Autofahren im Ländle Die Umweltzonen machen sich breit

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Im Land hat die rote Plakette mit dem Neujahrstag 2012 ausgedient. Neue Umweltzonen werden eingerichtet und alte Regelungen verschärft.

Damit ist in Stuttgart schon lange Schluss, seit gestern hat die rote Plakette aber auch in allen anderen Umweltzonen des Landes ausgedient. Foto: Zweygarth
Damit ist in Stuttgart schon lange Schluss, seit gestern hat die rote Plakette aber auch in allen anderen Umweltzonen des Landes ausgedient.Foto: Zweygarth

Stuttgart - Der Gegensatz bleibt: zwar stoßen die Autos im Land nachweislich immer weniger Schadstoffe aus, dennoch werden die Schadstoffgrenzwerte vielerorts auch nach Einführung der Umweltzonen überschritten. Deshalb können Befürworter wie Gegner dieser Gebiete etliche Argumente für ihre Position anführen. Unbestritten ist jedoch, dass die Motoren ganz unabhängig von den Umweltzonen immer sparsamer und "sauberer" werden.

Dessen ungeachtet werden neue Umweltzonen eingerichtet und alte Regelungen verschärft. So hat in ganz Baden-Württemberg die rote Plakette mit dem Neujahrstag 2012 ausgedient. Sie war Diesel-Motoren mit bescheidener Abgasreinigung vorbehalten. In keiner der mittlerweile 22 Umweltzonen im Land sind diese Fahrzeuge erlaubt. Wie berichtet, ist die Landeshauptstadt schon einen Schritt weiter: in Stuttgart greift seit dem 1. Januar schon das Fahrverbot für Diesel-Pkw mit gelber Plakette. Die Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium geht davon aus, dass zum 1. Januar 2013 "gelb" auch in allen anderen Umweltzonen des Landes verboten sein wird.

Oldtimer sind von Beschränkungen ausgenommen

Die Nachrüstwelle ebbt allerdings ab. Viele alte Fahrzeuge sind am Ende ihrer Laufzeit angelangt. Viele andere sind bereits durch einen Rußpartikelfilter oder technischen Kniffe in einen Zustand versetzt worden, der Diesel-Pkw zumindest eine gelbe Plakette bringt und Fahrzeuge mit Otto-Motoren Vorteile bei der Kfz-Steuer verschafft. Wer seinen Diesel jetzt noch nachrüsten will, kann - anders als 2010 - wieder mit einem staatlichen Zuschuss von 330 Euro rechnen. Die Kosten für den Umbau betragen zwischen 700 und sogar 1700 Euro bei mittlerweile seltenen Fahrzeugen wie einem Mercedes 190 D.

Stichproben auf Parkplätzen belegen allerdings, dass an nahezu jeder Windschutzscheibe mittlerweile eine grüne Plakette klebt. "Benziner" haben sowieso eine grüne Plakette - oder gar keine. Bei letzteren handelt es sich Fahrzeuge vor dem Baujahr 1986/87. Danach setzte sich der geregelte Katalysator durch. Vor 1981 gebaute und somit mehr als 30 Jahre alte Oldtimer im Originalzustand können ein H-Kennzeichen erhalten. Sie sind von Beschränkungen durch Umweltzonen ausgenommen. Begründung: Diese Fahrzeuge gehören zum technischen Kulturgut und werden zudem meist nur wenig bewegt.

Stärkung einer umweltverträglichen Mobilität

Rote und gelbe Plaketten sind vor allem im Nutzfahrzeugbereich noch zu finden. "Die Plaketten haben zum Kauf vieler neuer Kleintransporter geführt", berichtet ein Autohändler. Andere Kleinunternehmer mit wenig gefahrenen Fahrzeugen kommt es hart an, einige tausend Euro in ihre Transporter investieren zu müssen. Bei Lastwagen kostet eine Nachrüstung gerne mal 5000 Euro, bei Bussen ist sie noch teurer. Laut Ministerium haben die Jahresmittelwerte für Ruß 2009 und 2010 abgenommen, obwohl gleichzeitig aufgrund ungünstiger Verhältnisse für den Luftaustausch höhere Feinstaubwerte gemessen wurden. Damit sieht Gisela Splett die Wirksamkeit der Umweltzonen bestätigt, räumt jedoch ein: "Die Grenzwerte werden wir an vielbefahrenen Straßen mit enger Randbebauung nicht einhalten können". Aus Gründen des Gesundheitsschutzes müssten weitere Schritte zur Luftreinhaltung ergriffen werden. So gelten - abgesehen vom Lieferverkehr - in Stuttgart und einigen Städten der Region Mittlerer Neckar Durchfahrverbote für Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. In einigen Orten sind außerdem Geschwindigkeitsbegrenzungen in Kraft oder vorgesehen. Dem Ministerium zufolge steht die nächste Fortschreibung der Luftreinhaltepläne an. Dabei kann es um die Ausdehnung von lokalen zu regionalen Umweltzonen gehen oder um die Einbeziehung bisher ausgenommener Bundesstraßen in Umweltzonen. So gilt auf den Bundesstraßen durch Tübingen und Reutlingen beim Schadstoffausstoß "freie Fahrt".

Wer eine drastische Absenkung der Schadstoffwerte erreichen will, muss zu anderen Mitteln greifen. Da müsste es etwa um eine deutliche Einschränkung des Autoverkehrs samt einem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) gehen. Die Staatssekretärin spricht von der Stärkung einer umweltverträglichen Mobilität, beispielsweise durch gezielte Förderung des Rad- und Fußgängerverkehrs, durch Stärkung des ÖPNV und durch intelligente Parkraumkonzepte.

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13 KommentareKommentar schreiben

ELEKTRONISCHE ZIGARETTEN BLEIBEN IN DER 'UMWELTZONE' LEGAL....: alle anderen Rauchzeuge gehören ab 01.12.2013 verboten. Auch Filterzigaretten sind Feinstaubschleudern - das sieht doch jedes Kind an der Rauchfahne. Wann kommt endlich die Plakettenpflicht für Tabakwaren ? Dass das Regierungspräsidium darauf noch nicht gekommen ist - oder raucht da vielleicht ganz oben einer ? Klar, neue Dienstwagen kann man sich vom Steuerbürger bezahlen lassen - ABER SICH DAS RAUCHEN ABGEWÖHNEN LASSEN, das geht leider nicht.

Umweltzone: Hallo, ich fahre nun seit 21 Jahren einen Klassiker aus England nicht nachrüstbar. Hatte 2 Jahre lang eine Ausnahmegenehmigung erhalten, nun nicht mehr... Statement der Behörde: Garage ausserhalb mieten oder Hänger holen und rausziehen. So .. vor 20 Jahren gekauft gabs diesen Bulls..it noch nicht. So werde ich eigentich enteignet und der Klassiker wird theoretisch Wertlos (Fahrleistung ca. 2500km pro Jahr, auuserhalb der Zone , Wohne: 900 Meter bis zum Umweltschild/Grenze). Da es den Behörden/Staat egal ist was nun mit meinem Hobby/Auto passiert ( hab damals lange gespart um mir den Traum zu erfüllen) halte ichs wie der andere Kollege. Ich fahr einfach ... fertig, lass mir den Spass nicht verderben. Umweltschutz ist ok und wichtig !! aber bitte mit Maß. Sollen die Grünen mit dem Rad zur Arbeit fahrn, den Dieselloks oder Kreuzfahrtschiffen (die werden teilw. mit Schweröl betrieben igitt) doch auch ne Plakette verpassen ... nur ein paar Beispiele. Das Schaffen die nicht da absolut Unfähig !! Können wir denn in Deutschland nur Schwachsinnsregelungen treffen ohne Maß und Ziel. Zuletzt: es wird so kommen das wir auch die Kernenergie (die zügig ersetzt werden muss, einig !! durch intelligente Technik) abschaffen und dann im Ausland aus den 'sicheren' Reaktoren zukaufen dann 'Gut Nach am Sechse' aber eben typisch Deutsch und Doof wie gewohnt.

So schaut es aus: http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Fraunhofer-Forscher-Die-Umweltzone-ist-komplett-unnuetz-id17271101.html Allerdings sollte die Autoindustrie sich starke Sorgen machen. Das mit dem Feinstaub ist nämlich kein gutes Subventionsprogramm. Bei der Mehrzahl der jüngeren Bevölkerung nimmt der Statuswert eines Autos mittlerweile deutlich ab und es wird eher als reines Hilfsmittel um von A nach B zu kommen gesehen. Und wenn jetzt bei einer nicht unbeträchtlichen Investition die Sicherheit, diese auch noch in ein paar Jahren nutzen zu dürfen, verloren geht, dann könnte das sehr böse für die Automobilindustrie enden.

Mir egal: 'Rote und gelbe Plaketten sind vor allem im Nutzfahrzeugbereich noch zu finden. 'Die Plaketten haben zum Kauf vieler neuer Kleintransporter geführt', berichtet ein Autohändler. ' Das ist der Punkt. Diese Plakette zwingt zum Kauf oder zur Umrüstung. Ich bin für Umweltschutz, aber diese Plakette bringt nachweislich absolut nichts. Mir ist das aber trotzdem ziemlich egal. Ich fahr trotzdem in die Stadt, wenn es sein muss. Die Kontrollen sind lasch. Und wenn ich erwischt werde...was solls. 350,- würde mich eine Nachrüstung kosten. Geteilt durch 40 Euro Strafe. So oft komme ich eh nicht nach Stgt. Ich sag nur...lass dich nicht von Vater Staat verarschen! Und wenn ich eine Messstation sehe, dann drücke ich extra auf Gas.

- Danke für Klicks...gggg: An den - Klicks kann man erkennen - wie nah man doch der Wahrheit ist. Ja man liest Sie nicht gerne.. Hält man sich doch für den besseren Menschen.. Gleich ist halt nicht für alle gleich. Immobilienbesitzer mit alten Heizunge( vor allem das Land), Stadt, Kachelofenheizer, Industrie, usw...alle werden ausgenommen - nur der Autofahrer der kann sich ja nicht wehren... Dafür darf unser lieber Ministerpräsident tag-täglich von Sigmaringen nach Stuttgart gefahren werden...Was ist das für ein Umweltpolitischer Schwachsinn... Aber manche sind halt gleicher als gleich.. Ein Schelm der Böses dabei denkt..

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