Backnang Unterirdische Wirtschaftsförderung

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Die Stadt Backnang will das Internet beschleunigen und Leerrohre sowie Breitbandkabel verlegen lassen. Rund zwei Millionen Euro dürfte das Projekt kosten.

Eine „Glasfaser-Infrastruktur“ soll Privatunternehmen motivieren. Foto: Horst Rudel
Eine „Glasfaser-Infrastruktur“ soll Privatunternehmen motivieren.Foto: Horst Rudel

Backnang - Für viele Firmen, aber auch für Privathaushalte, ist ein Anschluss an das schnelle Internet via Breitbandkabel heutzutage genauso wichtig, wie ein Strom- und der Wasseranschluss. Die Städte und Gemeinden sind gefordert. Zum Ärger vieler Kommunalpolitiker bieten die Telekommunikationsunternehmen, etwa die Deutsche Telekom oder Vodafone, nämlich nur blitzschnelle Verbindungen an, wenn bereits Glasfaserkabel im Boden liegen oder die Nachfrage sehr groß ist, wie in den Großstädten. Das ist in Backnang längst nicht allerorten der Fall.

Der Backnanger OB Frank Nopper hat kürzlich im Gemeinderat erklärt, dass es wieder einmal ganz danach aussehe, „dass die Kommunen als Reserveaufgabenträger ran müssen“. Denn nach der Privatisierung von Post und Telekom verweigerten sich der Bund und das Land, kritisierte der Christdemokrat. „Den letzten in der staatlichen Kette beißen die Hunde.“ Die Stadt Backnang müsse handeln. Der städtische Wirtschaftsförderer Ralf Binder und zwei Fachleute der Backnanger TKT Teleconsult GmbH stellten dem Gremium ein Konzept vor, das Abhilfe schaffen soll. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. Die Stadt müsse wohl selbst tätig werden, wenn es voran gehen soll mit der besseren Versorgung durch ein schnelles Internet. Es sei geplant, eine „Glasfaser-Basisinfrastruktur“ zu schaffen, erklärte Binder. Im Boden sollten auf Kosten der Kommune Leerrohre und Leitungen für einen „inneren Ring und für Stichleitungen“ gelegt werden. Andernfalls, sagte Binder, werde der private Markt gar nicht in Schwung kommen.

Die Stadtverwaltung hofft, dass Telekom und Co. bessere Geschäftsaussichten wittern, wenn zumindest die wichtigsten Leitungen bereits verlegt sind und sie nur noch die Gewerbe- und die Wohngebiet anschließen müssen. In Backnang gibt es laut Aussage Noppers noch „viele weiße Flecken“, das Gewerbegebiet Lerchenäcker sei zwar gut angeschlossen, das Gewerbegebiet Süd beispielsweise aber nicht. Im Haushaltsplan für das laufende Jahr seien bereits rund 530 000 Euro für die Verlegung einiger Leitungen eingeplant, sagte Nopper. Doch für „eine flächige Versorgung“ sei – vorsichtig geschätzt – die vierfache Summe erforderlich. „Wir müssen handeln, schon allein deswegen, weil die Breitbandanbindung für einige Unternehmen nicht nur ein wichtiger Standortfaktor ist, sondern existenzielle Bedeutung erlangt hat.“ Und auch für Familien sei die Anbindung an das schnelle Internet bei der Wohnortwahl „immer wichtiger“. Viele Menschen hätten Heimarbeitsplätze. Wenn wir nichts tun, so der Wirtschaftsförderer, dann werden wir „neue Unternehmen oft gar nicht bekommen“. Andere Städte und Gemeinden seien längst am Thema dran, etwa Waiblingen, Schwäbisch Hall und Steinheim. Backnang könne mit Zuschüssen in Höhe von rund zehn Prozent der Investitionssumme rechnen.

In der anschließenden Diskussion, die ohne Abstimmung endete, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Schwarze: „Die Privatisierung hat immer zwei Seiten.“ Nun bekommt Backnang die negative Seite zu spüren, aber „Breitband ist Wirtschaftsförderung“. Willy Härtner (Grüne) erklärte, ihm seien „Datenautobahnen lieben als Autobahnen“. Ulrike Sturm (Grüne) wollte wissen, ob es denn möglich wäre das bestehende Netz über Richtfunk von Windkraftanlagen aus weit preiswerter zu beschleunigen. Die ernüchternde Antwort der Experten: Nein, geht nicht.

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