Backnang - Mit einem rund 5000 Jahre alten Beil aus der Steinzeit hat alles angefangen. Der Großvater hat das Fundstück seinem Enkele Heiner Kirschmer einst geschenkt. Anfang der 50er Jahre muss das gewesen sein. Klein Heiner war damals etwa zehn, und das Interesse des Kindes war geweckt. Neugierig war der Backnanger Bub schon immer gewesen. „Ich habe ständig in einem dicken Lexikon gelesen“, erzählt Kirschmer, Jahrgang 1941. Studiert hat der Mann, der noch nie woanders als in der Murrstadt gelebt hat, allerdings nicht Geschichte oder Archäologie. Nein, er wurde Bauingenieur und hat als Verkehrsplaner in Göppingen gearbeitet. Mitunter konnte er sein Hobby und den Beruf verbinden, etwa beim Aufstöbern alter Römerstraßen.
Ehrenteller für den Freizeitarchäologen
„Immer wenn die Themen Heimat und Geschichte aufgerufen werden, ist Heiner Kirschmer ganz nah“, das hat der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper kürzlich gesagt, als der Freizeitarchäologe mit dem Ehrenteller der Stadt Backnang ausgezeichnet worden ist. Der Geehrte will sich revanchieren: Seine komplette Sammlung, zu der rund 3300 Fundstücke aus der Steinzeit gehören, will Kirschmer seiner Heimatstadt schenken. Rund zehn Beile sowie viele hundert Schaber, Bohrer und andere frühzeitliche Werkzeuge.
Der 70-Jährige sagt, die Natur „hat mich immer interessiert“ – folgerichtig hat er 1980 den ersten Rad- und Wanderführer für die Backnanger Bucht geschrieben und im Eigenverlag immerhin 2500 Exemplare verkauft. Kirschmer leitet den Arbeitskreis Archäologie beim Heimat- und Kunstverein. Immer wieder gräbt und buddelt er, allein oder mit Bekannten. Er war Mitinitiator der Restaurierung des gotischen Chors der ehemaligen Michaelskirche. Kirschmer sei „ein unermüdlicher Stadtchronist“ (Nopper): Er schreibt Texte für die Jahrbücher der Stadt – „dabei hatte ich in Deutsch eine Vier“, sagt Kirschmer, der auch die beiden Ausstellungen „Steine und Köpfe schreiben Geschichte“ und „Backnanger Köpfe“ initiiert hat. Er hält Vorträge und berät die Stadt, die oft, aber nicht immer auf den Fachmann hört. Mit dem Abriss des alten Gefängnisgebäudes auf dem Stiftshof vor ein paar Jahren war er gar nicht einverstanden.
Virtuelles Museum für Stadtgeschichte eröffnet
Diesem Mann mit dem freundlichen Lachen und der Stoppelfrisur wurde das Engagement für die Historie in die Wiege gelegt. Ein Urgroßvater war Herausgeber der Schwäbischen-Alb-Zeitung in Laichingen. Der andere hat seine Initialen am historischen Backnanger Rathaus hinterlassen, er war am Bau beteiligt. Der Opa, der Heiner Kirschmer einst das Steinbeil schenkte, war Lehrer mit einem Faible für Geschichte. Und der 1944 gefallene Vater hat seinem Sohn ein Kriegstagebuch hinterlassen. Das Werk erzähle von den Grausamkeiten im Feld und von der Begeisterung für Hitler. Kirschmer würde das Tagebuch gerne veröffentlichen. Dass es in Backnang kein Museum für Stadtgeschichte gibt, ärgert ihn ein bisschen. Heiner Kirschmer hat kürzlich ein virtuelles im Internet eröffnet.
// Das virtuelle Stadtmuseum im Netz www.stadtgeschichte-backnang.de

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