Bahnchef auf den Fildern Grube gesteht Defizite ein

Thomas Braun, 28.12.2010 10:11 Uhr
Leinfelden-Echterdingen - Auch bei seinem zweiten nachweihnachtlichen Besuch auf den Fildern hat Bahnchef Rüdiger Grube am Montagabend nicht das Christkind gespielt, das den besorgten Bürgern wenigstens ein paar kleine Geschenke unter den Weihnachtsbaum legt. So hatte es ihm der gastgebende OB von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk (CDU), durch die Blume geraten: Die Projektträger dürften sich nicht nur auf formale Positionen und die Gesetzeslage zurückziehen, sondern sollten danach trachten, ein Höchstmaß an Zufriedenheit und damit auch Zustimmung bei den Bürgern zu erzeugen, so die Empfehlung des Rathauschefs. Gleichwohl zeigte sich der Konzernvorsitzende diesmal besser präpariert als bei seiner ersten Stippvisite Ende November. Statt die Vorteile der transeuropäischen Magistrale Paris-Bratislava anzupreisen oder sich in Details des europäischen Schienenverkehrs zu verzetteln, ging Grube auf die konkreten Bedenken und Fragen der gut 500 Zuhörer in der Filderhalle ein und präsentierte erstmals Zeitabläufe und Zahlen für den noch nicht genehmigten Streckenabschnitt zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafen.

Nach seinen Angaben könnte das Erörterungsverfahren für den Planfeststellungsabschnitt 1.3 im Spätsommer des Jahres beginnen, wenn alle Anregungen aus der Schlichtung zu Stuttgart 21 in die bisherigen Pläne eingearbeitet sind. Dazu zähle er auch ein verbessertes Fluchtwegekonzept, Entrauchungsanlagen in den Bahnhöfen sowie die westliche zweigleisige Anbindung der Schnellbahnstrecke nach Ulm an den Flughafen, so Grube. Letzteres müsse freilich im Lenkungskreis der Projektpartner noch endgültig beschlossen werden. Auch in Sachen Gäubahn denke die Bahn daran, die Empfehlungen des Schlichters Heiner Geißler umzusetzen, kündigte der Bahnchef an. Geißler hatte gefordert, die Strecke von Rohr nach Stuttgart zu erhalten und leistungsfähig an den neuen Tiefbahnhof anzubinden. Die Frage, ob Reisende, die nach Stuttgart wollen, weiterhin direkt über die Gäubahn in die Stadtmitte fahren können, ohne – wie in den bisherigen Bahnplanungen vorgesehen – den Umweg über den Flughafen nehmen zu müssen, werde derzeit noch untersucht.

Zwei weitere S-Bahnzüge nicht ausgeschlossen


Immerhin gestand Grube ein, dass Stuttgart 21 nicht das best geplante Projekt aller Zeiten sei, wie es vor allem die Landesregierung vor der Schlichtung immer wieder verkündet hatte. "Das habe ich am Anfang auch geglaubt, heute bin ich anderer Meinung", so Grubes Kritik an die Adresse seines Vorgängers als Bahnchef, Hartmut Mehdorn. Beim Thema Lärmschutz allerdings blieb Grube bei seiner bekannten Position. Nicht die Bahn, sondern das Eisenbahnbundesamt (Eba) sei für zusätzlichen Lärmschutz zuständig, der Bedarf richte sich nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Der neue DB-Konzernbevollmächtigte Eckard Fricke nannte erstmals Zahlen, wie sich die Bahn den künftigen Mischverkehr auf der Strecke durch die Große Kreisstadt vorstellt.

Demnach sollen zusätzlich zu den 148 S-Bahn-Zügen, die täglich zwischen Flughafen und der Stuttgarter Stadtmitte in beiden Richtungen verkehren, künftig 62 Fern- und Regionalverkehrszüge auf den Fildern unterwegs sein. "Der S-Bahn-Takt wird in gleicher Qualität aufrecht erhalten wie heute", betonte Fricke. Je nachdem, wie viel Nahverkehrszüge das Land künftig bestellen sollten, seien sogar zwei weitere S-Bahn-Züge möglich. In der anschließenden Diskussion mühte sich der Bahnchef redlich, auch die seltsamsten Fragen zu beantworten. Ob die Bahn bereit wäre, die Verlängerung der Stadtbahnlinie U5 von Leinfelden nach Echterdingen zu sponsern, wollte etwa der örtliche CDU-Stadtrat Klaus Machanek wissen. Und ein Bürger aus Köln warf unter Berufung auf eine Studie die Frage auf: "Sind ICE-Hochgeschwindigkeitstrassen gegen Erdbeben gesichert?" Da war Grube ganz in seinem Element: "Kommen Sie doch nachher auf mich zu und zeigen mir die Untersuchung. Wir lassen das prüfen und Ihnen eine Antwort zukommen."