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Ausstellung Böblingen/ Sindelfingen Ein "Hurra!" dem Führerschein

Gerlinde Wicke-Naber, vom 23.08.2010 07:00 Uhr
Nur sehr wenige Frauen haben in den 1920er und 1930er Jahren den Führerschein machen dürfen. Noch bis 1958 brauchten sie dafür eine Erlaubnis des Ehemanns. Foto: factum/ Granville
Nur sehr wenige Frauen haben in den 1920er und 1930er Jahren den Führerschein machen dürfen. Noch bis 1958 brauchten sie dafür eine Erlaubnis des Ehemanns. Foto: factum/ Granville
Stuttgart - Vor 100 Jahren ist hierzulande die Geburtsstunde des modernen Führerscheins gewesen. Denn im Jahr 1910 wurde im Deutschen Reich eine für ganz Deutschland gültige Fahrerlaubnis für Auto- und Motorradfahrer eingeführt. Doch das bedeutete nicht, dass zuvor jeder einfach hinters Steuer gedurft hätte. Ganz im Gegenteil: selbst für Radfahrer bestand von 1880 an die Pflicht, stets einen Erlaubnisschein mit sich zu führen, die "Velociped-Fahrkarte". Auch Pferdedroschkenfahrer mussten in Berlin bereits von 1873 an eine Erlaubnis haben, wenn sie Personen und Güter mit dem Fuhrwerk transportieren wollten.

Mehr als 100 Führerscheine und Fahrerlaubnisse aus der Zeit von 1897 bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind momentan in einer Ausstellung im Oldtimerzentrum Meilenwerk auf dem Flugfeld zu sehen. Unter dem Titel "100 Jahre Führerschein" widmet sich die Schau auch der Zeit vor 1910, als es in jedem kleinen Fürsten- und Herzogtum des Deutschen Reiches eine eigene Verordnung zum Führen von Kraftfahrzeugen gab. Manche dieser Dokumente verloren ihre Gültigkeit, sobald ein Fahrer eine der Landesgrenzen überrollt hatte.

Auch die Idee, dass ein Verkehrsteilnehmer eine Prüfung absolvieren muss, bevor er allein auf die Straße darf, reicht weit zurück. Bereits in den 1880er Jahren kam das Radfahren in Mode, und in den Großstädten wurden Fahrschulen für Radler angeboten. Diese hießen Velodrome und waren reine Vergnügungsstätten für Reiche. Denn ein Fahrrad leisten konnten sich nur wohlhabende Bürger: 500 bis 1000 Mark kostete ein solches Vehikel - ein Vermögen, denn 656 Mark betrug damals der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters. Die Velodrome hatten jedoch einen Sinn, denn das Fahren auf den Hochrädern war ziemlich gefährlich. Und so grüßten sich die hippen Trendsetter der damaligen Zeit im Vorbeiradeln mit "All Heil!". Der zünftige Gruß unter den Autofahrern lautete hingegen "Töff-Töff Hurra!".

Radfahrer grüßten sich mit "All Heil"


Bereits um 1900 begannen einzelne Automobilclubs und bald auch freie Unternehmer, Fahrschulen für motorbetriebene Fahrzeuge anzubieten. Nicht nur "Fahrübungen, Werkstattunterricht, Landkartenkunde und Sanitätsübungen" standen damals auf dem Stundenplan der Fahrschüler, sondern auch so fachfremde Themen wie "Schön schreiben" und "Deutsche Sprache". Vorgeschrieben war von 1910 an für alle Führerscheinanwärter zudem eine "Bescheinigung über die Körpertauglichkeit" .

Doch trotz der strengen Vorschriften gab es auch noch Jahre später etliche Autofahrer, die ohne einen gültigen Führerschein unterwegs waren. Der prominenteste dieser illegalen Fahrer war ausgerechnet der Chauffeur des Kaisers Wilhelm II., ein Mann namens Karl Krieger. Er hatte niemals eine Fahrschule besucht, sondern eine Fahrerlaubnis aufgrund seiner "Lenkerfahrung" erhalten. Doch er versäumte eine wichtige Frist. Bis zum 1. April 1911 mussten alle Fahrer ihre bisherige Fahrerlaubnis gegen den neuen einheitlichen Führerschein umtauschen. Eigentlich eine bloße Formalität, die Krieger jedoch vergaß. Fortan chauffierte er den Kaiser ohne gültigen Führerschein.

Auto- und Motorradfahren war lange eine Domäne der Männer, obwohl bereits 1926 sieben Frauen den Deutschen Damenautomobilclub gründeten, um das Autofahren für Frauen zu fördern. Doch nur vereinzelt legten in den 20er und 30er Jahren Frauen die Fahrprüfung ab. Noch bis 1958 durfte eine Frau nur den Führerschein machen, wenn es der Ehemann erlaubt hatte.

Die Schau im Meilenwerk zeigt auch, wie sich die Straßenverkehrsordnung nach und nach entwickelt hat. Gab es anfangs nur Schilder mit Lettern wie "Für Kraftfahrzeuge verboten", bemühten sich vor allem die nationalen Automobilclubs schon sehr frühzeitig darum, für ganz Europa einheitliche Symbole zu schaffen. Bereits seit 1927 gab es dann international gültige Straßenverkehrsschilder.

Die Ausstellung ist bis zum 30. September im Obergeschoss des Hangars im Meilenwerk auf dem Flugfeld an der A 81 zu sehen. Die Schau ist montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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