Automobilbranche Daimler beteiligt sich an Partner in China

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Der chinesische Kooperationspartner BAIC steht vor dem Börsengang – und Daimler übernimmt im Vorfeld der Emission zwölf Prozent der Anteile und zahlt dafür 640 Millionen Euro.

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche und BAIC-Chef Xu Heyi geben sich die Hand, nachdem sie den Vertrag unterzeichnet haben. Foto: DAIMLER AG
Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche und BAIC-Chef Xu Heyi geben sich die Hand, nachdem sie den Vertrag unterzeichnet haben.Foto: DAIMLER AG

Stuttgart - Der Stuttgarter Daimler-Konzern beteiligt sich im Vorfeld des geplanten Börsengangs von Beijing Automotive (BAIC) an dem chinesischen Kooperationspartner. Die Beteiligung in Höhe von zwölf Prozent, so hieß es nach der Vertragsunterzeichnung im Mercedes-Benz-Museum, werde durch die Ausgabe von neuen Aktien vollzogen. Daimler gibt für die Beteiligung 640 Millionen Euro aus. Das Abkommen muss noch von den chinesischen Behörden genehmigt werden.

Daimler und BAIC haben ein Gemeinschaftsunternehmen, Beijing Benz Automotive Company, das 2006 seine Arbeit aufgenommen hat. Zunächst wurde die Vorgängerbaureihe der aktuellen E-Klasse gebaut, seit 2010 das neue Modell in einer Langversion, die in China sehr beliebt ist. Seit 2008 fertigt das Gemeinschaftsunternehmen zusätzlich die C-Klasse. Im Dezember 2011 rollte der erste lokal produzierte Geländewagen GLK vom Band. Daimler und BAIC haben nun vereinbart, dass die Chinesen ihren Anteil um einen Punkt auf 51 Prozent erhöhen. Das gibt BAIC mit Blick auf den geplanten Börsengang die Möglichkeit, das Gemeinschaftsunternehmen in die Bilanz einzubeziehen. Gleichzeitig erhöht Daimler seinen Anteil an der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft Beijing Mercedes-Benz Sales Service Co. ebenfalls um einen Punkt auf 51 Prozent. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte zu der Vereinbarung: „Wir zünden nun die nächste Stufe in unserer Zusammenarbeit und bauen unsere gute Beziehung zu BAIC deutlich aus.“ BAIC-Chef Xu Heyi sprach von einer ganz neuen Qualität der Kooperation. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber hob hervor, dass Daimler der erste ausländische Konzern ist, der sich an einem chine­sischen Automobilhersteller beteiligt. Uebber: „Gleichzeitig zeigt unsere Entscheidung, dass wir den geplanten Börsengang unseres Partners und die weitere Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit auf ganzer Linie unterstützen.“ Auch der neu ernannte Chinavorstand von Daimler, Hubertus Troska, lobte die Intensivierung der Zusammenarbeit durch die neue Vereinbarung. Troska: „Ich freue mich sehr darauf, Teil unserer gemeinsamen Aktivitäten zu sein.“

Keine Jubelgesänge an der Börse

BAIC ist einer der größten Automobilhersteller Chinas. Im Jahr 2011 wurden 1,5 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Auch auf dem Nutzfahrzeugsektor arbeitet Daimler mit dem Konzern zusammen, genauer: mit der Tochter Foton. Seit Mitte vorigen Jahres fertigt das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Foton Daimler Automotive Co. schwere und mittelschwere Lastwagen der Marke Auman .

An der Börse löste das Abkommen nicht gerade Jubelgesänge aus. Die Daimler-Aktie legte zwar leicht zu, platzierte sich damit aber lediglich im Mittelfeld. Analysten bewerteten den Schritt gleichwohl positiv. So schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope: „Der Einstieg bei BAIC Motor und ein möglicher Einstieg der Chinesen bei Daimler dürften dem Konzern die Aktivitäten im Reich der Mitte merklich erleichtern.“ Die NordLB stufte die Daimler-Aktie deshalb von „Halten“ auf „Kaufen“ herauf.

Ob sich chinesische Investoren an Daimler beteiligen werden, ist offen. Anfang Januar schrieb die staatliche chinesische Zeitung „People’s Daily“ unter Berufung auf Insider, dass sich der große Staatsfonds China Investment Cooperation (CIC) mit bis zu zehn Prozent an Daimler beteiligen wolle. Gemessen am Börsenkurs würde dieses Engagement etwa 4,6 Milliarden Euro kosten. Seit dem Ausstieg von Abu Dhabi ist das Emirat Kuwait mit 7,6 Prozent größter Einzelaktionär von Daimler. Seit Anfang Januar war es ruhig um die angeblichen CIC-Pläne geworden. Jetzt meldet die „Wirtschaftswoche“, CIC wolle sich mit zehn bis zwanzig Prozent bei Daimler engagieren. „Spekulationen über Aktionäre kommentieren wir grundsätzlich nicht“, sagte ein Daimler-Sprecher. Der Fonds ist nach Angaben von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche zwar kein Großaktionär, aber mit etwas mehr als einem Prozent bereits unter den Anteilseignern von Daimler vertreten.

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2 KommentareKommentar schreiben

Die richtige Richtung: Nun hat auch Daimler erkannt wie der Hase läuft. Zulieferer wie Continental und Schaeffler haben vorgemacht, dass sich die Automobilbranche auf neue Märkte in Amerika und Asien konzentrieren sollen, was man auch an deren sehr guten Absatzzahlen sehen kann. Mit der Beteiligung geht Daimler nun einen Schritt weiter, mal sehen wo es das Unternehmen hinführt.

Daimler gibt ncihts mehr.: Das ist ´sehr traurig. Was haben Zetsche und Co wohl im Kopf? Geld? Geld!

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