Atomausstieg Die meisten sind fürs Abschalten
Andreas Müller, 18.02.2010 16:25 Uhr
Heiß umkämpft: der Meiler Neckarwestheim, hier bei einer Protestaktion Foto: dpa
Heiß umkämpft: der Meiler Neckarwestheim, hier bei einer Protestaktion Foto: dpa
Stuttgart - Parteifreunde schildern Stefan Mappus gerne als Instinkt- oder Erfahrungspolitiker. Stimmungen aus der Bevölkerung aufzunehmen und in Politik umzusetzen - das sei einer seiner prägenden Eigenschaften. Wenn das stimmt, dann müsste dem Ministerpräsidenten das Umfrageergebnis zur Zukunft der Atomkraftwerke sehr zu denken geben. Eine klare Mehrheit der Befragten, 55 Prozent, wollen nämlich am Atomausstieg festhalten und die Reaktoren möglichst schnell abschalten. Lediglich 39 Prozent sind dafür, die Laufzeiten der Atommeiler zu verlängern. Genau dafür setzt sich Mappus vehement ein. So habe man es vor der Bundestagswahl versprochen und sei auch dafür gewählt worden, so stehe es im Koalitionsvertrag, der nun auch gelten müsse. Indes, die Wähler sind nicht immer konsequent: Einerseits haben sie CDU und FDP im Bund eine klare Mehrheit gegeben, andererseits scheinen sie - jedenfalls der Umfrage zufolge - den atompolitischen Kurs der Koalition mehrheitlich abzulehnen.

Man darf gespannt sein, wie Mappus mit dieser für ihn vertrackten Erkenntnis umgeht. So sehr er sich als Politiker profilieren möchte, der sein Wort hält, so dankbar wären ihm die Bürger womöglich, wenn er es diesmal bräche. Besonders begrüßen würden das natürlich die Anhänger der Opposition: Bei den Grünen wollen 90 Prozent der Befragten die Reaktoren abschalten, bei der SPD sind es immer noch 68 Prozent und bei den Linken 51 Prozent. Aber auch unter den CDU-Anhängern sind die Meinungen sehr gemischt: 50 Prozent plädieren für längere Laufzeiten, 45 Prozent für den Verzicht auf die Atomkraft. Am treuesten stehen immer noch FDP-Anhänger zu den Reaktoren: 53 Prozent wollen sie weiterlaufen lassen, aber die Gegner sind mit 36 Prozent auch ziemlich stark. Bei Schwarzen und Gelben spiegeln sich die Vorbehalte indes nur bedingt bei Mandats- und Funktionsträgern wider: Kernkraftkritiker gibt es zwar in beiden Parteien, aber sie gelten eher als Außenseiter - ganz anders als im Urteil der Bürger.

Bemerkenswert ist zudem: Frauen lehnen die Kernkraft besonders stark ab. 60 Prozent von ihnen plädierten dafür, am Atomausstieg weiter festzuhalten, aber nur 51 Prozent der Männer. Die kritische Haltung wächst zudem mit dem Bildungsgrad: 64 Prozent der Befragten mit Abitur wollen den Ausstieg, aber nur 47 Prozent der Absolventen von Volks- oder Hauptschulen.
Kommentare (10)
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FEB
20
ws, 08:34 Uhr

@Bananarama

genau so ist es. wollen wir über die energiepolitik voten lassen, modiert von bohlen? deutschland sucht die super-kuschelenergie. die verwirrung in den köpfen ist groß, mega, giga, egal. in spiegel-online war viele stunden lang mal von einem projektierten 35.000 megawatt offshore-park in der nordsee die rede. (faktor 1000 weniger stimmt). ein hauptproblem ist, dass der journalist selber nicht kapiert, worüber er schreibt (ist in anderen bereichen aber ähnlich) - aber wo sollte er es auch lernen. von jungen modernen frauen, die was spannendes mit medien machen möchten nehme ich ungern belehrungen an.

FEB
19
Micha, 11:41 Uhr

Bahn muß dann wohl Finanzplanung ändern

Da die Bahn ihren Strom nicht aus dem Ausland beziehen kann, müssen sie wohl demnächst Gelder aus dem S21-Topf für den Bau eines neuen Kraftwerks zur Verfügung stellen. Das Kraftwerk muß gebaut werden, denn ohne Strom fahren keine ICE's und ein unterirdisches Stuttgart macht noch mehr keinen Sinn. Jaja Herr Grube, die schönste Modellbahnanlage mit macht keinen Spaß, wenn man keinen Regeltrafo dafür hat. Dies ist nur ein weiteres Argument mit dem die Außerirdischen gegen die Unterirdischen punkten.

FEB
19
stromsparer, 10:29 Uhr

Bahnstrom aus GKN I

Ist das Ausstiegsgesetz von 2002 an den Bahnverantwortlichen völlig spurlos vorübergegangen? Seit Jahre weiß man, dass GKN I im Frühjahr 2010 abgeschaltet wird. Sitzen in deutschen Führungspositionen von Wirtschaft und Politik eigentlich nur noch Idioten?

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