Automesse Detroit Autoindustrie gegen Quote für E-Autos

Von Anne Guhlich, Detroit 

Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hat den Vorstoß von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kritisiert, in Deutschland eine feste Quote für Elektroautos einzuführen. Derweil erwartet der Branchenverband VDA auf dem US-Markt Stagnation. Die Sorge vor Trumps Politik treibt die deutschen Hersteller und ihre Zulieferer um.

Die Sorge vor der Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump treibt die deutschen Autobauer um. VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte in Detroit vorsorglich schon mal, wie wichtig die deutsche Autoindustrie für die Wirtschaft in den USA ist. Foto: dpa
Die Sorge vor der Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump treibt die deutschen Autobauer um. VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte in Detroit vorsorglich schon mal, wie wichtig die deutsche Autoindustrie für die Wirtschaft in den USA ist. Foto: dpa

Detroit - Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hat den Vorstoß der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kritisiert, in Deutschland eine feste Quote für Elektroautos einzuführen. „Dieser Vorschlag ist gut gemeint, aber nicht gut gedacht“, sagte Wissmann unserer Zeitung am Rande der North American International Auto Show (Naias) in Detroit. „Denn ich glaube, dass am Ende der Kunde entscheiden muss.“ Und auch Daimler-Chef Dieter Zetsche kritisierte den Vorschlag: „Ich halte dies für den falschen Weg“, sagte Zetsche in Detroit. „Denn wenn Quoten definiert werden, wird dem Kunden vorgeschrieben, was er zu kaufen hat und das ist nicht kompatibel mit unserem marktwirtschaftlichen Ansatz. Unsere Aufgabenstellung ist, Elektroautos zu entwickeln, die so attraktiv sind, dass die Kunden sie kaufen wollen, ohne dass sie Zwang ausgesetzt wären. Und da sind wir auf einem guten Weg.“

Wissmann betonte, in den kommenden Jahren werde die Zahl der Autos mit Elektroantrieb stark ansteigen. „Wir kommen mit immer weiteren Modellen auf den Markt. Derzeit sind es über 30 und 2020 werden es rund 100 Modelle sein“, so der VDA-Präsident. „Wenn die Bundesumweltministerin sagt, wir sollten noch preisgünstigere Modelle auf den Markt bringen, dann darf sie eines nicht übersehen: Es ist noch immer so, dass die Batterie das Auto teurer macht als wir es gerne hätten.“ Die Batteriekosten seien jedoch nicht durch einen Zaubertrick zu senken. „Das ist eine riesige wirtschaftliche und technische Anstrengung.“

Wissmann wehrt sich zudem gegen die Aussage, dass die deutsche Autoindustrie bei der E-Mobilität zu langsam sei. „Auf diese Idee würde im Ausland niemand kommen“, sagte er. „Wir haben etwa in Norwegen, dem größten Elektromobilitätsmarkt, einen Marktanteil von über 50 Prozent“. In den USA liege er bei 20 Prozent. „Wir müssen nicht zu unserem Glück getrieben werden – auch nicht von der Bundesumweltministerin.“

2016 bescherte der Autoindustrie Traumzahlen

Anders als auf den Automessen in Deutschland ist die Elektromobilität auf der ersten Autoshow des Jahres längst nicht das Hauptthema. In Detroit dominieren traditionell spritschluckende Geländewagen (SUV) und Pick-ups. Die USA waren für die deutschen Hersteller 2016 ein Markt mit einigen Herausforderungen. „Vor allem für einen unserer deutschen Hersteller“, sagte Wissmann angesichts des Abgasskandals des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, der in Detroit seinen Neuanfang versucht. Bei den Light Vehicles (Pkw und SUV) verzeichnen die deutschen Hersteller einen Absatzrückgang von vier Prozent auf 1,33 Millionen Fahrzeuge (2015: 1,38 Millionen). Gewachsen sei dagegen das Segment der leichten Nutzfahrzeuge – um 13 Prozent. Während das Jahr 2016 der Autoindustrie Traumzahlen beschert hat, erwartet der VDA für 2017 auf dem Weltmarkt nur noch ein Wachstum um zwei Prozent auf 84 Millionen Einheiten. Der US-Markt wird seiner Einschätzung nach 2017 gar nicht mehr zulegen, sondern auf hohem Niveau – bei 17,5 Millionen Einheiten – stagnieren.

Nun treibt die deutschen Autohersteller in Detroit vor allem die Sorge vor einer protektionistischen Politik des künftigen Präsidenten Donald Trumps um. „Von besonderer Bedeutung ist für uns die Frage, welchen Stellenwert Washington künftig der Globalisierung beimisst“, sagte Wissmann. Die USA sei für die deutsche Autoindustrie ein wichtiger Markt, umgekehrt sei aber auch die Automobilproduktion in den USA auf den Export angewiesen. „Sowohl die US-amerikanische als auch die deutsche Automobilindustrie haben sich für ein Handelsabkommen mit weniger nichttarifären Hindernissen und einer möglichst weitgehenden Beseitigung der Zölle ausgesprochen.“ Der Branchenverband geht davon aus, dass sich die neue Regierung das Ziel setzt, die US-Industrie zu stärken. „Zu dieser Industrie gehören auch viele Produktionsstandorte deutscher Hersteller und Zulieferer hier in den Vereinigten Staaten, mit einem hohen Exportanteil. Wir hoffen, dass der neue Präsident für dieses handelspolitische Anliegen seiner heimischen Industriebasis offen ist.“

Auch deutsche Autobauer haben mehr Produktionskapazität in Mexiko aufgebaut

Trump hatte erst die US-Marktführer General Motors und Ford für Investitionspläne im Niedriglohnland Mexiko kritisiert und mit hohen Strafzöllen gedroht, dann folgte der japanische Branchenprimus Toyota. Nach der Dauerkritik von Trump hatte Ford überraschend angekündigt, die Pläne für ein neues milliardenteures Werk in Mexiko zu streichen.

Auch die deutschen Autobauer haben in den vergangen Jahren immer mehr Produktionskapazität in Mexiko aufgebaut oder sind gerade dabei, dies zu tun. Vorsorglich präsentierte Wissmann in Detroit schon mal eine Reihe von Zahlen, die verdeutlichen sollen, wie wichtig die deutsche Autoindustrie für die Wirtschaft in den USA ist. Demnach hätten die deutsche Hersteller und Zulieferer ihr Engagement in den USA stark ausgebaut. „Im Zeitraum 2009 bis 2016 vervierfachten die deutschen Hersteller ihre US-Produktion von 214 000 auf 850 000 Einheiten, während die gesamte US-Light-Vehicle-Produktion sich verdoppelte.“ Im Vergleich dazu würden in Mexiko mit 425 000 Fahrzeugen nur etwa die Hälfte produziert. Die deutschen Zulieferer hätten in den vergangenen 20 Jahren die Zahl ihrer Standorte in den USA auf über 430 verdreifacht, das sei der stärkste Anstieg über alle Regionen. „Das ist ein klares Bekenntnis für den Standort USA.“ Wissmann warnte davor, Handelshemmnisse einzuführen: „Gut jeder zweite Job, den die deutschen Hersteller hier in den US-Werken geschaffen haben, hängt am Export.“ Aktuell beschäftigen die deutschen Hersteller in ihren US-Werken rund 33 000 Mitarbeiter. Bei den deutschen Zulieferern, zu deren Kunden in USA sowohl amerikanische als auch internationale Herstellern zählen, sind es sogar 77 000 Mitarbeiter.