Stadtliga Stuttgart. Was nach Organisation und Vereinsmeierei klingt, hat gerade damit wenig zu tun. Kneipenmannschaften oder Freundeskreise spielen gegeneinander, haben Spaß miteinander, und freuen sich am Ende schon über Tore oder im besten Fall den Titel des Stadtmeisters. Seit 1995 gibt es diese selbstverwaltete Meisterschaft für Hobbymannschaften. Zwänge gibt es kaum. Gewechselt wird zum Beispiel fliegend, mehr oder weniger an der Mittellinie. Die ehrenamtlichen Arbeitsfelder sind auf mehrere Schultern verteilt: Einer kümmert sich um den Spielplan, ein anderer um die Internetseite, die eher Informationsumschlagplatz als Selbstdarstellung ist. Die Posten der Schieds- und Linienrichter übernimmt eines der spielfreien Teams, und als Spielhose kann auch mal eine abgeschnittene Cargopants dienen. Auch nicht jedes Oberbekleidungsstück, welches als Trikot dient, hat eine aufgedruckte Nummer. Guerilla-Fußball eben. Autonome Kicker.
Nur maximal zwei aktuell Aktive mit Spielerpass pro Team sind zugelassen. Früher an der Hohen Eiche in Degerloch, seit fünf Jahren nun in den idyllischen Tiefen im Feuerbacher Tal auf dem Gelände der Sportvg Feuerbach. In direkter Spielplatznähe. "Wir werden ja alle älter, haben Familie. Hier ist es optimal, der Platz ist prima gepflegt und man kann Kind und Kegel mitbringen", sagt Marko Schumacher von Tünnes & Co, ein Haufen Freunde, die sich einmal in der Woche zum Kicken beim ABV Stuttgart eingemietet haben. In der Stadtliga können sie sich mit anderen Teams messen, wie zum Beispiel gerade gegen die Biddy Early"s, das Team der gleichnamigen irischen Kneipe. 4:2 heißt es am Ende für Tünnes & Co., dabei war sogar ein etatmäßig gefährlicher Tünnes-Torschütze gehandicapt. Martin Zursiedel übernahm diesmal das Tor, weil er am Sonntag noch einen Halbmarathon laufen wollte.
Mit Liegedecke, Kindern, Spielzeug, Frau oder Freundin und einer Kiste Bier laufen derweil die Spieler von 98elf ein. "Während der Weltmeisterschaft in Frankreich, das war 1998, haben wir im Café Soho gesessen und die WM-Spiele im Fernseher angeschaut. Dann haben wir gesagt, was die können, können wir auch", erzählt Dirk Hastenteufel über die Gründung von 98elf. Seitdem ist die Kneipenmannschaft dabei, dieses Jahr in funkelniegelnagelneuen Trikots, gestiftet vom Café-Betreiber. Während das erste Spiel noch läuft, ziehen sich die Teams der zweiten Paarung um und bereiten sich vor. Doch zum ordentlichen Aufwärmen dienen eher die ersten 15 Minuten nach dem Anpfiff der eigenen Partie. 98elf gegen die Pumas. Die Wildkatzen repräsentieren die legendäre Konzertveranstaltungskneipe "Röhre", waren aber am vergangenen Spieltag eher zahm unterwegs und unterlagen den Soho-Kickern mit 1:3. Die fünfte Mannschaft der Saison ist der ASV, hauptsächlich Freunde der Kult-Kneipe Schlesinger Int., an diesem Wochenende spielfrei.
Letztes Jahr waren es dagegen noch acht Mannschaften, die in zwei Gruppen aufeinander trafen. Gerne würde die Stadtliga noch weitere Hobbyteams aufnehmen. Ab und zu melden sich auch komplette Mannschaften über die Internetseite. "Wir schlagen dann ein Freundschaftsspiel vor. Man muss ja schließlich miteinander können. Dann melden die sich nicht mehr. Komisch eigentlich", sagt Nico Weißer (98elf), der die Internetseite www.stadtliga-stuttgart.de betreut. Viele der ehemaligen Vereinskicker erkennt man in den Hobbymannschaften, die vor allem von ihren technischen Fähigkeiten profitieren. Doch egal ob Hobby- oder Vereinsspieler, es gibt durchaus Gemeinsamkeiten bei beiden Varianten: Erstens, die Kondition reicht oft nicht über zweimal 45 Minuten. Zweitens: man schimpft schneller über den Schiedsrichter oder den Gegner, als über sich selbst. Laufen, passen, fluchen - zum Dampf ablassen bei der schönsten Nebensache der Welt braucht es eben keinen Spielerpass.

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