Auftragskrise im Maschinenbau Das Bangen geht weiter
Ulrich Schreyer, vom 20.01.2010 13:30 Uhr
Esslingen - "Die Auftragslage ist wieder etwas besser", sagt Sieghard Bender zu der aktuellen Entwicklung beim Werkzeugmaschinenhersteller Index in Esslingen. Dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Esslingen ist es zwar gelungen, mit der Geschäftsführung eine Vereinbarung abzuschließen, die Kündigungen bis zum Ende dieses Jahres ausschließt. Statt wie geplant 780 Stellen zu streichen, setzt das Unternehmen jetzt auf umfangreiche Kurzarbeit. Seit Beginn des Jahres arbeiten nach Benders Angaben 1100 Mitarbeiter nur noch vier Tage in der Woche, für 700 Beschäftigte gilt "Kurzarbeit Null".
Dennoch ist aber noch nicht klar, wie es mit Index und seiner Tochtergesellschaft Traub in Reichenbach/Fils weitergehen soll. Im Februar sollen die Diskussionen über die Zukunft weitergehen, nachdem zunächst versucht wurde, die aktuellen Probleme in den Griff zu bekommen.
"Die Frage ist eben, ob die Geschäftsführung weiter eine Zwei-Marken-Strategie verfolgt oder nicht", sagt Bender. Seit Index den damals insolventen Maschinenbauer Traub 1997 übernommen hatte, wurde stets darauf geachtet, den Kunden sowohl Maschinen der Marke Index wie auch der Marke Traub anzubieten. Nach den Angaben des Gewerkschafters aber gab es bei der Geschäftsführung auch Überlegungen, das Werk von Traub zu schließen. "Das wäre der größte Fehler", meint Lothar Bindert, der Betriebsratsvorsitzende in Reichenbach. Wolle man weiter Traub-Maschinen anbieten, brauche man in Reichenbach neben der Produktion auch weiter eine eigenständige Entwicklung und einen selbstständigen Vertrieb. Unter dem Dach von Index in Esslingen, so meint der Traub-Betriebsrat, könnten keine Traub-Maschinen hergestellt werden. Er sei schon wegen der Wünsche der Kunden auch "guter Hoffnung", dass eine Verschmelzung der Tochtergesellschaft Traub mit der Muttergesellschaft Index verhindert werden könne, erklärte der Betriebsratschef von Traub.
Wie Bindert, der im November bei einer Kundgebung vor der Zentrale der Stuttgarter Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) staatliche Hilfe für Maschinenbauer gefordert hatte, setzt auch Giovanni Conforti auf Unterstützung durch die Landesregierung. "Wir sind unverschuldet in die Krise geraten", meint der Betriebsratsvorsitzende bei Index in Esslingen. Wegen der steigenden Auftragseingänge sei er zudem zuversichtlich, dass auch die Vereinbarung mit der Gewerkschaft über die Sicherung der Arbeitsplätze halte. Von Index war keine Stellungnahme zu den Plänen des Maschinenbauers zu erhalten.
Die Politik schaltet sich ein
Hilfen
Unter Führung von Ministerpräsident Günther Oettinger sprechen heute in Stuttgart Vertreter der Maschinenbauer und der IG Metall über die Möglichkeit staatlicher Hilfen.
Index-Werke
Die Index-Werke Hahn & Tessky beschäftigen in Esslingen und Deizisau rund 1700 Mitarbeiter. Bei der Tochtergesellschaft Traub in Reichenbach/Fils arbeiten etwa 500 Beschäftigte. Noch 2008 wurde konzernweit ein Umsatz von 505 Millionen Euro erzielt. Danach gab es einen dramatischen Einbruch.