Ausstellung Ein Ort für das Lebenswerk des Herrn Zopf

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Barttassen aus der Kaiserzeit, Zeitschriften aus den 50-er Jahren: Ein neues Friseurmuseum in Neu-Ulm macht die Geschichte der Haarpflege lebendig.

Immer hereinspaziert: Ab 7. Januar wartet das Friseurmuseum auf Besucher. Foto: Bäßler
Immer hereinspaziert: Ab 7. Januar wartet das Friseurmuseum auf Besucher. Foto: Bäßler

Neu-Ulm - Die Flasche hat etwas Bedrohliches, genauer gesagt ihre Aufschrift: „Flüssiges Teer-Extrakt“. Es handle sich, versprach der Hersteller einst, um „Bestes Toilettenmittel zur Reinigung und Desinficierung der Haare und Kopfhaut“. Heute würde wohl niemand mehr die schwarze Tinktur an sich heranlassen, die chemische Industrie hat manchen pflegerischen Fortschritt erzielt, und wer seine Haare mal eben desinfizieren will, wählt ein Produkt aus den kilometerlangen Regalen mit Fläschchen und Flakons, die in den Drogeriemärkten aufgebaut sind.

Die Teerflasche hat nur als seltsames Überbleibsel überlebt, als Preziose eines Friseurmuseums, das am 7. Januar kommenden Jahres in Neu-Ulm eröffnet wird. Dort wird es noch mehr zu sehen geben: kunstvoll gravierte Rasiermesser, ausladende kunstlederbezogene Behandlungsstühle, verzierte Spiegel, riesige Haartrocknungsapparaturen wie aus einem George-Lucas-Film, Perücken, Puder und Pinsel aller Farben und Formen. Rund 6000 Exponate sind dort versammelt.

Der Museumsgründer fand keinen Nachfolger

In einer eigens aufgestellten Vitrine steht eines der Lieblingsstücke des Museumsgründers Heinz Zopf, eine Barttasse aus der Kaiserzeit. Ein Porzellansteg über der Tassenöffnung verhinderte, dass die mühevoll drapierten Barthaarkunstwerke, die ja auch beim Schlafen von Binden geschützt wurden, beim Trinken mit Kaffee oder Tee zerstört wurden.

Museumsstücke sind die Sachen allesamt schon seit Jahrzehnten. Sie standen in Heinz Zopfs Friseurmuseum in Eckernförde, so lange, bis der 70-jährige Sammler seine Nachfolge zu klären beabsichtigte und in ganz Schleswig-Holstein nach Obhut für seine Schätze suchte. Doch kein einziges Museum, sagt das Nordlicht Zopf, habe Interesse gezeigt.

Früher waren Friseure auch Drogisten

Gut für die Sammlung, dass es Harald Gloning gibt, den Geschäftsführer der in Neu-Ulm beheimateten Deutschen Friseurakademie. Gloning nahm sich der Sammlung an und holte sie in die unmittelbare Nachbarschaft der Akademie, in einen Neubau, der für einen „sechsstelligen Betrag“ errichtet wurde, wie der Geschäftsführer sagt. Hier sollen sich gerade auch die Prüflinge der Friseurbranche umsehen und informieren, ja, wenn möglich, etwas von „Ehre, Würde und Anspruch des Friseurs“ erhaschen. Die Friseurbranche leide unter einem „wahnsinnigen Nachwuchsproblem“, klagt Gloning. Die Jungen will er zum Beispiel lehren, dass der Friseur noch vor einem Jahrhundert zugleich der Drogist ganzer Bevölkerungsschichten war, ja nicht selten sogar ärztlicher Berater.

Zuschüsse etwa der Stadt Neu-Ulm oder von Kulturstiftungen gibt es für das Friseurmuseum nicht. Trotzdem wird es das größte seiner Art in Deutschland sein, und es ist mehr als ein Sammelsurium themenbezogener Gegenstände. Es besitzt einen didaktischen Anspruch, der von Heinz Zopf selber aufrechterhalten wird. Er zog, obwohl familiär verbunden, aus dem Norden Deutschlands mit seinem Lebenswerk zusammen in den Süden. Bei ihm sei alles berührbar, sagt der Sammler; Besucher und Schüler sollen die Werkzeuge anfassen, ihr Gewicht und ihre Beschaffenheit spüren können.

Zurück bis zu den alten Ägyptern

Der ausgebildete Friseur und langjährige Berufsschullehrer hat sich über die Jahrzehnte so weit in die Materie hinein gearbeitet, dass er, wie er sagt, Fachführungen zu fast jedem gewünschten Thema anbieten kann. Das gilt für pflegerische Sitten und Gebräuche der frühen Ägypter ebenso wie für die Entwicklungsgeschichte des Föhns. Nur über aktuelle Pflegeserien wisse er zu wenig, sagt Heinz Zopf. Die Geschichte ist sein Metier, nicht die Zukunft des Gewerbes. Als Fachmann betreut er künftig seine Sammlung, in der nicht nur Herzblut, sondern ein kleines Vermögen steckt. Nun ging alles als Schenkung an die Friseurakademie. Um persönlichen Profit, sagt Heinz Zopf, sei es ihm sowieso nie gegangen.