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Aus für Puppentheater Stadt streicht den Schutzengel

Markus Heffner, vom 10.03.2010 07:33 Uhr
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Das Kasperle und sein Schutzengel haben Generationen von Kindern das Verhalten im Straßenverkehr erklärt. Foto: Steinert
Das Kasperle und sein Schutzengel haben Generationen von Kindern das Verhalten im Straßenverkehr erklärt. Foto: Steinert
""Anfangs hieß es, dass es noch Gespräche geben soll, um die Puppenbühne zu retten. Wir haben aber seither nichts mehr gehört.""
Rolf Högemann, Puppenspieler

Stuttgart - In all den Jahren ist er nicht einmal zu spät gekommen: Der Schutzengel Raphaela, der den unachtsamen Kasper ein ums andere Mal gerade noch vor dem heranbrausenden Auto von der Straße ziehen kann. Unzählige Male hat die himmlische Beschützerin ihm hinterher beigebracht, dass man nach "links, rechts, links" schauen muss, wenn man sicher über die Straße kommen will. Und genauso oft haben die kleinen Zuschauer dann zusammen das Kasperlied mitgesungen: "Autos fahren überall, da kann man nichts dran machen. Ich pass auf mich selber auf, dann wird es auch nicht krachen."

Mehr als 80.000 Kinder haben das Stück "Ein Engel für Kasper" zwischenzeitlich gesehen, das die Verkehrspuppenbühne nun schon seit zehn Jahren spielt. Auch in diesem Jahr sind die beiden Puppenspieler schon wieder von vielen Grundschulen und Kindergärten angefragt worden - zur großen Enttäuschung der Einrichtungen, die den Stuttgarter Verkehrskasper schon seit vielen Jahren engagieren, haben sie aber allesamt eine Absage erhalten. "Wir können keine Vorstellungen mehr geben, weil im Etat der Stadt kein Geld für den Verkehrskasper übrig ist", sagt Maren Haß, die Leiterin der Puppenbühne.

Finanziert worden sind die für Schulen und Kitas kostenlosen Auftritte der Puppenbühne bisher von der Stuttgarter Verkehrswacht, die ihrerseits jährlich einen städtischen Zuschuss von 65.000 Euro erhalten hat. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung wurden davon 56000 Euro gestrichen, für die Verkehrspuppenbühne sei damit kein Geld mehr vorhanden, sagt Roswitha Wenzl, die Kinderbeauftragte der Stadt und Vorsitzende der Verkehrswacht.

Dem Kasper hören die Kinder besser zu


Für das Stuttgarter Rathaus, das laut Zielvorgabe des Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster in der kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands stehen soll, ist der Fall damit offenbar erledigt. "Anfangs hieß es, dass es noch Gespräche geben soll, um die Puppenbühne zu retten. Wir haben aber seither nichts mehr gehört", sagt Rolf Högemann, der bisher mit Spielpartnerin Maren Haß jedes Jahr knapp 250 Vorstellungen gegeben hat. Inzwischen steht der Puppenspieler, Texter und Schauspieler kurz davor, Hartz IV beantragen zu müssen. "Durch die kurzfristige Kündigung fehlen mir jeden Monat bis zu 1500 Euro", sagt er.

An den Stuttgarter Schulen und Kindergärten werden der Verkehrskasper und sein Schutzengel seither schmerzlich vermisst. "Die Puppenbühne ist seit vielen Jahren fester Bestandteil unseres Verkehrsnachmittags für angehende Erstklässler", sagt Sabine Keck-Blöchle, Conrektorin der Fuchsrainschule in Gablenberg. Zum einen sei das Puppentheater eine nicht zu übertreffende Motivation für die Kinder, überhaupt zu dieser Veranstaltung zu kommen. "Das hören wir von den Eltern immer wieder", sagt sie. Dann sei es natürlich auch wichtig, das Thema Verkehrserziehung auf kindgerechtem Weg zu vermitteln. Zwar würden an diesem Tag auch Polizisten zeigen, wie man sich im Straßenverkehr verhält und an welchen Stellen man besonders aufpassen muss. "Dem Verkehrskasper hören die Kinder aber einfach viel besser zu. "

Aus diesem Grund war die Verkehrspuppenbühne vor fast 60 Jahren vom Stuttgarter Ordnungsamt auch gegründet worden, knapp 900.000 Kinder haben die unterschiedlichen Stücke seither gesehen. Für dieses Jahr hatte sich Rolf Högemann eigentlich eine neue Geschichte ausgedacht und auch ein Lied dazu geschrieben. Das Manuskript liegt nun zusammen mit den Handpuppen in einer Truhe und verstaubt.

Auch den beiden Puppenspielern fehlt ihre Bühne, mit der sie im Fall von Maren Haß schon seit mehr als 30 Jahren durch alle Stuttgarter Schulen und Kindergärten tingeln. "Wir haben das mit großer Freude gemacht und sind über das plötzliche Aus sehr traurig", sagt Maren Haß, die durch die städtische Radikalkur auch ihre einzige regelmäßige Einnahmequelle verloren hat. Viel mehr schmerzt sie aber ein anderer Verlust: "Dass die vielen Kinder künftig ohne Schutzengel auskommen müssen."
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Kommentare (24)
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MRZ
14
12:19 Uhr, geschrieben von Martin Ott
Kaschperle im Rathaus
@Freddy: Ein Kaschperle ist eine Figur ohne eigenen Willen, die macht, was ein anderer will. Ich betrachte die Bezeichnung von Herrn Schuster als ein solches allenfalls als Unterstellung- Und den Gegenbeweis hat Herr Schuster noch nicht angetreten. Aber man sollte ihn wirklich nicht als Kaschperle bezeichnen- Eigentlich sollte man Ihn zum Teufel jagen; aber ich wäre auch schon einverstanden, wenn man Ihn in Amt und Würden nach Europa wegbefördert. Und mit Verlaub: Wer wie Sie, Freddy, die Verkehrserziehung für Kinder als "Quatsch" bezeichnet, dem unterstelle ich ein gewisses Menschenbild. Es wird in dieser Stadt für so viel Unsinn unser Geld ausgegeben, an dem für die Allgemeinheit tatsächlich kein Interesse besteht (Ich brauche gar nicht bis Stuttgart 21 denken- Den Empfang für 450 geladene Gäste anlässlich Schusters 60. Geburtstags zum Beispiel hat er bestimmt nicht aus eigener Tasche bezahlt.) Wenn also hier gespart wird, regiert das Rathaus an den Bürgern vorbei. Auch wenn er in meinen Augen das falsche Parteibuch hatte: Schusters Vorgänger Manfred Rommel war noch ein Bürgermeister mit Herz und Verstand- Unser aktueller "Oberbürgermeister" macht sich doch selbst zur Lachnummer. Es zeugt meiner Meinung nach von großem Anstand, wenn man ihn dafür nur als Kaschperle bezeichnet, wo man sich angesichts einer solchen Politik doch leicht zu fäkalen Kraftausdrücken verleiten lassen möchte.
MRZ
11
19:52 Uhr, geschrieben von Edgar Hoch
Nicht den Eltern noch mehr finanziell abverlangen
@Freddy: Die Verkehrserziehung wie die gesamte Bildung usw. unserer Kinder ist eine Aufgabe der Gemeinschaft, also aller Bürger. Denn schließlich war jeder von uns mal Kind und sind - dank früher Verkehrserziehung durch Eltern, Kindergarten, usw. (da gehört auch das Kasperle dazu) - damals glücklicherweise nicht im Straßenverkehr umgekommen (die anderen leben nicht mehr...). Diese Hilfe sollten wir - als Generationengerechtigkeit - auch unseren Kindern wieder zugute kommen lassen. Zweitens kann unsere Gesellschaft nur weiter existieren, wenn es neue Kinder gibt. Darum tragen genau die Leute wichtiges zur Gesellschaft bei, die Kinder haben. Um so größer müsste darum der finanzielle Beitrag derer sein, die keine Kinder haben - als kleiner Ausgleich für ihren fehlenden Kinderbeitrag. Darum ist die Finanzierung der Verkehrserziehung (und Bildung usw.) durch Steuern am gerechtesten und sachgerecht, denn die Steuererhebung berücksichtigt schon den Kinderbeitrag (inwieweit passend wäre an anderer Stelle zu diskutieren). Einer Erhebung von Zusatzbeiträgen nur von Eltern würde die belohnen, die keine Kinder haben. Drittens ist der Betrag, den die Stadt durch das Streichen der Mittel für die Verkehrspuppenbühne spart, so gering im Vergleich zu anderen Posten, an denen man auch und deutlich mehr sparen könnte und die in der Folgewirkung wesentlich geringer wären. Dann müsste ein Bürgermeister halt mal Stadtbahn / Bus / S-Bahn nehmen, um zu einem Termin in einem Stadtteil zu gelangen, oder mit einem nicht mehr ganz so neuen Dienstwagen fahren (andere fahren auch mit zehn Jahre alten Fahrzeugen). Der Schaden, der durch mangelnde Vorsicht der Kinder im Straßenverkehr entsteht, entsteht, betrifft die Stadtverwaltung natürlich nicht direkt (außer Mitarbeiter/Beamte haben selbst Kinder). Der Schaden und unsägliches Leid entsteht bei den Eltern, deren Kind von einem Auto an- oder überfahren wurde und womöglich zu Tode kam. Das lässt sich leider nicht so einfach in Zahlen messen - und taucht insbesondere nicht im Etat der Stadt auf. Die Stadt als Verwaltungseinheit hat tatsächlich gespart - aber die Gesellschaft als Gemeinschaft aller Menschen in Stuttgart zahlen vermutlich drauf. Der "Nutzen" tritt auch erst später - zeitverzögert - ein. Und oft ist es auch so, dass eine frühe kindliche (Verkehrs-)Erziehung auch für das spätere Leben prägend ist - wer weiß, welchen Einfluß eine gute frühkindliche Verkehrserziehung auf spätere Unfallzahlen von Fahranfängern usw. haben? Leider denken und planen unsere verantwortlichen Politiker nicht mehr so weit - zumindest handeln sie nicht so. Der Nutzen der Verkehrserziehung - das was man reinsteckt im Vergleich zu dem was rauskommt - ist, wenn man es langfristig sieht (siehe oben) höher als bei vielem anderen, was die Stadt ausgibt.
MRZ
11
17:00 Uhr, geschrieben von leider
Unfälle mit Kindern
Das werden wir künftig häufiger lesen müssen: Blaulicht vom 11. März pol, veröffentlicht am 11.03.2010 Stuttgart-Wangen - Ein sechs Jahre alter Junge ist am Mittwoch um 16.30 Uhr über die Geislinger Straße gerannt und von einem vorbeifahrenden Auto erfasst worden. Der Junge wurde schwer verletzt, von einem Notarzt an der Unfallstelle versorgt und zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Der Sechsjährige rannte vom linken Fahrbahnrand zwischen geparkten Fahrzeugen auf die Fahrbahn und einer 45 Jahre alten Autofahrerin direkt vor den Wagen. Dabei wurde der rechte Fuß des Kindes vom linken Vorderrad überrollt. Der Sechsjährige erlitt offene Verletzungen am Fuß und eine Kopfplatzwunde.
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