Bahn erhöht Preise Die Reisenden müssen mehr bezahlen

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Kritiker halten die Begründung des Schienenkonzerns für seine Preiserhöhungen für windig. So könne das Unternehmen seinen Strom beispielsweise relativ günstig einkaufen, meinen die Kritiker.

Die Kunden des Schienenkonzerns werden mit dem Foto: dapd
Die Kunden des Schienenkonzerns werden mit demFoto: dapd

Berlin - Am Sonntag ist Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn. Und wieder steigen die Ticketpreise, dieses Mal um 2,8 Prozent. Damit hat sich das Bahnfahren in den letzten zehn Jahren um satte 35 Prozent verteuert. Die Kritik verärgerter Kunden an den Zuschlägen reißt nicht ab. Besonders die Begründung mit höheren Energiekosten erscheint Experten fragwürdig.

Seit 2003 hat die Deutsche Bahn die Fahrpreise im Fern- und Nahverkehr regelmäßig nach oben geschraubt und um insgesamt 35 Prozent erhöht, mehr als doppelt so viel wie die allgemeine Preissteigerung in dieser Zeit. Hinzu kommen versteckte Zuschläge, wie eine Übersicht des Bündnisses Bahn für Alle zeigt. So verteuerte sich die Kundenkarte Bahncard 50, mit der Tickets nur die Hälfte kosten, um 79 Prozent. Und Reservierungen wurden in den zehn Jahren sogar um 108 Prozent teurer. Der Konzern verweist Kritiker gerne darauf, dass Mobilität insgesamt nicht billiger geworden ist. Das stimmt insoweit, dass auch fürs Autofahren und Fliegen immer mehr gezahlt werden muss. „Was uns jedoch ärgert, ist die Tatsache, dass die Bahn zwar immer mehr verlangt, die Angebote aber nicht im gleichen Maße besser werden“, bemängelt Heide Tischmann vom ökologischen Verkehrsklub VCD.

Ein krasses Beispiel: der Fernverkehr. Weil das Schienennetz vielerorts in schlecht gewartetem Zustand ist und zudem Züge wegen Mängeln und Lieferverzögerungen fehlen, fahren viele ICE und IC-Züge seit Jahren dem Fahrplan hinterher. Schon im Oktober sank der von der DB veröffentlichte Pünktlichkeitswert von 77,4 auf nur noch dürftige 72,6 Prozent. Mehr als ein Viertel der Fernzüge kam also zu spät. Und das ist nur die halbe Wahrheit. Die Stiftung Warentest ermittelte mehrfach noch viel schlechtere Werte. Der Konzern erfasst nämlich nur Verspätungen ab sechs Minuten und zählt komplett ausgefallene Züge gar nicht mit.

Für Unmut sorgen auch die Begründungen, mit denen die Bahn die höheren Fahrpreise rechtfertigt. Denn der Konzern verweist auf die zweifelsohne stark gestiegenen Verbraucherpreise für Energie, die auch den Transportriesen als größten Stromverbraucher der Republik träfen. Doch die Bahn bekommt ihre Stromrechnungen von der konzerneigenen DB Energie. Diese kauft als Großkunde mit hohen Rabatten die nötigen Energiemengen ein. Der Konzern verteidigt die Fahrpreiserhöhungen inzwischen mit einem weiteren Argument: dem Ausbau von grüner Energie. Ab April 2013 sollen alle Fernzüge zu 75 Prozent mit Strom aus Wind- und Wasserkraft fahren.

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5 KommentareKommentar schreiben

die Bonbonle der Bahn lassen sie sich von den Kunden bezahlen.: Die Bahn steckt in einem üblen Teufelskreis - und die Kunden sollen bezahlen. Je mehr Mist gebaut wird bei der Deutschen Bahn, desto mehr Bonbonle gibt es für Bahncard-Kunden. Ich bekomme jetzt immer öfters mal einen Gutschein für eine Mitfahrgelegenheit einer Partnerin oder eines Partners, oder auch mal einen Gutschein über 10 Euro für die nächste Fahrt mit der DB - alles in teurer Aufmachung. Aber dass ich diese Vergünstigungen selbst zahlen muss, da die Bahn die Preise wieder erhöht, davon spricht man nicht. Es ist eine solche Unverschämtheit den Kunden gegenüber, und dazu hält man uns auch noch für dumm. So ist es höchste Zeit, dass die Deutsche Bundesbahn mal einen oder mehrere Denkzettel bekommt.

fahrt auto: Wie erklärt sich die Bahn, dass ein Ticket von Pforzheim nach Stuttgart 10 Euro kostet? Fährt man diese Entfernung von etwa 50 km mit dem Auto, sind die Spritkosten halb so hoch!!! UND: Mit der Bahn komme ich von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof, mit dem Auto bereits von UND zum gewünschten Ort. RIESEN FRECHHEIT!!!

Wehrt euch!: Eine weitere Verschlechterung im öffentlichen Bahnverkehr ist nicht mehr hinzunehmen! Erst recht nicht bei gleichzeitig steigenden Preisen! Unsere Strassen, gerade hier in und um Stuttgart sind vollgestopft, Staus sind an der Tagesordnung! Um die Produktivität in dieser Region weiterhin aufrecht zu erhalten, benötigen wir einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr! Das finde ich im Vergleich zu anderen Dingen 'alternativlos' Davon hängt doch die wirtschaftl. Zukunft hierzulande ab und nicht von einem ollen Kellerbahnhof, nicht wahr Frau Merkel!? Seit Wochen ist der Nahverkehr gestört, Züge kommen spät oder gar nicht. Wer mehr über die erschreckende db-alltagsrealität in Deutschland wissen will: frontal21 brachte am Di. einen tollen Bericht zum Thema! Sehr empfehlenswert, aber aufgepasst: Zorngarantie! Es ist nicht weiter hinnehmbar, das die db den Gewinn im Personenverkehr erwirtschaftet und das Geld in global-player-manier in den Kauf von englischen Busunternehmen oder australischen Paketdiensten investiert, dabei zeitgleich aber tausende Streckenkilometer hierzulande abgebaut bzw. vernachlässigt werden! Erst gestern in der Zeitung: 1,5 Mrd. Euro benötigt die Bahn, um marode Brücken zu sanieren! By the way der Betrag entspricht ungefähr dem Gewinn der db von 2012 ! Der Impuls für eine Veränderung bei der Bahn kann leider nur durch die Politik kommen, also: Mails an Ramsauer schreiben, Beschwerde-Mails an die db und viel. im Hinterkopf behalten, bei der Bundestagswahl ev. eine Partei zu wählen, welche ev. genau dies auf ihrer Agenda hat...viel. muss die ja aber auch erst noch gegründet werden...

Fahrgemeinschaften contra DB: Ne Überlegung allemal wert! Die Bahn kann nicht mehr ganz sauber sein. Meiden, meiden und noch mal meiden nachdem was man schon heute über deren Service dieses Jahr so alles erfahren hat. Es sollte mal einen Jahresrückblick 2012 über die Bahn geben! Wau, das ist ´ne bittere Pillen!!!!!

Bald...: ...kann man sich überlegen, ob man lieber mit dem Taxi fährt oder mit der Bahn. Preislich ist da, wenn das so weiter geht, kein großer Unterschied mehr.

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