Atomendlager Mappus mahnt Entscheidung an
dpa/lsw, vom 16.03.2010 15:04 Uhr
Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) fordert eine rasche Entscheidung für den Bau eines Atomendlagers im Salzstock Gorleben in Niedersachsen. "Jetzt sollte man allmählich mal zu Potte kommen", sagte er am Dienstag in Stuttgart. Schließlich sei Gorleben jahrzehntelang für hunderte Millionen Euro geprüft worden. "Keiner sagt, dass es eine eindeutig bessere Gesteinformation für die Lagerung hoch radioaktiver Abfälle gibt." Es sei selbstverständlich, dass das Prüfverfahren jetzt fortgesetzt und zum Abschluss gebracht werde.
Eine Suche alternativer Standorte lehnte Mappus ab. "Ich halte nichts von einer Verzögerungstaktik." Würden neue Standorte geprüft, werde dies wieder drei bis vier Jahrzehnte dauern.
In der Vergangenheit hatte es Überlegungen gegeben, dass sich auch bestimmte Gesteinsformationen im Schwarzwald als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll eignen könnten. Im Gespräch waren nach einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover auch Standorte in der Region Ulm/Riedlingen (Kreis Biberach) sowie im Landkreis Konstanz.
Der Grünen-Landesverband warf Mappus vor, nach dem Sankt-Florians- Prinzip zu handeln. Einerseits fordere er längere Laufzeiten für den "Schrottreaktor" Neckarwestheim, andererseits wolle er den im Land produzierten Atommüll ins ferne Gorleben abschieben - wohl wissend, dass mit Asse und Morsleben bereits zwei Endlager in Salzstöcken gescheitert seien. "Eine vorschnelle Festlegung auf Gorleben führt in eine Sackgasse und ist ein Spiel mit der Gesundheit künftiger Generationen", sagte Grünen-Landeschef Chris Kühn.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat angekündigt, Gorleben in einem "offenen" Verfahren bei voller Bürgerbeteiligung vorrangig erkunden zu lassen. Mit einer möglichen Inbetriebnahme rechnet er in 20 bis 25 Jahren, also spätestens im Jahr 2035.