Aussetzung der Gema-Reform „Die Erhöhung wäre der Tod gewesen“

ivo, 21.12.2012 09:17 Uhr

Stuttgart - Die Stuttgarter Clubszene reagiert überwiegend positiv auf die Pläne der Verwertungsgesellschaft Gema, ihre umstrittene Tarifreform vorläufig für das komplette Jahr 2013 auszusetzen. „Die Erhöhung der Gebühren wäre der Tod für viele gewesen, am Ende hätten die Gäste höhere Eintrittspreise zahlen müssen“, sagt Stephan Stoffel, mit der Agentur 0711 Entertainment für Partys in verschiedenen Stuttgarter Clubs verantwortlich. „Scheinbar haben die Verantwortlichen begriffen, dass die Clubs der Ursprung von allem popkulturellen Leben sind. Hier haben Bands die Möglichkeit, zum ersten Mal zu spielen.“

Carlos Coelho, Betreiber von Keller Club und Rocker 33, sieht die Entscheidung pragmatisch: „Für uns bedeutet das eine vernünftige Planungssicherheit. So kann man sich in Ruhe überlegen, ob und wie man weitermacht.“ Die Erhöhung der Gebühren sei in Coelhos Augen existenzbedrohend und grenzwertig gewesen.

Auch Marc Hentschel, Veranstalter der Partyreihe Soul Explosion, sieht die Aussetzung der Tarifreform positiv. „Als Veranstalter muss ich die Gema-Gebühren zwar nicht immer selbst abführen, das machen meist die Clubs. Die Betreiber hätten ihre gestiegenen Kosten aber zu Lasten der Fremdveranstaltungen umlegen müssen – auf Kosten der musikalischen Vielfalt“, sagt Mark Hentschel. Hentschel organisiert seit zwölf Jahren die Partyreihe Soul Explosion im Festsaal Kreuzberg in Berlin. In Stuttgart findet die Reihe im Jazzclub Bix statt. „Die Gebühren, die von der Gema aufgerufen wurden, waren astronomisch, die Folgen für die Clubkultur wären nicht auszudenken gewesen.“

Für eine Schlichtung im Streit zwischen Gema und Clubverantwortlichen hatte sich auch der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (CDU) eingesetzt. Auch er sieht die Aussetzung der Reform positiv. „Jetzt kann die Tarif-Reform noch einmal grundlegend durchdacht werden. Die Clubbetreiber müssen keine Extra-Rücklagen für 2013 bilden. Außerdem hat die Politik die Gelegenheit, das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz nochmals zu prüfen, die Angemessenheit der neuen Tarife kann noch einmal für die einzelnen Teilbereiche untersucht werden.“