Ausbaustrecke Wendlingen-Ulm Der Bahnhalt Merklingen erzeugt Unruhe

Von Joachim Lenk 

Auf der Alb wünscht man sich an der neuen Bahntrasse von Wendlingen bis Ulm einen Halt in Merklingen. Manche Kommunen engagieren sich dafür auch finanziell. Doch nun gibt es neue Forderungen, die für Unruhe unter den Gemeinden sorgen.

Die Neubautrasse kommt voran, bei Merklingen soll ein neuer Bahnhof entstehen. Foto: DB
Die Neubautrasse kommt voran, bei Merklingen soll ein neuer Bahnhof entstehen.Foto: DB

Stuttgart - Die Vorbereitungen für den vorgesehenen Bahnhalt Merklingen auf der Schwäbischen Alb an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm gehen in die entscheidende Phase. Bis Ende Januar muss die Genehmigungsplanung beim Eisenbahn-Bundesamt vorliegen.

Seit mehr als zwei Jahren wird über einen Bahnhalt in Merklingen (Alb-Donau-Kreis) diskutiert, wo von 2021 an Inter­regio-Züge halten könnten. Seit vergan­genem Jahr laufen im Westen der knapp 2000 Einwohner zählenden Gemeinde die Vorbereitungen für die Trassenführung der neuen Schienenverbindung. Deshalb ist Eile geboten. Jetzt könnten noch unproblematisch entsprechende Vorbereitungen und Umplanungen für einen Bahnhof ­getroffen werden, weiß der Vorsitzende des Gemeindeverwaltungsverbandes Laichinger Alb, Klaus Kaufmann.

Merklingen und weitere sieben Kommunen in der Region sowie der Alb-Donau-Kreis haben sich bereit erklärt, 13 Millionen Euro für das auf rund 21 Millionen Euro geschätzte Projekt zu bezahlen. Darin sind die Planungskosten und die eines Park-&-ride-Parkplatzes für etwa 450 Autos, Busse, Räder und Taxis enthalten.

Bahn zeigt sich offen

Die Bahn stehe dem neuen Bahnhalt in Merklingen nach wie vor offen gegenüber, sagt der baden-württembergische Konzernbevollmächtigte der DB, Sven Hante. Auch das Verkehrsministerium und das Finanzministerium betonen, dass die Signale weiterhin auf Grün stehen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Zeitplan für die Realisierung des Stopps angesichts des zügigen Baufortschritts sehr eng sei. Für die DB sei oberste Prämisse, dass der Bau der Neubaustrecke nicht behindert werden darf. Die Plangenehmigung für den neuen Halt in Merklingen müsse deshalb bis August vorliegen, um den Zeitplan der ICE-Schienenverbindung einhalten zu können.

Noch im alten Jahr haben die beteiligten Kommunen eine Erklärung zur Übernahme der Kosten für die ersten Planungsphasen abgeben. Wohl wissend, „unter dem Risiko der Nicht-Realisierbarkeit des Bahnhalts“, wie es Merklingens Bürgermeister Sven Kneipp (parteilos) formuliert. Kommt der Bahnhof nämlich nicht, können seine Gemeinde, Laichingen, Westerheim, Heroldstatt, Berghülen und Nellingen (alle Alb-Donau-Kreis) sowie Hohenstadt und Drackenstein (beide Landkreis Göppingen) die bisher geleisteten Zahlungen in den Wind schreiben. Bisher haben sie immerhin knapp eine Million Euro zusammen ausgegeben. Der Landkreis rund 500 000 Euro.

Heroldstatt zuckt zurück

Heroldstatt hat jetzt kalte Füße bekommen. Die Zustimmung der Gemeinde ist an eine Bedingung geknüpft. Die seit zehn Jahren schuldenfreie Kommune fordert eine feste Finanzierungszusage vom Land. Nach Gesprächen mit Vertretern des Verkehrsministeriums hatten diese anerkannt, dass die Kommunen zu einem starken finanziellen Engagement bereit seien. Das Land werde die über die von den Kommunen zugesagten 13 Millionen hinausgehenden Kosten tragen – wenn sie sich im bisherigen Rahmen bewegen.

„Das Land ist jetzt am Zug“, wettert Bürgermeister Ulrich Oberdorfer (CDU). Es sei an der Zeit, dass sich die Partner an diesem Bahnhalt schriftlich und rechtsverbindlich zu dem bekennen, was täglich kommuniziert werde. „Was das Land gegenüber dem Bund für die Finanzierung der Südbahn öffentlich und offensiv einfordert, das kann bei unserem Projekt doch nicht falsch sein.“ Rückendeckung erhält er aus den Reihen des Gemeinderates: „Was ist, wenn 2016 eine neue Regierung an der Macht ist und vom Bahnhalt Merklingen nichts mehr wissen will?“, fragen sich einige Räte.

Seine sieben Amtskollegen sind wegen des Alleingangs von Heroldstatt irritiert, um es milde auszudrücken. Noch vor vier Wochen hat Oberdorfer als Kreisrat im Kreistag der Kostenübernahme des Alb-Donau-Kreises zugestimmt. Um das Projekt nicht zu gefährden, trafen sich die beteiligten Schultheißen Ende Dezember zu einer Krisensitzung hinter verschlossenen Türen. Ohne Oberdorfer, der eingeladen war, aber nicht kam und keinen Vertreter vorbeischickte, ist zu hören. Sie beschlossen, den Heroldstatter Anteil an den Planungskosten in Höhe von knapp 70 000 Euro vorzufinanzieren. Die Verantwortlichen sind sich darüber einig, dass diese Vorgehensweise die einzige Möglichkeit sei, das Projekt nicht zu gefährden, sagt Bürgermeister Kaufmann.

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Das Land ist jetzt am Zug: "Was das Land gegenüber dem Bund für die Finanzierung der Südbahn öffentlich und offensiv einfordert, das kann bei unserem Projekt doch nicht falsch sein". ZITATENDE. Der Heroldstatter Schultes hat Recht und fordert dies laut und deutlich. Trotzdem wäre ein Ausscheren der Gemeinde fatal. Die neue Stuttgarter Regierung (ab März 2016) hat ein Herz für den ländlichen Raum und somit sind die Sorgen Heroldstatts Fehl am Platz.

Montabaur: Es wäre Merklingen und der Umgebung durchaus zu wünschen, wenn diese nur annähernd eine ähnliche Entwicklung nehmen würden, wie Montabaur. Dann hätten sich die Investitionen ziemlich schnell amortisiert. Bei der Eröffnung der NBS hat man Montabaur noch belächelt. Zunächst im 2h-Takt braucht es heute zur Hauptverkehrszeit sechs Züge in drei Stunden in Richtung Frankfurt, um den Bedarf zu decken.

Verkehrsplanung nach Bakschisch-Prinzip: Auch ein ICE-Halt auf der grünen Wiese wäre ein Entwicklungsmagnet. Umliegende Bauern würden dort bald einen Kiosk vorfinden, wo sie Zeitungen und Zigaretten kaufen könnten. Volkswirtschaftlich ist der Nutzen jedoch begrenzt. Die Geschäfte in Montabauer, die sich angesiedelt haben, wären auch ohne Bahnhof entstanden, nur an anderer Stelle. Volkswirtschaftlich ein Nullsummenspiel, wären da nicht die Kosten für den Bahnhof, der besonders aufwendige in der Streckenführung geplant werden musste, damit die Züge mit 300 km/h im Bahnhofsbereich, die nicht halten, dort nicht ausgebremst werden müssen. Hoffentlich hat daran auch bei der Idee des Merklinger Halts gedacht. Schließlich hat man in Stuttgart extra einen Bahnhof tiefer gelegt, damit es Richtung Ulm weniger Minuten kostet. Letztendlich basiert das Vorhaben darauf, dass in Deutschland Verkehrsplanung nach dem Bakschisch-Prinzip funktioniert und nicht nach Bedarf. Legen Land und Kommunen finanziell drauf, erkaufen sich das Projekt, wird zumindest erst mal die Planung in Angriff genommen. Kommunen, wo das nicht möglich ist, ein vergleichbares Projekt aber sinnvoll wäre, haben das Nachsehen.

Ansiedlung: Natürlich hätten sich die Unternehmen woanders angesiedelt. Aber es ist eine Chance für den ländlichen Raum.

[geplanter] Nothalt: . . . . . wie im Westerwald der ICE-Bahnhof Montabaur (am Streckenkilometer 89) + ein Anschluss an die Autobahn. Die Gemeinde Heroldstatt hat Lunte gerochen.

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