Baden-Württemberg und Burundi Das Netzwerk mit Ostafrika wird enger

Von Stefan Jehle 

Eine Delegation der CDU-Fraktion im Landtag hat kürzlich das ostafrikanische Land bereist. Und die Zahl der Kooperationen wächst: nun wird zwischen dem Südwesten und Burundi auch fair gehandelter Kaffee vertrieben.

Die Ärztin Evelyn Herz (links) hofft, dass  Gesundheitszentren die Chancen von Frauen und Kindern erhöhen. Foto: Stefan Jehle
Die Ärztin Evelyn Herz (links) hofft, dass Gesundheitszentren die Chancen von Frauen und Kindern erhöhen.Foto: Stefan Jehle

Stuttgart/Bujumbura - Seit der Delegationsreise von Parlamentariern aus Baden-Württemberg nach Burundi 2009, der ersten nach einer langen Pause aufgrund der anhaltenden Bürgerkriegswirren, ist einiges in Bewegung gekommen. Das Netzwerk zwischen dem Südwesten und dem kleinen ostafrikanischen Staat wächst weiter. Die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden Kontakte zwischen den beiden Ländern eröffnen offenbar erstmals auch direkte wirtschaftliche Kontakte. Der Turbinenhersteller Voith etwa prüfe derzeit ein Wasserkraftprojekt, heißt es. Bisher war der Export von Baden-Württemberg nach Burundi, und vor allem der Import von Waren aus Burundi in den Südwesten nahezu vernachlässigbar. Gerade mal 200 000 US-Dollar betrug 2012 der Wert eingeführter Waren aus dem ostafrikanischen Land insgesamt. Dagegen wurden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zuletzt deutlich erhöht – in den Bundeshaushalten 2014 und 2015 wurden dafür rund 50 Millionen Euro bereitgestellt.

Viele Kontakte beschränken sich nach wie vor auf Hilfsprojekte für Burundi, das zu den ärmsten der armen Länder der Welt zählt. Eine CDU-Delegation unter Leitung von Peter Hauk besuchte vor kurzem bei einer Reise durch das ganze Land zahlreiche Sozial- und Gesundheitsprojekte. Im Krankenhaus von Bubanza, nördlich der Hauptstadt, war erst vor einigen Monaten eine Frühchenstation eingerichtet worden – mit Hilfe der Uniklinik Heidelberg. Im selben Haus waren aus Heidelberg zuvor mehrere dutzend Krankenhausbetten angeliefert worden. Beides wird offenbar gut angenommen von Ärzten und Patienten.

Kurzfristig sollen Ärzteteams zum Operieren nach Burundi reisen

Vielversprechend erscheinen neue Kontakte nach Ruyigi, im Osten des Landes. Seit 1993 gibt es dort das Kinder- und Gesundheitszentrum „Maison Shalom“: begründet von Marguerite Barankitse, in deutschen Medien immer wieder als „Engel Burundis“ bezeichnet. Noch mitten in Bürgerkriegszeiten hatte die Entwicklungshelferin begonnen, sich um Straßenkinder zu kümmern. Die Rastatter HNO-Ärztin Evelyn Herz, die mit „Ärzte International“ in München zusammenarbeitet, und schon vor einigen Jahren den Kontakt zu Barankitse herstellte, will sich jetzt um Ärzteteams kümmern, die temporär in den neu eingerichteten Operationssälen des Gesundheitszentrums arbeiten können. Herz, die in Rastatt CDU-Kreisrätin ist, erhofft sich aufgrund der neuen Gesundheits- und Sozialzentren in Burundi „mehr Chancen für Frauen und Kinder“. Die Fachärztin und CDU-Kreisrätin war 2009 erstmals mit einer Delegation in Burundi – und seitdem jedes Jahr erneut „auf eigene Faust“. Vor allem kleinere, überschaubare Projekte liefen gut, sagt sie. Sie bedauert jedoch, dass sich die bisherige Arbeit vorwiegend auf Hilfe „für die Ärmsten der Armen“ beschränkt. Schon länger erfolgreich betrieben werden die Projekte „Nouvelle Esperance“ des aus der Nähe von Ulm stammenden Paters Benno Baumeister – mit einem eigenen Haus für Aids-Patienten sowie das Behindertenzentrum „Zachäushaus“ in Gitega. Ein neues Projekt zur Frauenalphabetisierung gibt es in Bisoro – es wird unterstützt aus Albstadt.

Eine Kaffee-Kooperative eröffnet der Bevölkerung neue Perspektiven

Neue Perspektiven eröffnen könnte künftig die Zusammenarbeit mit einer Kaffee-Kooperative im burundischen Hochland von Mboneramiryango im Osten des Landes, in der Nähe von Gitega. Seit 2014 bestehen Kontakte zur dwp-Fairtrade-Handelsgenossenschaft in Ravensburg, die vor Jahren unter dem Namen „dritte-Welt Partner“ entstand. Seit Dezember wird der von der Kooperative in Mboneramiryango produzierte Kaffee in den „Weltläden“ im Südwesten angeboten. Das Projekt soll das Leben der Kleinbauern verbessern.

Der Leiter des Burundi-Büros der landeseigenen Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) in Stuttgart, Steffen Groß, setzt große Hoffnungen in diese Initiative. Mit Geld aus dem Staatsministerium, von der SEZ und der dwp-Gruppe soll zudem bis 2017 die Produktion auf organischen Landbau umgestellt werden. Im April werde der in Burundi produzierte und in Aschaffenburg verarbeitete Kaffee der Sorte „Arabica“ auch erstmals in den Hallen der Landesmesse Stuttgart verkauft, sagt Groß; bei der Messe „Fair Handeln“ vom 9. bis 12. April. Fachlicher und ideeller Träger der Verbrauchermesse ist die SEZ.

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