Autobau Träume vom Auto-Phönix aus der Asche

Von und Felix Lee, Peking 

Ein Getränkehändler mit großem Namen und ein Philologe wollen die Kultautomarke Borgward im ganz großen Stil wiederbeleben. Doch Zweifel scheinen mehr als angebracht.

Christian Borgward, der Enkel des legendären Firmengründers Carl F. W.  Borgward, plant, die Marke seines Großvaters wiederauferstehen zu lassen. Foto: Borgward 7 Bilder
Christian Borgward, der Enkel des legendären Firmengründers Carl F. W. Borgward, plant, die Marke seines Großvaters wiederauferstehen zu lassen.Foto: Borgward

Stuttgart - Christian Borgward und Karlheinz Knöss planen nichts weniger als eine der größten Erfolgsstorys der PS-Branche. Beide haben noch nie eine Fabrik eines Fahrzeugherstellers geleitet, geschweige denn eine Tochtergesellschaft eines Autokonzerns im In- oder Ausland. Dennoch wagen sie es anzukündigen, dass sie aus der untergegangenen Marke Borgward im Raketentempo einen Global Player machen werden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Borgward und Knöss geniale Gründer sind oder vielleicht doch eher Gestalten, die man mit Don Quijote und Sancho Panza vergleichen könnte, die in Windmühlen Riesen sahen. Wer sind diese Newcomer? Was treibt sie an?

Karlheinz Knöss stammt aus der Opel-Stadt Rüsselsheim. Der Philologe war Journalist, heuerte dann bei der deutschen Tochter des schwedischen Autobauers Saab an, wo er die Pressearbeit übernahm. Später wechselte Knöss in die Öffentlichkeitsarbeit des Autoherstellers Daimler, wo man heute aber nicht gut auf ihn zu sprechen ist. In einer Pressemappe, die Borgward zum Genfer Autosalon verteilte, steht: „Als Director of Global Corporate Communications für den Bereich Nutzfahrzeuge war er Vorstandsmitglied und vor allem in strategische Angelegenheiten und M&A-Projekte involviert“.

Einer der mit ihm zusammenarbeitete, aber nicht genannt werden will, meint, diese Formulierung wäre eigentlich fast ein Grund für eine Abmahnung. Als Knöss darauf angesprochen wird, ist es zunächst einmal still am anderen Ende der Telefonleitung. „Das steht da drin? Dann müssen wir das ändern“, sagt er dann und meint, dass dies vielleicht durch eine falsche Übersetzung des Wortes „Executive“ gekommen sein könnte. „Knöss war ein ganz kleines Licht“, sagt der Daimler-Informant zur Position in der Daimler-Hierarchie. „Er wollte uns erklären, wie man Pressearbeit macht, war ein Blender und Aufschneider“. Aber er sei auch ein „Storyteller“, der es schaffe, „aus einem Nichts eine große Sache zu machen – wie jetzt bei Borgward“.

Nach seiner Zeit bei Daimler wurde Knöss freier Berater

Ende 2001 war für Knöss nach zwei Jahren schon wieder Schluss bei Daimler. Er verließ den Autobauer „mit unbekanntem Ziel“, wie ein Mediendienst damals schrieb. Knöss sagt, er habe mit seiner Luzerner Firma V-Max als Berater gearbeitet, bei Restrukturierungen geholfen oder Firmenverkäufen. Im September 2006 trat Knöss dann mit Christian Borgward vor die Presse.

Christian Borgward betreibt einen Getränkehandel mit einem Lieferdienst („Borgward bringt’s) in Wolfsburg und hat einen großen Traum: Er möchte gemeinsam mit Karlheinz Knöss fortsetzen, was sein Großvater Carl F. W. Borgward einst aufgebaut hatte, bevor es krachend einstürzte. „Es waren sehr, sehr viele Steine aus dem Weg zu räumen, erzählte der Wolfsburger Getränkehändler bei diesem Auftritt. Nach langen Verhandlungen habe er inzwischen die nötigen Markenrechte zurückbekommen, die weltweit verstreut gewesen seien. Allerdings fehlte vor neun Jahren noch das nötige Geld – damals war die Rede von einer Milliarde Euro. Auf der Suche nach Geldgebern würden sehr viele Gespräche geführt, international und national. Als Produktionsstandort solle Deutschland „natürlich Priorität“ haben. Näher wollte sich der Visionär nicht äußern – denn dafür sei das Thema zu heiß.

Die Finanzierungshürde soll mittlerweile genommen sein, wie Karlheinz Knöss auf dem Genfer Autosalon versicherte, wo das Duo noch keinen neuen Wagen, sondern nur eine alte Isabella und das neue Markenzeichen zeigen konnte. Statt einem zugkräftigen neuen Modell präsentierten sie erst einmal große Pläne. „Die Wiedergeburt von Borgward ist ein gewaltiges Unternehmen, das in der Automobilindustrie einzigartig ist“, heißt es in der Pressemappe zur Messe. Schritt für Schritt werde ein Global Player aufgebaut.

Das weltweite Headquarter soll in Stuttgart stehen

In völliger Geheimhaltung arbeiten angeblich Entwicklungsteams in der Stuttgarter Region an den zukünftigen Modellen, auch die schon ausgewählten Zulieferer hätten dichtgehalten, sagt Knöss, der stellvertretender Aufsichtsratschef der Borgward AG ist, die bisher in Luzern sitzt. Daraus soll eine Borgward Group AG werden, deren weltweites Headquarter in Stuttgart angesiedelt werden soll – vielleicht zunächst einmal im neuen Bürozentrum City Gate beim Hauptbahnhof, später in der ehemaligen IBM-Zentrale beim Stuttgarter Autobahnkreuz, wie aus einem angeblichen „Konzeptpapier“ hervorgeht, das den „Stuttgarter Nachrichten“ zugespielt wurde. Knöss will sich dazu nicht äußern. Wie er berichtet, sollen weltweit Partner die Wiederbelebung der Marke unterstützen, darunter auch das chinesische Unternehmen Beiqi Foton. Wie genau das gehen soll, ist noch sein Geheimnis.