Backnang Die „Betonspechte“ machen sich ans Werk

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Das alte Murrtalviadukt wird nun endgültig abgerissen. Unter der neuen Brücke ist ein Denkmal für das 1937 errichtete Monument geplant.

Einen Anblick wie diesen aus dem jahr 2002 gibt es nicht mehr lange. Foto: Stoppel/Archiv
Einen Anblick wie diesen aus dem jahr 2002 gibt es nicht mehr lange.Foto: Stoppel/Archiv

Backnang - Die Tage des alten Murrtalviadukts sind nun endgültig gezählt. Die Baustelle ist eingerichtet, am heutigen Mittwoch soll damit begonnen werden, das stillgelegte Straßenbauwerk abzureißen. Bereits seit August des vergangenen Jahres rollt der B-14-Verkehr über eine parallel errichtete Brücke.

Dass der Abriss mit rund einem Jahr Verspätung erfolgt, liegt daran, dass sich die Maßnahme deutlich komplexer erwiesen hat, als ursprünglich angenommen. Die Experten des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, welches die Maßnahme im Auftrag des Bundes koordiniert, stellten fest, dass das Gelände unterhalb der Brücke nicht tragfähig genug für die vorgesehenen Raupenkräne ist. So musste das Abrisskonzept noch einmal überdacht und die Statik in den einzelnen Phasen komplett neu durchgerechnet werden.

Wegen des instabilen Untergrundes, aber auch aus Kostengründen, habe man sich darauf besonnen, die Brücke im „klassischen Rückbauverfahren“ abzutragen, sagt Matthias Kühnel, der Leiter des zuständigen Waiblinger Baubüros des RP. Zunächst werde der Überbau mit Meißelbaggern Stück für Stück abgetragen. Dann sollen die Betonstützen zum Berg hin gekippt werden.

Geplant ist, die ungefähr 4000 Kubikmeter Beton, die für die Brücke verarbeitet wurden, zur späteren Wiederverwertung auszusortieren und zu zerkleinern. Einen Teil des Materials will man noch vor Ort zum Verfüllen von Fundamenten einsetzen, der Rest soll für andere Straßenbauarbeiten abtransportiert und zwischengelagert werden. Drei Monate sind für die Arbeit der „Betonspechte“ kalkuliert. Im Frühjahr des kommenden Jahres will man sich dann den beiden insgesamt rund 940 Tonnen schweren Stahlbetonträgern widmen. Wie genau diese zu Fall gebracht werden, stehe noch nicht fest, sagt Matthias Kühnel. Das geeignete Verfahren werde zurzeit noch geprüft. Man hoffe aber, dass unmittelbar im Anschluss an den Betonabbruch nahtlos weitergemacht werden könne und die Gesamtmaßnahme somit nicht länger als fünf Monate andauere.

Ganz ohne Nebengeräusche wird der Abriss nämlich nicht abgehen. Das Regierungspräsidium bittet schon im Voraus um Verständnis für die zu erwartenden Lärmbelästigungen und die eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeit zum Stadion in der Unteren Au, wo auch für Fußgänger eine Umleitung ausgeschildert wird. Oben müssen sich die Autofahrer auf der parallel verlaufenden neuen B-14-Brücke derweil mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern bescheiden.

Rund 16 Millionen Euro hat sich der Bund den Neubau der 420 Meter langen und 25 Meter hohen Betonbrücke, die mit ihren zwei Bögen optisch an ihre Vorgängerin angepasst wurde, kosten lassen. Darin inbegriffen ist bereits der Abriss des alten Murrtalviadukts, dessen Sanierung nicht wirtschaftlich gewesen wäre.

Gleichwohl ist die im Jahr 1937 errichtete, im Krieg zerstörte und 1949 wieder aufgebaute Beton-Stahlkonstruktion einigen Backnangern ans Herz gewachsen. Und so setzt sich eine Gruppe um den Vorsitzenden des Heimatvereins Hobagrezr, Michael Keil, dafür ein, Teile des Backnanger Wahrzeichens zu erhalten.

Zwar sei die Suche nach Sponsoren bisher nicht so erfolgreich gewesen wie erhofft, dennoch will das Regierungspräsidium zumindest ein Denkmal ermöglichen. Das „Gelenk eines Außenkämpfers“, ein markantes Stahlteil der Brücke, soll laut den Angaben von Matthias Kühnel in ein Fundament gegossen werden und nebst einer Tafel unter dem neuen Viadukt an das ruhmreiche alte erinnern.

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