Ausstellung „Museum der Dinge“ in Waiblingen Ein Kaleidoskop der Stadtgeschichte

Von Annette Clauß 

Ob kaiserliche Grabkrone, Waffen, Küchenradio oder Mammutbackenzahn: Die Ausstellung „Museum der Dinge“ im Waiblinger Haus der Stadtgeschichte zeigt, was so alles in den Depots des Stadtarchivs schlummert. Sie eröffnet am Freitagabend.

Das erste Waiblinger Museum ersteht dank Fototapete im aktuellen Haus der Stadtgeschichte wieder auf. Foto: Gottfried Stoppel
Das erste Waiblinger Museum ersteht dank Fototapete im aktuellen Haus der Stadtgeschichte wieder auf. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Willkommen im Waiblinger Nonnenkirchlein im Jahr 1937. Vor kurzem hat hier das erste Museum der Stadt eröffnet. Um die 30 Schusswaffen lehnen an einer Wand des spätgotischen Kirchleins, schräg davor steht eine Salutkanone aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Brustpanzer, ein belgischer Paradehelm und die Fahne der Bürgerwehr ergänzen die Szene aus den 1930er-Jahren.

Besucher der neuen Sonderausstellung „Museum der Dinge“ fühlen sich unwillkürlich um 80 Jahre zurückversetzt, wenn sie das Haus der Stadtgeschichte betreten. Denn Tanja Wolf und Hans Schultheiß von der Abteilung für Stadtgeschichte haben den Anblick, der sich Gästen in der ersten stadtgeschichtlichen Ausstellung von 1937 bot, im heutigen Stadtmuseum nahezu originalgetrue nachempfunden. Zur Hilfe genommen haben sie dazu eine historische Schwarz-Weiß-Fotografie, die sie im Bildbestand des Stadtarchivs aufgestöbert haben. Sie zeigt, welche Exponate die Ausstellungsmacher in den 1930er-Jahren für wichtig genug hielten, um sie öffentlich zu präsentieren.

Wiederauferstehung der Ur-Ausstellung

Auf Großformat gezogen und an die weiße Museumswand geklebt, verwandelt das Foto den Museumsraum in das Kirchlein von anno dazumal. Einen Großteil der Exponate dieser Ur-Ausstellung haben die Ausstellungsmacher in den zwei Depots des Museums gesucht und gefunden. Die zuvor sorgfältig in Seidenpapier geschlagenen und in säurefreien Kartons gelagerten Ausstellungsstücke stehen nun vor der Fototapete, als Spiegelbild ihrer Selbst.

Geschätzt 30 000 Stücke hat die Stadt Waiblingen im Laufe der Zeit in den Depots im Waldmühleweg und in der Münzhalle an der Mayenner Straße eingelagert. Weil die Sammlung mehr und mehr wuchs, zog das Museum aus dem Nonnenkirchlein ins Alte Dekanat. Auch aus dieser Phase sind Ausstellungsstücke zu sehen, einen Schwerpunkt setzte man damals auf lokale Geschichte und handwerkliche Tradition, demonstrierte etwa die Verarbeitung von Flachs zu Leinen anhand von Webstühlen, Handspindeln, Haspeln und Fotos.

Zurück in die Biedermeierzeit

Tanja Wolf deutet auf ein Mokka-Service in den Farben Weiß und Türkis, ein Relikt aus der Biedermeierzeit, welche im Alten Dekanat in Form eines Schauzimmers dargestellt wurde: „In den 1960er-Jahren wollte man so Geschichte erlebbar machen.“ In den Neunzigern sei es den Museen darum gegangen, die „Geschichte des kleinen Mannes“ zu zeigen, sagt Wolf.

Zwei Regale in der Ausstellung sind gefüllt mit Beispielen dafür, was der damalige Museumleiter Helmut Herbst eingelagert hat: Alltagsgegenstände wie Eierbecher, eine Kaffeemühle oder Spielzeugautos, aber auch Kunstgegenstände. Denn Herbst, von Haus aus Kunsthistoriker, hatte häufig Kunstschaffende ins Museumsatelier eingeladen, die dort Werke mit Bezug zu Waiblingen schufen. Auch diese wanderten ins Depot und sind nun teilweise in der Ausstellung zu sehen. Jeder Museumsleiter habe seine Sammlerspuren im Depot hinterlassen, sagt Wolf: „wie Sedimentschichten“.

Mammutzahn trifft Grabkrone

Die Idee, Altertümer zu sammeln, habe es schon in den 1880ern gegeben, sagt der Stadthistoriker Hans Schultheiß. Konkrete Pläne für ein Stadtmuseum seien dann in den 1920er-Jahren gereift. Nach und nach hätten dann Menschen wie beispielsweise der Archivar Erich Rummel eine Sammlung zusammengetragen, deren Spektrum heute beachtlich ist.

Die Ausstellung zeigt einen kleinen Ausschnitt: vom faustgroßen Backenzahn eines Mammuts, der Anfang der 1950er-Jahre in der Schorndorfer Straße entdeckt wurde, über eine Perlenkette aus der Alemannenzeit bis zu einer Nachbildung der Grabkrone der Kaiserin Gisela von Schwaben. So manches Exponat aus dem ersten Museum im Nonnenkirchlein, etwa die Fahne der Waiblinger Bürgerwehr, hat es bis in die heutige Dauerausstellung des Hauses der Stadtgeschichte geschafft. Wobei sich das moderne Museum gerade bei der Menge der gezeigten Exponate von seinen Vorgängern unterscheidet. „Heute zeigt man weniger, um mehr zu vermitteln. Früher wollte man die Vielfalt zeigen, eine Ausstellung war quasi ein Galopp durch die Stadtgeschichte“, sagt Tanja Wolf.