Bahn-Chef Grube tritt zurück Ein „Mister Stuttgart 21“ ohne eigenes Zutun

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Wenn es um Stuttgart 21 ging, sorgte Rüdiger Grube durch so manche Aussagen für Irritationen. Meist aber ließ er dem Infrastrukturvorstand den Vortritt. Die Projektkritiker wittern nun Morgenluft.

Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21 im September 2016. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung für Stuttgart 21 im September 2016. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Rüdiger Grube hatte knapp einen Monat Verspätung: Am 25. April 2009 fiel im Bahn-Aufsichtsrat der Beschluss, ihn zum Bahn-Chef zu machen. Aber gut drei Wochen zuvor, am 2. April 2009, hatten der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU), die beiden Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel und Walter Schoefer, sowie der damalige Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Stefan Garber, in der Villa Reitzenstein den Finanzierungsvertrag für Stuttgart 21 unterzeichnet – und damit die Projektpartner von Bahn, Stadt, Region und Land juristisch aneinander gebunden. Er hätte sich gewünscht, „dass man den Finanzierungsvertrag nicht vier Wochen bevor ich Vorstandsvorsitzender der Bahn wurde, unterzeichnet, obwohl man wusste, dass ich komme“, sagte Grube in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung im Dezember 2016. Zuvor hatten Zitate von ihm die Runde gemacht, die den Verdacht nahelegten, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn stehe nicht hinter dem milliardenschweren Umbau des Bahnknotens. „Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht“, sagte Grube nach Angaben des Magazins „Spiegel“ auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes Führungskräfte Deutscher Bahnen. Danach war Grube sichtbar bemüht, die Wogen zu glätten.

Grube verweist Projektgegner auf den „Boden der Tatsachen“

Dabei war es nicht das erste Mal, dass der Hanseat den Eindruck von Absetzbewegungen erweckte. Aus dem Jahr 2013 stammt die nie dementierte Aussage: „Wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir das Projekt nicht begonnen.“ Beide Episoden zeigen, dass Grube die kritische Distanz zum Umbau des Stuttgarter Bahnknotens nie verloren hat – aber eben auch nicht den klaren Blick auf die Realitäten, als längst erste Tunnelkilometer gebohrt wurden und am Bahnhofstrog gewerkelt wurde und trotzdem die Rufe nach einem Projektabbruch oder wenigstens nach einem Umstieg in eine andere Lösung nicht verhallen wollten. „Diese Baugrube ist der Boden der Tatsachen“, sagte Grube anlässlich der Grundsteinlegung für Stuttgart 21 im September 2016 an die Adresse all jener, die am Rande der Feierlichkeiten lautstark ihrem Unmut Luft machten. Kein Vierteljahr später im Dezember 2016 bekundete der nun zurückgetretene Bahnchef beim ersten Tunneldurchstich in Stuttgart, dies sei „ein emotionaler Höhepunkt beim Projekt Stuttgart 21“.