Auslosung EM 2012 "Weder geschockt noch glücklich"
dpa, 07.02.2010 15:04 Uhr
 Foto: dpa
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Warschau - Schon wieder ein Duell mit Berti Vogts, aber auch weite Reisen: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine vor lösbaren Aufgaben. In der Gruppe A bekommt es der dreimalige Europameister mit der Türkei, Österreich, Belgien, dem von Bernd Storck betreuten Team aus Kasachstan und Vogts' Aserbaidschanern zu tun. "Ich bin weder geschockt noch glücklich. Logistisch gesehen ist es nicht ganz einfach. Ansonsten ist es eine deutschsprachige Gruppe mit vielen deutschen Trainern", kommentierte Bundestrainer Joachim Löw die Auslosung im Amphitheater des Kulturpalastes in Warschau, die er in Reihe 4 neben Teammanager Oliver Bierhoff verfolgt hatte.

Löw fokussiert sich auf die WM


Ob er selbst nach den Querelen um die Vertragsverlängerung seines Trainerstabes bei Beginn der Qualifikationsspiele am 3. September 2010 noch auf der deutschen Bank sitzen wird, ließ Löw offen: "Das wird man sehen. Ich mache mir darüber jetzt keine Gedanken." Er werde sich nur einen Tag mit der Europameisterschaft beschäftigen, wenn die Mannschaftsvertreter in der nächsten oder übernächsten Woche zwecks Terminabsprache nach Frankfurt kommen. Ansonsten sei er ganz auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika fokussiert, so Löw. Die Ausscheidung für die EM in zwei Jahren endet am 11. Oktober 2011. "Eines ist klar, wir wollen Gruppensieger werden", machte Nationalstürmer Mario Gomez klar. "Aber es sind Mannschaften dabei, die nicht einfach sind."

Österreich und die Türkei waren zuletzt während der EURO 2008 deutsche Gegner. Gegen die EM-Gastgeber gelang im letzten Gruppenspiel in Wien ein 1:0-Erfolg, die Türken wurden im Halbfinale in Basel durch ein Tor von Philipp Lahm in letzter Minute 3:2 bezwungen. "Deutschland ist Favorit, wir stehen dahinter. Wenn die Türkei in Europa spielt, sind das immer Heimspiele", sagte Bayern Münchens türkischer Profi Hamit Altintop. Auch gegen Belgien gab es im letzten Aufeinandertreffen im August 2008 mit 2:0 einen deutschen Sieg. "Wir freuen uns sehr auf Deutschland. Wir haben wieder eine Nationalmannschaft, die zuletzt gute Ergebnisse erzielt hat", betonte der Münchner Abwehrchef Daniel van Buyten.

Hartes Los für die Schweiz


Auf die von Berti Vogts betreuten Aserbaidschaner war die DFB-Elf erst in der Ausscheidung für die WM in Südafrika getroffen. Dabei hieß es 2:0 und 4:0 für die Elf von Joachim Löw. "Wir sind zufrieden mit der Auslosung. Wir freuen uns, dass wir wieder die großen Deutschen in unserer Gruppe haben. Wir wollen viel lernen", erklärte Vogts. Das vom ehemaligen Dortmunder Profi Storck trainierte Kasachstan war noch nie deutscher Gegner. Härter als die deutsche Elf traf es Ottmar Hitzfelds Schweizer, die es in der G unter anderem mit England zu tun bekommen. Ex- Europameister Griechenland mit Otto Rehhagel auf der Trainerbank erhielt Kroatien als schärfsten Kontrahenten im Kampf um den Gruppensieg zugelost.

Titelverteidiger Spanien muss sich in der Gruppe I unter anderem gegen Tschechien und Schottland behaupten. Die Sieger der neun Gruppen und der beste Zweite qualifizieren sich direkt für die EM vom 9. Juni bis 1. Juli 2012. Die weiteren Gruppenzweiten spielen im November 2011 in Playoff-Duellen die restlichen vier EM-Plätze aus. Die Gastgeber Polen und Ukraine sind automatisch qualifiziert. Spielorte sind in der Ukraine die Hauptstadt Kiew, wo auch das Finale stattfinden soll, Charkow, Donezk und Lwiw. In Polen wird in Warschau, Breslau, Danzig und Posen gespielt.
Kommentare (1)
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FEB
07
Manuel G., 17:49 Uhr

Turbulenzen um Löw

Leider hat Löw die Chance vertan, die öffentlichen Berichte zu den Vertragsforderungen zu dementieren. Man muss also davon ausgehen, dass Bierhoff tatsächlich ein Vetorecht für sich bei der Einstellung eines Bundestrainers forderte und Bierhoff und Löw eine hohe Bonuszahlung für ihre Vertragsunterschrift verlangten. Dann aber hat Zwanziger richtig gehandelt, in dem er die Vertragsgespräche abbrach. Denn die Forderung nach einem Veotrecht ist ungeheuerlich und hätte die Entmachtung des Präsidenten und des Präsidums des DFB zur Folge. Leidet Bierhoff unter Selbstüberschätzung? Und warum hat Löw die Verhandlungen nicht selbst geführt, sondern Bierhoff auch für ihn? Eine Bonuszahlung wäre indiskutabel. Denn beide haben ein sehr hohes Gehalt und haben erst durch ihre Tätigkeit beim DFB lukrative Werbeverträge als Zusatzeinnahme bekommen. Eine moderate Erhöhung der Gehälter, wie vom DFB vorgesehen, wäre richtig und angemessen. Außerdem passen solche Forderungen nicht in die Zeit der größten Finanzkrise der Bundesrepublik und der Diskussion um Banker-Boni. Löw hat großartiges geleistet, aber er ist dabei, sich selbst zu demontieren, auch weil er sich an Bierhoff kettet.