Bad Cannstatt Föll stellt Schulstandort in Bad Cannstatt infrage

Inge Jacobs, 04.07.2012 14:16 Uhr

Stuttgart - Um die Zukunft des zu kleinen und sanierungsbedürftigen Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Bad Cannstatt und der benachbarten Eichendorffschule wird derzeit im Rathaus heftig gerungen. Wie Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann der StZ auf Anfrage berichtete, weigere sich der Kämmerer Michael Föll, eine von ihr und Technikbürgermeister Dirk Thürnau vorbereitete Gemeinderatsvorlage mitzuzeichnen. Demnach hätten sie und Thürnau vorgeschlagen, das Elly abzureißen und stattdessen einen Neubau für ein vierzügiges Gymnasium zu erstellen – Kosten knapp 30 Millionen Euro. Für die Eichendorffschule schlage man vor, nur die Pavillons, den Verbindungsbau und die Sporthalle abzureißen und einen Erweiterungsbau samt Mensa zu erstellen: für rund 20 Millionen Euro.

Beide Vorschläge basieren laut Eisenmann auf einer Machbarkeitsstudie der Hausmann Architekten GmbH und den Empfehlungen des Schulentwicklungsplans. Demzufolge fehlen schon jetzt im Einzugsgebiet Gymnasialplätze. Laut Schulentwicklungsplan steigt der Bedarf an Gymnasialplätzen. In Bad Cannstatt geht es mittelfristig um bis zu zehn Züge – dabei sei aber die aktuelle Zunahme durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung noch gar nicht berücksichtigt.

„Immens hoher Sanierungsbedarf“

In den vergangenen Jahren hatte das Elly auch deshalb immer wieder Schüler abweisen müssen, weil dort auch Klassen der benachbarten Eichendorffschule untergebracht sind. Hinzu komme „der immens hohe Sanierungsbedarf“, den auch das Büro Drees und Sommer dem Elly bescheinigt habe. „Der Gymnasialstandort ist für die Zukunft immens wichtig“, so Eisenmann. Die Planung könne aufgrund der Schülerzahlen, aber auch wegen der Brandschutzauflagen und des umfassenden Sanierungsbedarfs nicht aufgeschoben werden.

Doch auch die Eichendorffschule müsse als Standort erhalten bleiben – sowohl als Grundschule wie auch als weiterführende Schule, fordert Eisenmann – auch wenn die Werkrealschule jetzt keine eigene fünfte Klasse mehr zusammengebracht habe. Denkbar sei dort künftig auch eine Gemeinschaftsschule oder eine Realschule, für die ebenfalls Räume, aber auch alternative Erweiterungsstandorte fehlten. „Vom Schüleraufkommen brauchen wir das für Cannstatt auf jeden Fall“, so die Bürgermeisterin. Auch die Eichendorffschule könnte durch den Teilabriss und die Erweiterung barrierefrei gestaltet werden und bräuchte dann keine Ausweichräume mehr. Zudem könnte das Gebäude besser für den Ganztagsbetrieb zugeschnitten werden und auch eine Mensa erhalten.

Beratung im Verwaltungsausschuss abgesagt

Dass Föll nun sowohl das Elly als auch die Eichendorffschule aufgrund der Schülerzahlen als Standort infrage gestellt habe, „davon waren wir schon überrascht“, so Eisenmann. „Wir wollten zwingend vor der Sommerpause das ,Go‘ bekommen, um die nächsten Schritte einzuleiten – wir stehen unter Zeitdruck.“ Doch die für den heutigen Mittwoch geplante Beratung im Verwaltungsausschuss habe man nun absagen müssen. Föll war für die StZ am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch Norbert Edel ist verwundert, dass die Abstimmung im Gemeinderat nun nicht kommt. „Wir brauchen eine klare Perspektive“, sagt der Schulleiter des Elly mit derzeit knapp 600 Schülern. Dass man erstmals keine Bewerber abweisen musste, führt Edel auf die unklare Zukunft der Schule zurück. Auch der Bezirksbeirat warte seit Monaten auf die Machbarkeitsstudie. „Natürlich wäre ein Neubau für uns die beste Variante, weil wir damit auch die ­pädagogischen Bedürfnisse befriedigen könnten.“ Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich intensiv damit, wie der künftige Schulalltag mit einem Ganztagsangebot und mit einem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern gestaltet werden könne. „Da ist eine große Aufbruchstimmung da“, berichtet Edel. Ein Neubau hätte zudem den Vorteil, dass von Anfang an barrierefrei gebaut werden könnte. Dies bewertet laut Eisenmann auch die Machbarkeitsstudie als Plus. Zudem könnte der laufende Schulbetrieb ohne Interimsmaßnahmen weitergehen.

Nun hofft Eisenmann, dass sie ihren Kollegen noch umstimmen kann. Der sei „politisch zu kurz gesprungen“.