Ausstellung in der Staatsgalerie Paris ist des Teufels
Georg Leisten, vom 07.08.2010 18:41 Uhr
Dunkle Gestalten beäugen das moderne Häusermeer nebst seinen Bewohnern – Etienne Moreau-Nélaton: "Le Diable à Paris". Öl auf Leinwand, 1845/46. Foto: Staatsgalerie Stuttgart
Stuttgart - Die Stadt war des Teufels. Seine dämonischen Hilfskräfte wachten von den Türmen Notre-Dames aus über das Häusermeer. Um die Mitte des vorletzten Jahrhunderts hatten Satansmotive in Paris Hochkonjunktur. Im neogotischen Bauschmuck der Kathedralen wie in Kunst und Literatur. War doch an der Seine die Hölle los: Umfangreiche Modernisierungen verursachten Verkehrschaos, Wohnungsnot und das Verschwinden alter Bausubstanz. Was den Stuttgartern des 21. Jahrhunderts irgendwie bekannt vorkommt, wurde 1845/46 von dem Sittengemälde "Le Diable à Paris" satirisch aufs Korn genommen.
Der zweiteilige Bildband fungiert als thematischer Einstiegshelfer zu einer kleinen, runden Schau im Grafikkabinett der Staatsgalerie, wo historische Fotografien, Drucke sowie Etienne Moreau-Nélatons oben abgebildetes Gemälde die Nachtseiten des städtebaulichen Fortschritts illuminieren. Mit spöttisch spitzem Griffel bohren Karikaturisten wie Honoré Daumier in den sozialen Wunden der Zeit. Während der eine zusehen muss, wie sein Brautgemach den Spitzhacken zum Opfer fällt, freut sich der andere, dass die Abbrucharbeiten in der Nachbarschaft der verkümmerten Topfpflanze ein wenig Sonne bescheren. Drei Hausbesitzer dagegen schwören in einer schwarzen Messe, noch mehr Menschen in den Mietskasernen zusammenzupferchen. Denn nicht immer steckt der Teufel im Detail - manchmal verbirgt er sich auch hinter der Maske des Vermieters.
Bis 28. November. Konrad-Adenauer-Str. 30-32. Di bis So 10 bis 18, Di, Do bis 20 Uhr.
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