Landtagswahl 2016 Nicht nur AfD - wo die Protestwähler leben

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Der Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl war viel beachtet und wurde oftmals als Ausdruck des Protests etwa gegen die Flüchtlingspolitik wahrgenommen. Wir haben diesen Ansatz weiterverfolgt und den Begriff der Protestwähler erweitert - um die Stimmenanteile für die von der AfD abgespaltene Partei des AfD-Gründers Bernd Lucke, Alfa, sowie jene für die rechten Parteien NPD, Die Rechte und "Republikaner". Außerdem haben wir die ungültigen Stimmen hinzugerechnet.

Daraus ergibt sich folgende Karte der Protestwähler bei der Landtagswahl 2016:


Nach dieser Definition hat ein Ort im Rems-Murr-Kreis die meisten Protestwähler: Spiegelberg, 1469 Wahlberechtigte, 30,7 Prozent Protestwähler - und 26,6 Prozent Stimmenanteil für die AfD. Das ist der landesweit dritthöchste Wert für die AfD; in Spiegelberg kamen noch 50 Stimmen für NPD, "Republikaner" und Alfa sowie ungültige Stimmen dazu.

Die Protestwähler-Karte ist in weiten Teilen geprägt vom Ergebnis der AfD in den jeweiligen Gemeinden. Doch es gibt Ausnahmen: Die Gemeinde Ötigheim (Kreis Rastatt) beispielsweise, wo die Partei Alfa ein besonders gutes Ergebnis eingefahren hat. Das wiederum verwundert nicht, wenn man weiß, dass der Alfa-Landesvorsitzende Bernd Kölmel in der Gemeinde aufgewachsen ist und dort auch sein Büro hat. 

Stuttgart ist bei Wahlbeteiligung top

Seit vielen Jahren sinkt die Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen tendenziell. Die beiden zurückliegenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg sind da eine Ausnahme; 2011 war die Beteiligung im Vergleich zur Wahl 2006 deutlich gestiegen; 2016 hat sie noch einmal zugenommen und lag bei knapp mehr als 70 Prozent.

Die Gemeinde mit der höchsten Wahlbeteiligung war demnach Pfronstetten (Kreis Reutlingen), wo 84,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Bei den Städten mit mehr als 10.000 Wahlberechtigten hatte Weinstadt die höchste Wahlbeteiligung (77,9 Prozent).

Die Großstädte folgen mit deutlichem Abstand: In Stuttgart war die Wahlbeteiligung mit 72,4 Prozent am höchsten. In Heidelberg lag sie bei 69,9 Prozent, in Karlsruhe bei 68,8 Prozent, in Ulm bei 65, in Mannheim bei knapp 62.