Aug in Aug mit gleich zwei kapitalen Silberrücken

Von "Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg" 

Gerlingen Friedrich Waigandt, 74, hat sich auf die Spuren desBestsellers "Gorillas im Nebel" begeben. Von Petra Mostbacher-Dix

Gerlingen Friedrich Waigandt, 74, hat sich auf die Spuren desBestsellers "Gorillas im Nebel" begeben. Von Petra Mostbacher-Dix

Das tut mir weh." Friedrich Waigandt schaut auf die Artikel, die er aus Zeitungen ausgeschnitten hat. Sie beschreiben einen Pilotprozess, der zurzeit am Oberlandesgericht Stuttgart gegen zwei Ruander läuft:

Ignace Murwanashyaka aus Mannheim und Straton Musoni aus Neuffen werden in 18 Fällen Kriegsverbrechen und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorgeworfen. Sie sollen Präsident und Vize der Rebellengruppe Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas" (FDLR) sein, viele Jahre von Baden-Württemberg aus per Computer und Handy menschenverachtende Milizionäre kommandiert haben, um vom gesetzlosen Ost-Kongo aus gegen das Regime ihrer alten Heimat zu kämpfen.

Waigandt verfolgt den Prozess genau. Der Gerlinger war erst im Februar in Ruanda, dort, wo sich wohl die FDLR aufhält, in der Virunga-Vulkankette im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo.

In dieser Gegend zwischen den Vulkanen Visoke und Karisimbi, mit 4507 Metern die höchste Erhebung Ruandas, lebte auch die Verhaltensforscherin Dian Fossey. Sie schrieb das Buch "Gorillas im Nebel. Mein Leben mit den sanften Riesen" und setzte sich für die vom Aussterben bedrohten Tiere ein.

"Seit ich es gelesen habe Anfang der 1980er Jahre, wollte ich zu diesen lieben Tieren, ihnen gegenüberstehen, durch die langen Unruhen und den Genozid in Ruanda war es unmöglich", sagt er. Nun sagte er sich: "Jetzt oder nie mehr", buchte über ein Reisebüro eine vorgeplante Privattour mit Fahrer und deutschsprachigem Reiseführer durch Ruanda inklusive zweier Gorilla-Trekkingtouren. Ein halbes Jahr bereitete er sich intensiv vor, ließ sich im Tropeninstitut Tübingen beraten und impfen, suchte per Annonce Mitreisende.

"Ich wollte nicht alleine gehen, aber keiner hat sich gemeldet", erzählt der gelernte Werkzeugmacher und Industrie-Meister, der 1956 mit 18 Jahren von Würzburg wegen des besseren Verdiensts nach Stuttgart gekommen war. Die Vulkane machten ihm keine Angst - 40 Jahre lang bestieg er mehr als 3000 Meter hohe Berge in Österreich, Italien und der Schweiz. Einmal habe er dabei fast wegen eines falsch verstauten Teleskopsteckens das Leben verloren. "Ich habe viel gelernt", sagt Waigandt. Ganz Entdecker liebt er die Natur, geht aber die Dinge bedächtig und durchdacht an.

In Ruanda war er der einzige Deutsche, ständig an seiner Seite: die Begleiter Mike und John. "Am ersten Tag waren wir beim Genozid-Denkmal in Nyamata. Erschütternd! Fast eine Million Menschen abgeschlachtet, in den Kirchen sind Tausende von Kleidungsstücken, Knochen und Schädel." Nach weiteren Besichtigungen sei es über den Kivu-See, drittgrößtes Binnengewässer Afrikas, quer durch die Berge auf einer Vulkanpiste nach Ruhengeri und Kinigi zum Volcanoes National Park, Ausgangspunkt der Gorilla-Tour, gegangen.

Waigant erzählt mit glänzenden Augen: "Alle vorgebuchten Besucher wurden in Gruppen von acht Personen eingeteilt. Dann ging"s los, mit Rancher, jemand, der mit einer Machete den Weg freimachte, sowie zwei Männern mit Kalashnikovs - zur Sicherheit wegen der Nähe zum Kongo." Waigandt schwärmt von den zwei mächtigen Silberrücken-Männchen mit ihren Gorillafamilien, die er hautnah erlebt habe oder dem Jungen, das auf ihn Brust klopfend zugelaufen sei. "Ein Traum hat sich erfüllt! Der beste darunter war aber Francois Bigirimana, unser Gorillaführer." Der 62-Jährige habe schon als Junge bei Dian Fossey gearbeitet, so Waigandt.

Nur einmal hatte er Angst. "Ich war allein, pausierte, als ein Riesengeschrei begann, ein Silberrücken mit Baby auf dem Rücken daher rannte. Ich erwartete Schüsse." Letztlich sei es nur ein Streit der beiden Familien um die besten Futtergründe gewesen. "Gorillas wechseln von der Seite Kongo auf die Ruandas, weil sie im Kongo abgeschossen werden", sagt Waigandt. Er hofft, dass die Unruhen aufhören, damit Ruanda - und auch die Gorillas - sich in Ruhe entwickeln können.

Das wollte auch Dian Fossey. In ihrem Karisoke-Forschungszentrum im Grenzgebiet kämpfte die Zoologin, die als schwierig beschrieben wird, gegen Wilderer und für die Erhaltung des ruandischen Nationalparks. Das kostete sie das Leben: 1985 wurde sie ermordet.

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