Autosalon in Genf Autobauer wehren sich gegen Dieselkritiker

Von hap 

Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA), reist zuversichtlich zum Autosalon nach Genf – trotz Abgas-Skandal. Andere Experten sind da skeptischer – und sehen eine dicke Dieselwolke über Genf.

VDA-Präsident Wissmann  wehrt sich dagegen, dass die  gesamte Branche wegen VW unter Generalverdacht gestellt wird. Foto: dpa
VDA-Präsident Wissmann wehrt sich dagegen, dass die gesamte Branche wegen VW unter Generalverdacht gestellt wird.Foto: dpa

Genf - In dieser Woche wird Genf wieder zum Hotspot der internationalen Autowelt; in den Messehallen der Schweizer Kongressstadt am Lac Léman werden in den kommenden Tagen die Neuheiten vor dem Start in die wichtige Frühjahrssaison präsentiert. Dieses Mal sei die Stimmung jedoch getrübt, meint Ferdinand Dudenhöffer, der Chef des Duisburger Forschungsinstituts CAR. „In diesem Jahr liegt eine dicke Dieselwolke über Genf“, sagt Dudenhöffer. Der Abgas-Skandal von VW hat eine heftige Debatte über die Zukunft des Dieselantriebs ausgelöst. Umweltaktivisten prangern an, dass auch Modelle anderer Hersteller im Straßenverkehr deutlich mehr schädliches Stickoxid ausstoßen als auf dem Prüfstand und argwöhnen, dass auch bei anderen Autobauern gemogelt wurde. Schadet die Krise des deutschen Marktführers VW damit der gesamten Branche?

„Wir müssen unterscheiden“, entgegnet Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Manipulation von Software betreffe ein Unternehmen, das nun mit ganzer Kraft daran arbeite, um Vertrauen beim Kunden wieder zurückzugewinnen. „Doch wir wehren uns gegen Versuche, die gesamte Branche unter Generalverdacht zu stellen“, sagt Wissmann im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. Wer den Diesel schlechtreden wolle, so der Cheflobbyist der Autobranche, müsse wissen, dass der Selbstzünder von strategischer Bedeutung sei, um beim Klimaschutz voranzukommen, weil er im Schnitt zehn Prozent weniger CO2-Emissionen ausstoße als ein vergleichbarer Benziner. Zudem sei die deutsche Autoindustrie technologisch und im Markt weltweit führend beim Diesel.

Abgasuntersuchung wird verschärft

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt traut den Autobauern offenbar nicht so ganz. Beim Kraftfahrtbundesamt hat der Bayer eine groß angelegte Untersuchung in Auftrag gegeben. Bei einer ganzen Reihe von Marken soll geprüft werden, ob es auch dort wie bei VW Manipulationen bei den Stickoxidwerten gegeben hat. Zudem hat er vor kurzem „Schadstoff-Doping-Tests“ angekündigt.

Darüber hinaus werden bei der Typgenehmigung neuer Modelle in der EU künftig neben dem Prüfstand auch die Emissionen auf der Straße berücksichtigt. Der VDA-Präsident begrüßt diese Verschärfung. „Wir haben uns immer für Transparenz ausgesprochen. Das haben wir seit langem gefordert, erfreulicherweise kommt die EU jetzt damit voran“, sagt Wissmann und weist darauf hin, dass mit der neuen Abgasnorm Euro 6, die seit kurzem für alle Neuzulassungen verbindlich sei, die Schadstoffemissionen noch einmal deutlich reduziert werden.

Die Abhängigkeit vom Diesel

Die starke Marktposition der hiesigen Branche bei Dieselfahrzeugen sieht der Autoexperte Dudenhöffer anders als Wissmann nicht nur als Vorteil, sondern auch als Risiko, weil sie davon abhängig sind. Dudenhöffer weist darauf hin, dass der Absatz von Dieselautos auf dem US-Markt im Januar auch bei BMW und Mercedes eingebrochen sei. „Die Lawine rollt, und das spürt man in Genf“, sagt Dudenhöffer voraus. Diese Meinung teilt indes VDA-Präsident Wissmann überhaupt nicht. „Die USA sind traditionell ein Benziner-Land, dort lag der Dieselanteil schon bisher unter drei Prozent. Da geht es um überschaubare Stückzahlen“, rechnet Wissmann vor. In Westeuropa und in Deutschland habe dagegen rund jeder zweite neu zugelassene Wagen einen Dieselmotor und der Anteil sei hierzulande im Januar nur leicht zurückgegangen. „Die Nachfrage ist also durchaus stabil“, sagt der VDA-Präsident.

„Wir gehen mit Zuversicht nach Genf“, sagt der Cheflobbyist, zumal die konjunkturellen Perspektiven gut seien. „Die Konjunktur in Europa gibt uns Rückenwind“, sagt Wissmann. Im vergangenen Jahr sei der westeuropäische Pkw-Markt um neun Prozent auf 13,2 Millionen Fahrzeuge gewachsen, im Januar habe er um sechs Prozent zugelegt und auch im Gesamtjahr sei mit einem Plus zu rechnen. Auch China und die USA würden 2016 zulegen. Brasilien und Russland blieben zwar schwach, „doch insgesamt wird der Weltmarkt in diesem Jahr weiter wachsen“, so Wissmann.