Ludwigsburg - Unter einem Treppenaufgang in der Ludwigsburger Musikhalle sitzt Roman Jungblut an einem Tisch und erzählt. Von Wasseraufbereitung, Filtern und Produktionsanlagen ist die Rede. Jungblut erklärt einem Jugendlichen in aller Kürze, welche Ausbildung er selbst vor einem knappen Monat abgeschlossen hat: Wasserversorgungstechniker ist er und arbeitet bei der Firma Schweitzer Chemie aus Freiberg am Neckar. „Ein ganz moderner Beruf mit Zukunft“, sagt der Geschäftsführer der Firma, Wolfgang Eggerl. Nur leider sei das Berufsbild nicht sonderlich bekannt, weshalb sein Betrieb seit zwei Jahren eine entsprechende Ausbildungsstelle nicht besetzen könne.
Ausbildungsberufe werden vorgestellt
Dies ist ein Grund, warum er zum ersten großen „Speed-Dating“ der Ludwigsburger Arbeitsagentur gekommen ist – wie auch weitere 39 Arbeitgeber aus den Bereichen Bau/Handwerk, Lager/Logistik, Pflege, Chemie sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Einen Nachmittag lang stellen sie ihre Ausbildungsberufe vor und hoffen auf interessierte Bewerber. 130 vakante Stellen haben die Firmen im Gepäck. „So kommen Jugendliche und Betriebe schnell und unkompliziert in Kontakt“, erklärt Simone Lenz von der Arbeitsagentur die Idee des Speed-Datings. Man wolle damit den Jugendlichen die Scheu vor der klassischen Stellensuche beziehungsweise der Bewerbung nehmen und Unternehmen eine informelle Möglichkeit bieten, Fachkräfte zu suchen. „Dabei haben wir vor allem Branchen im Blick, die bei Jugendlichen nicht so attraktiv oder bekannt sind.“ Unter Automechaniker könnten sich viele etwas vorstellen. „Aber wer kennt schon den Beruf des Oberflächenbeschichters?“
Auch die Aufgaben eines Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind offenbar vielen nicht bekannt. „Ein paar Leute waren schon da“, sagt Björn Krüger, der die Firma Scholz beim Speed-Dating vertritt. „Viele haben aber keine Ahnung, worum es sich bei meinem Beruf handelt“, sagt er. Insofern sei die Veranstaltung gut, um unkompliziert und direkt zu informieren. Wirklich geeignet sei bislang nur ein Bewerber gewesen.
Infos über das betriebliche Umfeld und die Atmosphäre
„Wer hierher kommt, ist auch wirklich interessiert“, gibt sich Wolfgang Eggerl von Schweitzer Chemie überzeugt. Und es sind durchaus einige junge Menschen, die mit der Bewerbungsmappe in der Hand durch die Musikhalle wandeln. Auch an seinem Stand herrsche viel Frequenz, sagt Eggerl. So liegen auf dem Tisch seines Mitarbeiters schon nach einer Stunde ein paar Bewerbungen. Der 17-jährige Hauptschulabsolvent Lukas Pfeiffer hat sich gerade informiert, aber noch keine Mappe mitgebracht. „Ich schaue mich eher allgemein um“, sagt er. Beim Fensterbauer nebenan sei er schon gewesen und beim Stand der IHK. „Eine gute Gelegenheit, um viel kennenzulernen.“ So müsse man nicht von Firma zu Firma reisen, ergänzt sein Großvater, der den Enkel begleitet. Und so bekomme man nicht nur Infos über die Ausbildungen, sondern auch gleich über das betriebliche Umfeld und die Atmosphäre. „Online ist so etwas nicht möglich“, sagt der Großvater.
Denise Ozan ist aus Kirchheim am Neckar in die Musikhalle gekommen. Die 20-Jährige, die bereits zwei Lehren als Bürokauffrau abgebrochen hat, interessiert sich vor allem für den Beruf der Hauswirtschafterin. Ein Gespräch am Tisch der Staatlichen Schule für Körperbehinderte hat sie gerade geführt, eine Bewerbung aber noch nicht dabei. „Das mache ich lieber im Nachhinein und beziehe mich auf das Gespräch“, sagt sie. Dies sei dann doch persönlicher.

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