Ausstellung im Muse-O in Gablenberg Der erste Zoo und der allererste Teddybär

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In der neuen Ausstellung im Muse-O in Gablenberg geht es um die Geschichte der Stuttgarter Tiergärten. Dabei wird erzählt, wo der erste Zoo Deutschlands entstand (beim heutigen Neckartor) – und wo die Vorbilder für den allerersten Steiff-Teddy lebten.

So idyllisch ging es einst an der Cannstatter Straße beim heutigen Neckartor zu: links das königliche Retraite-Schlösschen, rechts der damals noch offen fließende Nesenbach Foto: Stadtarchiv Stuttgart, B 6336
So idyllisch ging es einst an der Cannstatter Straße beim heutigen Neckartor zu: links das königliche Retraite-Schlösschen, rechts der damals noch offen fließende NesenbachFoto: Stadtarchiv Stuttgart, B 6336

S-Ost - Der Teddybär kommt aus Stuttgart. Genauer: die Original-Modelle für den Ur-Teddy von Steiff haben in Stuttgart gelebt, im einstigen und durchaus legendären Nills Tierpark am Herdweg. Dort hatte der Zimmermeister Johannes Nill zunächst von 1862 an seine Werkstatt mit Lagerplatz, dann baute er ein paar Gehege, um Tiere aufzupäppeln, 1866 eröffnete er die Wirtschaft „Zum Hirschgarten“, 1871 kam sein öffentlicher Tierpark dazu. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten dort rund 500 Tiere, eine der Hauptattraktionen war die Braunbärin Mascha, die dort mehr als 50 Junge zur Welt brachte.

Skizze von Bastardbär als Vorlage

Die Tiere lockten nicht nur Ausflügler an, sondern auch viele Künstler, die dort Motive fanden, die für sie sonst unerreichbar gewesen wären. Einer davon war der Kunststudent Richard Steiff, gebürtig aus Giengen an der Brenz. Steiff, 1877 geboren, besuchte die Stuttgarter Kunstgewerbeschule und verbrachte viel Zeit in Nills Tierpark, um dort zu zeichnen. So entstanden zahlreiche Skizzen, unter anderem auch von einem Bastardbären. Von 1897 an arbeitete Steiff in der Spielwarenmanufaktur seiner Tante Margarete, 1902 hatte er die Idee für einen Spielbären für Kinder. Er gestaltete ihn nach seinen bei Nill angefertigten Skizzen. 1903 wurde dieser Ur-Teddy auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt. Dort orderte ein US-Amerikaner 3000 Exemplare. In den USA begann der Kult um die Steiff-Tiere – und benannt wurde der Bär dort nach dem US-Präsidenten Theodor „Teddy“ Roosevelt.

Das ist eine der vielen Geschichten, die von Ostermontag an in der Ausstellung „Die Tiergärten in Stuttgart. Von der königlichen Menagerie am Stöckach bis zur Wilhelma“ im Muse-O in Gablenberg zu entdecken sind. Die Ausstellung geht auf das Buch „Vom Affenwerner bis zur Wilhelma“ des Stuttgarter Autors Jörg Kurz zurück und zeigt zahlreiche historische Bilder im Großformat, außerdem auch einige Stücke aus dem Nachlass der berühmten Löwenbändigerin Claire Heliot (1866 – 1953).

Als es am Neckartor noch idyllisch war

Aber nicht nur der Ur-Teddy, sondern sozusagen auch die deutschen Zoos an sich haben ihre Wurzeln in Stuttgart. Während die Gegend um das Neckartor heute von Erholungssuchenden eher gemieden wird, fühlte sich König Friedrich von Württemberg Anfang des 19. Jahrhunderts dort ausgesprochen wohl. Deswegen kaufte er an der Cannstatter Straße, ungefähr dort, wo heute der Gebäudekomplex der Schwabengarage steht, ein Landhaus, das schnell zu einem seiner Lieblingsplätze wurde. Gleich gegenüber plätscherte der Nesenbach in Richtung Neckar. Der König beauftragte seinen Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret, ganz in der Nähe in Richtung Stöckach eine Menagerie zu bauen. Wenig später tummelten sich dort Affen, Elefanten, Bären, Raubkatzen, Kamele und viele exotische Vögel. Der Eintritt war frei. Die Menagerie, die schon wenige Jahre später wegen der Hungersnot von König Wilhelm I. aufgelöst wurde, gilt als erster Zoo Deutschlands.

Auf knapp 20 Text- und Bildtafeln werden in der Ausstellung viele andere Geschichten erzählt, wie die über den Tierpräparator Plouquet oder auch über die einstigen Pläne für einen großen Killesberg-Zoo. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 29. Mai zu sehen.

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