Autozulieferer Behr Der neue Chef kommt von Mahle
Inge Nowak, 07.09.2010 06:46 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Wenn der Behr-Aufsichtsrat sich wünscht, dass der neue Chef von Mahle kommt, werde ich dem nicht widersprechen", sagt Heinz Junker, Chef des Stuttgarter Kolbenherstellers Mahle. Er, Junker, habe mit der Entscheidung nichts zu tun. Er fügt hinzu: "Mahle ist derzeit im Behr-Aufsichtsrat nicht vertreten." Noch nicht. Voraussichtlich von Oktober an wird sich das ändern. Mahle ist der neue Großaktionär von Behr; bis Oktober sollen alle Genehmigungen vorliegen, dann kann der Einstieg vollzogen werden. Sowohl Junker als auch sein Kollege in der Mahle-Geschäftsführung, Bernhard Volkmann, werden dann im Kontrollgremium von Behr Platz nehmen.

Schon jetzt wurden Zeichen gesetzt. Überraschend hat Behr-Chef Markus Flik gestern bekanntgegeben, dass er den Kühlerhersteller, den er sieben Jahre lang geführt hat, Mitte des Monats auf eigenen Wunsch verlassen wird. Wo er hingehen wird, stehe noch nicht fest. "Er führt Gespräche", sagte eine Sprecherin. Die Option, einmal Junker, dessen Vertrag bis 2015 verlängert wurde, zu beerben, hat es nach StZ-Informationen anscheinend nicht gegeben. Am Montag hat Flik die Mitarbeiter des Kühlerherstellers informiert. Sein Nachfolger kommt am 1. Oktober, heißt Peter Grunow und ist derzeit noch für Mahle tätig. Auch sein Nachfolger bei Mahle steht fest: Wolfgang Breuer von Conti.

Mahle drückt bei Behr aufs Tempo - nicht nur personell, auch wirtschaftlich. Behr habe in diesem Jahr bereits große Fortschritte gemacht, sagt Junker. Aber: "Es muss noch eine Menge gearbeitet werden." Die Vorgabe steht fest: die Umsatzrendite - der Gewinn vor Steuern bezogen auf den Umsatz - soll bei fünf Prozent liegen. "Wenn andere das können, muss Behr das auch schaffen", sagt Junker. Die Marge werde benötigt, um die technologische Entwicklung finanzieren zu können. 2013 oder 2014 soll das Ziel erreicht sein. Wie er es schaffen will, sagt Junker noch nicht. Der Kühlerhersteller war nach zwei Verlustjahren im ersten Halbjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Vor Steuern hatte das Ergebnis bei zwölf Millionen gelegen - der Umsatz bei 1,62 Milliarden Euro.

Einstieg bei Behr in drei Schritten


Der Einstieg bei Behr soll in drei Schritten erfolgen. In der ersten Stufe (2010) werde die Beteiligung bei 19,9 Prozent liegen, bereits am 1. Januar 2011 soll der Anteil auf 36,85 Prozent steigen. Es werde dafür eine Kapitalerhöhung geben, an der sich die übrigen Gesellschafter nicht beteiligen. Mahle will das dafür nötige Kapital aus eigener Kraft aufbringen. "Wir wollen uns nicht verschulden." Die Eigenkapitalquote soll nicht unter einen bestimmten Wert sinken. Als Untergrenze gilt dabei wohl die Quote von Ende 2009; damals lag sie bei knapp 33 Prozent. Mahle besitzt von 2013 an (der dritte Schritt) die Option, die Mehrheit an Behr zu erwerben. Dann will der Kolbenhersteller die meisten Aufsichtsratsmitglieder bei Behr stellen. Der traditionsreiche Kühlerhersteller wird dann als Unternehmensbereich geführt.

Mahle hat im ersten Halbjahr vom Aufschwung profitiert. Der Umsatz schnellte um 37,6 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro in die Höhe. Für das gesamte Jahr werde ein Umsatz von 4,9 Milliarden Euro (plus 27 Prozent) angestrebt. Gleichzeitig kehrte das Unternehmen in die Gewinnzone zurück. Vor Steuern sei ein Ergebnis im dreistelligen Millionenbereich geschrieben worden; auch in Deutschland wurde die Gewinnschwelle erreicht. Eine Umsatzrendite von fünf Prozent schafft auch Mahle nicht. Junker begründet dies mit "Kampfkosten", die die Marge belastet hätten. Grund sei der rasante Aufschwung. Deshalb sei es etwa bei elektronischen Bauteilen zu Engpässen gekommen. Charterflugzeuge seien eingesetzt worden, damit die Lieferkette zu den Kunden nicht abreißt. Dies habe die Frachtkosten in die Höhe getrieben. Mahle beschäftigt weltweit 44.800 Mitarbeiter. In Deutschland befinden sich noch 1000 Beschäftigte in Kurzarbeit.
Kommentare (2)
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SEP
07
Ein Geschädigter von Behr, 23:52 Uhr

Dr. Flik

Es ist keine Überraschung, naja das Werk 8 Schließung so teuer wird hat ja keiner gerechnet. Aber die Quittung nur an ihm liegt ist nicht zu werstehen? Es soll auch Werksleiter und seine Untertanen gehen. Jetzt Wirts richtig Hobelich die im Edenwicklung und Verwaltung können ab September richtig Zithern. Man weist ja Neue Chef neue Regeln und der Betriebsrat was macht ihr jetzt!!!!???????????? Das ist nicht die Ende sondern der Anfang.

SEP
07
Einer der gezwungenermaßen ebenfalls geht..., 18:05 Uhr

Markus Flik

Markus Fliks weggang kommt für Insider nicht überraschend. Er hat die Firma in der ich und meine Kollegen seit Jahrzehnten gerne gearbeitet haben an den Rand des Ruins geführt. Die Eigenständigkeit ist weg und wir sind ein gefundenes Fressen für die Gutmenschenanthroposophen von Mahle. Vorher hat die Behr Geschäftsleitung die Stimmung in der Belegschaft aber sowas von dermaßen versaut, daß von vielen kein Einsatz über den Dienst nach Vorschrift hinaus mehr kommt. Am Ende baden die Mitarbeiter die seit teilweise vierzig Jahren Ihre Knochen und Ihr Hirn für die Firma einsetzen die Sache aus. Sie können sich in das Heer der Leiharbeiter einreihen und sich damit trösten, daß Sie bald die Mehrheit der Arbeitnehmer stellen. Es ist wie mit der Finanzkrise, Cross-Borderleasing oder Stuttgart 21 wenn es hoffentlich nie fertig ist. Am Ende ist keiner verantwortlich für den Mist, Herrn Flik wird noch gedankt, er wird ordentlich abgefunden, und fürs Volk gibt es prekäre Beschäftigung oder Hartz 4. Die Politik, die wir blöden Schafe alle Jubeljahre wählen ermöglicht diese Verantwortungslosigkeit. Aber es keimt Hoffnung auf. Man könnte es in dem Satz zusammenfassen "2010- das Jahr in dem wir uns erhoben haben" Die ganze Geschichte um S21 zeigt, daß immer weniger Bürger bereit sind diese selbstbedienung und verarsche mitzumachen. In diesem Sinne "Oben bleiben! "