Ateschrang-Teppiche
Der Abstieg ins Industriegebiet
Susanne Janssen,
20.05.2010 07:46 Uhr
Den Teppichen von Parviz Ateschrang geht es wie manchem Star: Sie haben den Schlusspunkt verpasst. Foto: Mierendorf
Esslingen - Alles Erfolgreiche wird kopiert und fortgeschrieben. Nach Sister Act kommt Sister Act II, manche Filme haben es sogar auf bis zu fünf Fortsetzungen gebracht - so soll auch der Fluch der Karibik mit Hobbypirat Johnny Depp gerade wieder neu aufgelegt werden. Ob das ganze künstlerisch wertvoll ist, sei dahin gestellt. Fest steht aber, dass auch Stuttgarts Orientmärchen Nummer Eins mit den Teppichen von Ateschrang gerade wieder mal in die Verlängerung geht.
Offiziell hatte sich die Familie empört: Betrüger würden ihren Namen verwenden, um frühere Kunden zu einem obskuren Verkauf zu locken und ihnen ein Teppichgeschenk zu versprechen. In der Tat kursierten Briefe mit Namen und Konterfei von Parviz Ateschrang, der längst schon in Istanbul leben soll, aber vor kurzem in der Stuttgarter Innenstadt gesehen wurde. Der Teppichverkauf der Familie Ateschrang, die fünf Jahrzehnte lang die Bürger in der Steinstraße mit Orientbrücken versorgte, sei aus und vorbei. Endgültig.
Wirklich? In Briefen und Zeitungsannoncen lebt gerade die Legende wieder auf. Da wird verkündet "Ateschrangs Teppiche sind wieder da" - in Esslingen-Berkheim. Stammkunden der Familie riefen in der Redaktion an, um zu versichern, dass es keineswegs Betrüger auf fliegenden Teppichen seien, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. "Ich habe tatsächlich eine Brücke geschenkt bekommen, ich konnte sogar aus vier Farben auswählen", so eine Frau, die als gute Ateschrang-Kundin einen Gutschein erhalten hatte. Der geschenkte Teppich ziere nun die Wohnung ihres Sohnes.
Andere Kunden waren weniger enthusiastisch. "Ich habe vor 40 Jahren einen Teppich dort gekauft", sagt eine Leserin aus Malmsheim. Das gute Stück sei auch nach vier Jahrzehnten intakt, schmuck und liege immer noch in ihrer Wohnung. Was sie aber ärgere: Dass die Firma ihre Kundendaten an die "Deutsche Verwertungsgesellschaft" herausgegeben habe, und sie nun Post von denen erhalte. Das sei doch nicht in Ordnung, derart mit Kundendaten umzugehen.
In der Tat räumen die Ateschrang-Nachfolger in ihrer Anzeige ein, dass sie die Restbestände des Teppichlagers von Parviz Ateschrang im Oktober 2010 aufgekauft hätten, nach der jahrelangen Rabattschlacht in der Stuttgarter Innenstadt. Wahrscheinlich habe sie alle Kundenadressen gleich zum Schnäppchenpreis mitgekauft.
Die Deutsche Verwertungsgesellschaft Ltd. wurde erst am 22. Oktober 2009 ins Handelsregister Wuppertal eingetragen, Sitz der Firma ist Erkrath. Neben den legendären Ateschrang-Teppichen würden auch weitere Restbestände der "renommiertesten Teppichhäuser Europas" dort in Esslingen-Berkheim, direkt hinter dem Festo-Werk feilgeboten. "Günstiger, als sie heute überhaupt geknüpft werden können", behaupten die Nachfolger.
Dort, im Berkheimer Industriegebiet, fehlt jeder Zauber aus Tausendundeiner Nacht. Ein schmuckloses rotes Schild der Deutschen Verwertungsgesellschaft, im Hinterhof eine Tür, die auch ohne "Sesam öffne dich" aufgeht und den Blick auf viele Stapel Orientteppiche frei gibt. Keine ultimativ letzte Chance, Ateschrang-Teppiche zu kaufen, sondern ein ganz normaler Verkauf von Restbeständen, täglich außer sonntags von 10 bis 20 Uhr.
Das haben sie nicht verdient. Nach Jahrzehnten Orient-Poesie nun ein schnöder Reste-Ramsch? Die Legende ist endgültig tot. Abgestiegen in die Kreisliga. Verkauft für einen Appel und ein Ei. Und man darf gespannt sein auf die Wiedergeburt.
Offiziell hatte sich die Familie empört: Betrüger würden ihren Namen verwenden, um frühere Kunden zu einem obskuren Verkauf zu locken und ihnen ein Teppichgeschenk zu versprechen. In der Tat kursierten Briefe mit Namen und Konterfei von Parviz Ateschrang, der längst schon in Istanbul leben soll, aber vor kurzem in der Stuttgarter Innenstadt gesehen wurde. Der Teppichverkauf der Familie Ateschrang, die fünf Jahrzehnte lang die Bürger in der Steinstraße mit Orientbrücken versorgte, sei aus und vorbei. Endgültig.
Die Legende lebt wieder auf
Wirklich? In Briefen und Zeitungsannoncen lebt gerade die Legende wieder auf. Da wird verkündet "Ateschrangs Teppiche sind wieder da" - in Esslingen-Berkheim. Stammkunden der Familie riefen in der Redaktion an, um zu versichern, dass es keineswegs Betrüger auf fliegenden Teppichen seien, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. "Ich habe tatsächlich eine Brücke geschenkt bekommen, ich konnte sogar aus vier Farben auswählen", so eine Frau, die als gute Ateschrang-Kundin einen Gutschein erhalten hatte. Der geschenkte Teppich ziere nun die Wohnung ihres Sohnes.
Andere Kunden waren weniger enthusiastisch. "Ich habe vor 40 Jahren einen Teppich dort gekauft", sagt eine Leserin aus Malmsheim. Das gute Stück sei auch nach vier Jahrzehnten intakt, schmuck und liege immer noch in ihrer Wohnung. Was sie aber ärgere: Dass die Firma ihre Kundendaten an die "Deutsche Verwertungsgesellschaft" herausgegeben habe, und sie nun Post von denen erhalte. Das sei doch nicht in Ordnung, derart mit Kundendaten umzugehen.
In der Tat räumen die Ateschrang-Nachfolger in ihrer Anzeige ein, dass sie die Restbestände des Teppichlagers von Parviz Ateschrang im Oktober 2010 aufgekauft hätten, nach der jahrelangen Rabattschlacht in der Stuttgarter Innenstadt. Wahrscheinlich habe sie alle Kundenadressen gleich zum Schnäppchenpreis mitgekauft.
Keine Spur mehr vom Zauber aus Tausendundeiner Nacht
Die Deutsche Verwertungsgesellschaft Ltd. wurde erst am 22. Oktober 2009 ins Handelsregister Wuppertal eingetragen, Sitz der Firma ist Erkrath. Neben den legendären Ateschrang-Teppichen würden auch weitere Restbestände der "renommiertesten Teppichhäuser Europas" dort in Esslingen-Berkheim, direkt hinter dem Festo-Werk feilgeboten. "Günstiger, als sie heute überhaupt geknüpft werden können", behaupten die Nachfolger.
Dort, im Berkheimer Industriegebiet, fehlt jeder Zauber aus Tausendundeiner Nacht. Ein schmuckloses rotes Schild der Deutschen Verwertungsgesellschaft, im Hinterhof eine Tür, die auch ohne "Sesam öffne dich" aufgeht und den Blick auf viele Stapel Orientteppiche frei gibt. Keine ultimativ letzte Chance, Ateschrang-Teppiche zu kaufen, sondern ein ganz normaler Verkauf von Restbeständen, täglich außer sonntags von 10 bis 20 Uhr.
Das haben sie nicht verdient. Nach Jahrzehnten Orient-Poesie nun ein schnöder Reste-Ramsch? Die Legende ist endgültig tot. Abgestiegen in die Kreisliga. Verkauft für einen Appel und ein Ei. Und man darf gespannt sein auf die Wiedergeburt.
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