans-Peter Röser von seinem Projekt erzählt, springt der Funke über. Foto: Steinert
""Eine himmlische Geschichte wird Realität.""
Hans-Peter Röser, Stuttgarter Physiker
Während der Reise habe er dem Flugpersonal das Foto gezeigt und gefragt: Glauben sie, dass so ein Flugzeug fliegen kann? Die Antwort, sagt er, sei immer Ja gewesen. Dann habe er weitergefragt: Würden sie mit so einem Flugzeug fliegen wollen? Auch diese Antwort sei überzeugt immer Ja gewesen.
Die ersten Beobachtungen sind in Planung
Wenn alles funktioniert, wird dieses Flugzeug in etwa drei Wochen wieder einmal vom Flughafen Moffet Field südlich von San Francisco abheben. Viele Jahre lang ist die Boeing 747 SP umgebaut worden. Am Heck ist eine große Tür angebracht, die im Flug geöffnet werden kann. Die ersten Tests hat die Maschine schon hinter sich. Als die Tür im vergangenen Jahr erstmals im Flug geöffnet wurde, sagten die Piloten, sei das Flugzeug genau so gut geflogen wie vorher. Dieses Mal findet der entscheidende Test unterhalb der Tür statt. Ein Teleskop mit einem 2,7 Meter großen Spiegel wird sich auf den Himmel richten, und die Wissenschaftler werden ausprobieren, ob die Steuerung und die Ausrichtung auf ein Ziel funktioniert.
Vielleicht noch in diesem Jahr soll das "Stratosphärenobservatorium für Infrarotastronomie", kurz Sofia, die ersten astronomischen Beobachtungen anstellen. Geplant sind für die nächsten zwanzig Jahre 160 Flüge im Jahr, hoch oben über den Wolken und über anderen Flugzeugrouten in 15.000 Meter Höhe.
Sieben Stunden soll so ein Flug dauern. Mit dabei werden Wissenschaftler sein, aber nicht nur sie. 14 Plätze sind als "fliegendes Klassenzimmer" für Schüler und Lehrer reserviert. Röser und seine Kollegen haben Kontakt zu zehn Schulen in der Region und in anderen Bundesländern aufgenommen, in denen Astronomie ein Schwerpunkt ist. Der Flughafen Stuttgart ist einer der Partner des Projekts und wird auch ein wichtiger Standort des Flugzeugs sein.
Ein langer Weg bis zur Realisierung
Es war ein langer Weg bis zur Realisierung dieses Projekts. Hans-Peter Röser, seit acht Jahren in Stuttgart, hat ihn mit Zähigkeit verfolgt. Angefangen hat seine Geschichte schon 1985. Damals flog er mit einem Vorläufer seines Stratosphärenobservatoriums mit, dem Kuiper Airborne Observatory. Dieses Flugzeug war damals schon zehn Jahre alt und kam in die Jahre. 1995 wurde es außer Betrieb genommen. Seitdem trommelt Röser für einen Nachfolger.
1997 einigten sich deutsche und amerikanische Stellen auf eine gemeinsame Finanzierung des Projekts. Für fünf Millionen Euro wurde eine ausgediente Boeing gekauft, vollständig zerlegt und umgebaut. Am Heck entstand hinter einer Druckwand eine Kammer, die sich öffnen lässt, so dass ein Teleskop nach schräg links herausschauen und um etwa 40 Grad nach oben und unten gekippt werden kann.
Das Teleskop haben deutsche Firmen hergestellt, den Umbau übernahmen die USA. Die Anforderungen an das Teleskop waren hoch. Schließlich muss es im Flug bei 900 Kilometern pro Stunde präzise auf eine Stelle am Himmel ausgerichtet werden. Röser: "Wenn sie mit einem Porsche auf der Autobahn 250 Stundenkilometer fahren und auf 16 Kilometer Entfernung ein Pfennigstück treffen, dann ist das die Genauigkeit, die gefordert ist".
Der Aufwand lohnt sich
Und wozu der ganze Aufwand? "Das Weltall strahlt vor allem im Infrarotbereich", sagt Röser und zeigt ein Foto vom Zentrum der Milchstraße, aufgenommen in sichtbarem Licht. Dort sieht es dunkel aus, denn Staubwolken versperren die Sicht. Doch Satellitenaufnahmen, gemacht im infraroten Licht, zeigen einen Himmelsbereich voller Sterne.
Solche Fotos kann man vom Erdboden aus nicht machen, weil infrarotes Licht nicht durch feuchte Atmosphäre dringt. Doch in 15 Kilometer Höhe ist ein Flugzeug über allen Wolken. Und gegenüber Satelliten habe es eine Reihe von Vorteilen, sagt Röser: Man kann es täglich zurückholen und verbessern, man kann es mit neuester Technik ausstatten, man kann es dort hinschicken, wo etwas zu sehen ist - und man kann den Nachwuchs mitfliegen lassen, Studenten und sogar Schüler. Das ganze, findet Röser, sei eine "himmlische Geschichte in der Realität".
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