Autor Jeffrey Archer Der Meineid-Lord und seine Steuertricks

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Der skandalumwitterte Bestsellerautor Jeffrey Archer fällt derzeit durch pfiffige Steuertricks auf.

Jeffrey Archer wurde schon des Öfteren vom Teufel geritten. Foto: dpa
Jeffrey Archer wurde schon des Öfteren vom Teufel geritten.Foto: dpa

London - An Geld kann es Jeffrey Archer eigentlich nicht fehlen. Er hat 330 Millionen Bücher verkauft. Als Bestsellerautor gehört er zu den wohlhabendsten Leuten in London. 140 Millionen Pfund soll der frühere Spitzenpolitiker der Torys heute schwer sein. Und als Baron Archer von Weston-super-Mare genießt er überdies den Komfort der Nobilität. Aber wer viel hat, dem kann noch ein bisschen mehr offenbar nicht schaden.

Das muss sich Lord Archer gedacht haben, als er kürzlich mit Hilfe des Teufels seine Steuern um 48 000 Pfund senkte. Der Teufel, muss man wissen, war eine Bronzefigur. Diese stammt von der Hand des französischen Künstlers Jean-Jacques Feuchère, der die Skulptur in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts gestaltet hatte.

Die Presse spöttelt das Verhalten Archers

Das Satanbildnis – in Feuchères Interpretation ein nachdenklicher, geradezu melancholischer Bursche – befand sich unter anderen Kunstwerken im Besitz von Lord Archer. Und Lord Archer beschloss in seinem Großmut, die Figur einem Museum in Oxford zu stiften. Das Museum war zutiefst dankbar. Mylord konnte seinerseits dreißig Prozent des Marktpreises der Statue von der Steuer absetzen.

Ein solcher Abzug ist begüterten Briten nämlich erlaubt, wenn sie „der Nation“ bedeutende Kunstwerke aus ihrem Privatbesitz übergeben. „Satan sorgt für eine Steuererleichterung“, überschrieb süffisant das führende Finanzblatt Britanniens, die „Financial Times“, einen Bericht über die Vorgänge. Die Zeitung erinnerte ihre Leser auch daran, dass „diabolische Themen“ schon früher eine Rolle gespielt hatten im Leben des cleveren Lords.

Frisierter Lebenslauf

Einmal schrieb Archer eine Tagebuch-Trilogie, deren Einzelteile „Hölle“, „Fegefeuer“ und „Himmel“ betitelt waren. Das war während der zwei Jahre, die er wegen Meineids hinter Gittern gesessen hat. In der Tat hat den heute 75-Jährigen im Lauf der Jahrzehnte immer wieder einmal der Teufel geritten. Schon bei der Angabe seiner Studienabschlüsse bei Jobbewerbungen soll mit dem späteren Romancier die Fantasie durchgegangen sein. Später bezichtigte ihn eine Autoren-Kollegin, bei ihr abgeschrieben zu haben. Er verteidigte sich mit den Worten, die Texte der werten Dame hätten ihn lediglich „inspiriert“.

Fragen gab es auch zu diversen Spendenaktionen für wohltätige Zwecke, die er organisierte. Zum Beispiel für die Kurden im Irak. Das meiste Geld kam offenbar nie an. Ausgerechnet aber zum Dank für diese von ihm vermeintlich geleistete Unterstützung der Kurden erhielt Archer 1992 auf Empfehlung seines Freunds John Major, des damaligen Premierministers, einen Adelstitel auf Lebenszeit verliehen.

Den Adelstitel durfte er trotz der Haftstrafe behalten

Auch gegen Vorwürfe übler Insidergeschäfte musste sich Archer einmal wehren. Der Fall wurde eingestellt wegen „unzureichender Beweise“. Um 77 000 erschwindelte Pfunde ging es damals. Eine alte Affäre von 1987, die er längst abgeschlossen glaubte, holte Archer zwölf Jahre später ein. Wegen Meineids musste er danach hinter schwedische Gardinen. Seinen Adelstitel durfte er trotz Haftstrafe behalten, weil es keine Mittel gab, ihm diesen abzuerkennen. In jüngster Vergangenheit ist es um Jeffrey Archer still geworden. Erst der Satan von Feuchère hat ihn seinen Landsleuten wieder ins Gedächtnis gerufen.

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