Bahnexperte über Stuttgart 21 „Bahn hat sich selbst einen Baustopp verordnet“

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Wegen ganz oder teilweise gesperrter Gleise am Stuttgarter Hauptbahnhof verzögern sich laut dem Bahnexperten Gerhard Schnaitmann die Bauarbeiten für Stuttgart 21. Der BUND-Landesverband will sich wegen der „chaotischen Planung“ für ein neues Konzept einsetzen.

Nach drei Zugunfällen bleibt Gleis 10 am Stuttgarter Hauptbahnhof auf unbestimmte Zeit gesperrt. Foto: 7aktuell.de/Eyb 12 Bilder
Nach drei Zugunfällen bleibt Gleis 10 am Stuttgarter Hauptbahnhof auf unbestimmte Zeit gesperrt.Foto: 7aktuell.de/Eyb

Stuttgart - Der BUND-Landesverband fordert einen Baustopp für das „chaotisch geplante“ Projekt Stuttgart  21. Der davon betroffene Stuttgarter Hauptbahnhof sei schon vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten eine Verspätungsfalle für den Schienenverkehr im ganzen Land, erklärte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender am Mittwoch im Gespräch mit Journalisten. „Deshalb ist die Zeit für parteipolitisch motiviertes Geplänkel endgültig vorbei.“ Es sei vielmehr höchste Eisenbahn, um sich über ein Ausstiegsszenario und eine vernünftige Alternative zum teuren Tiefbahnhof zu unterhalten. In diesem Sinne habe sie auch an Ministerpräsident Winfried Kretschmann geschrieben. Die Antwort stehe aber noch aus.

Die BUND-Landesvorsitzende ist sich sicher, das noch mindestens ein Jahr vergeht und somit weitere Kostensteigerungen auflaufen, bis die Bahn beginnen könnte, den Trog für den Tiefbahnhof zu bauen. Das Thema Brandschutz müsse überarbeitet werden, was wohl zu Verzögerungen und Änderungen führe. Und das Begehren des Konzerns, doppelt so viel Grundwasser wie bisher abpumpen zu dürfen, „dürfte wegen der vielen Einwände der Sargnagel für Stuttgart 21 sein“, betonte Dahlbender.

Querelen über den Querbahnsteig

Der Bahnexperte Gerhard Schnaitmann nannte weitere Belege für das auch nach seiner Ansicht chaotische Projektmanagement. „Die Bahn blockiert sich selbst, weil die Gleise 8 und 10 auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof teilweise oder ganz gesperrt sind.“ Wegen fehlender Ausweichgleise könnten deshalb die noch in der Bahnhofshalle stehenden Prellböcke am Querbahnsteig nicht abgebaut werden, um sie weiter nach vorn an die angebauten Bahnsteige zu verlegen. „Das bedeutet, dass das Baufeld für den Trog des unterirdischen Tiefbahnhofs nicht frei gemacht werden kann. Die Bahn hat sich selbst einen Baustopp verordnet“, sagte Schnaitmann.

Nach Ansicht der Bahn ist die Aussage, der Querbahnsteig könne erst verlegt werden, wenn die Weiche an Gleis 10 frei sei, allerdings „falsch“. Das Kommunikationsbüro räumt aber ein, dass die Sperrung „indirekt Einfluss“ auf die Verlegung hat. Wegen der verminderten Kapazität könnten die für den Umbau notwendigen Gleissperrungen nicht wie geplant realisiert werden. Die Bauarbeiten fänden aber wie vorgesehen im ersten Halbjahr 2013 statt. Die Bauzeit könne sich aber um mehrere Wochen verlängern. Der Witterungsschutz am bestehenden Querbahnsteig werde noch in dieser Woche angebracht. Damit sei dieser vor Beginn des Weihnachtsreiseverkehrs wieder wetterfest.

„Beschädigter Bahnhof ist überlastet“

Für den anerkannten Experten Schnaitmann bleibt Stuttgart 21 aber „ein den ­Niederungen des Planungsrechts und der Physik“ entrücktes Projekt. Ansonsten sei nicht zu erklären, wie man im Stuttgarter Kessel mit dem Bau beginnen wolle, obwohl man auf den Fildern noch nicht einmal wisse, „was man bauen will und was man genehmigt bekommt“.

Laut Schnaitmann haben die Gleissperrungen auf dem Hauptbahnhof längst auch den S-Bahn-Verkehr aus der Spur gebracht, weil mehr Regionalzüge sich Strecken mit S-Bahnen teilen müssten. Das führe zu Ausfällen und zu einer hohen Unpünktlichkeitsquote. „Solange die Gleise gesperrt sind, wird sich daran nichts ändern“, so Schnaitmann. Der von der Bahn beschädigte Hauptbahnhof sei überlastet.

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145 KommentareKommentar schreiben

„facepalmer“ – Am besten mal selbst vorsichtig sein beim Begriff „Lügner“ und von wegen „Bla, Bla“: Nur soviel zur behaupteten Schwarzweißmalerei: Lt. Fahrplan der DB werden am 16., 17.02. sowie 16., 17., 23. und 24.03.2013 GANZ OFFIZIELL einige IC/EC an Stuttgart VORBEIGEFÜHRT. Sie können das ja selbst auf den Seiten der Bahn ermitteln. Jedenfalls ging Ihre Herablassung diesbezüglich schon mal ordentlich in die Hose! .......... Wenn sich ein Mensch irrt ist er sofort ein Lügner? Hiermit diskreditieren Sie sich selbst!!! .......... „Und netterweise bestätigen Sie damit, dass es bei einem Bahnhof eben nicht so sehr auf die Anzahl der Bahnsteige sondern auf die Erreichbarkeit und Unabhängikeit der Fahrstraßen im Vorfeld ankommt!“ Aus diesem Satz entspringt die gleiche naive unbefleckte Betrachtungsweise über das komplexe Eisenbahnwesen wie es uns Märchenerzähler Herzilein-EB (richtig ausgedrückt) bis zum Erbrechen vorgeführt hat. Nun schreibt er nicht mehr, da er gemerkt hat, daß er von niemanden mehr ernstgenommen wird. .......... Es ist längst offensichtlich, daß hier immer wieder Hardcore-Proler wie Sie aufgrund des stümperhaft zusammengeflickten Gleisvorfelds (immerhin 3 Entgleisungen hintereinander) versuchen, daraus eine von vornherein schlechtere Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs und seinen Zuläufen abzuleiten. Die Zuläufe haben sich nicht verändert, nur viele wichtige Weichen wurden entfernt und Gleisverbindungen unterbrochen, wo vorher parallele Zugfahrten bei Ein- und Ausfahrten möglich waren. .......... Da Sie ja weiterhin versuchen, beim Kopfbahnhof ständig eine Ferndiagnose zu stellen, bleibe ich bei der Aufforderung an Sie: Erst vor Ort schauen, dann labern! – Oben bleiben!

Momentane Gleisbelegung K 20: @ facepalmer, 10:57 Uhr, Sie schreiben: „Ich nehm' das mal als Bestätigung, dass meine Beschreibung richtig ist und die von 'bahnfan' falsch. Danke. Damit sind 1,5 Bahnsteige, also ~15% weniger verfügbar ggü den 17 vor Baubeginn. Das macht übertragen auf S 21 7 statt 8 Bahnsteige (und nicht 5-6 wie behauptet)“ ___________________________________________________________________ Folgende Gleise werden im momentanen Fahrplan zwischen 7 h und 8 h nicht benützt: Gleis 1a, Gleis 5 und Gleis 10. Die Gleise 4 und 16 werden nur mit je einem Zug angefahren, also jeweils nur zu 1/3 genutzt. Also haben wir insgesamt 4,33 Gleise, die momentan nicht benutzt werden (können?) Das sind genau 25 % Reduzierung von den ursprünglich 17 Gleisen. Auf S 21 übertragen heißt dies genau 2 Gleise weniger, also 6 statt 8 Gleisen.

Facepalmer: Dummschwall hoch drei!: Gütergleis nach Feuerbach nicht nutzbar, die gesperrte Weiche am gesperrten Gleis führt zum Wegfall von wichtigen Querverbindungen im Fernverkehr. Aber so sind sie halt, unsere Proleten: keine Ahnung, aber die Klappe aufreißen.

@Lucidus, 09:37 Uhr: Widerlich, dieser aalglatte grüne Opportunismus. Freilich immer noch besser, als der schwarz-gelbe Filz, aber nicht viel besser. Und die SPD im Ländle? CDU in Rot, würde ich mal sagen. Wer auch immer regiert in Baden-Bürgerwürg, es kommt auf´s Gleiche raus. Was also bleibt? Nur dieses: Der Versuch, wenigstens eine echte Opposition im Parlament zu installieren, namentlich Die Linke.

@Aufgeklärter, 15:27 Uhr: Richtig! Erst schauen, dann labern!: „Gleis 1 und 9 werden voll genutzt. Gleis 8 ist eingeschränkt nutzbar, Gleis 10 ist gesperrt.“ Und ...???' ....... Ich nehm' das mal als Bestätigung, dass meine Bechreibung richtig ist und die von 'bahnfan' falsch. Danke. Damit sind 1,5 Bahnsteige, also ~15% weniger verfügbar ggü den 17 vor Baubeginn. Das macht übertragen auf S21 7 statt 8 Bahnsteige (und nicht 5-6 wie behauptet). Die Bahnhofsköpfe sorgen dafür, dass S21 das ohne nennenswerte Probleme wegstecken würde. Eisenbahner pro S21 hat das ja bis zum Erbrechen dargestellt. Allein, die Denkverbote in Keintologenköpfen scheinen diese Erkenntnis ja nicht zulassen zu können. +++++ 'Haben Sie auch mal das zusammengestutzte Gleisvorfeld angeschaut, wo viele Weichen und Gleisverbindungen nicht mehr sind, die einen reibungslosen Ablauf garantierten?' So so, wenn dass mit der Bahnsteigzählerei falsch ist, dann nehmen Sie halt mal das Gleisvorfeld als Erklärung (nach Ihrer Denkstruktur ist dann aber auch Hr. Hopfenzitz ein Lügner, hat er doch den Umbau gelobt). Und netterweise bestätigen Sie damit, dass es bei einem Bahnhof eben nicht so sehr auf die Anzahl der Bahnsteige sondern auf die Erreichbarkeit und Unabhängikeit der Fahrstraßen im Vorfeld ankommt! +++++ 'Wir stehen kurz bevor, daß diese Umleitungen offiziell im Fahrplan aufgenommen werden, nicht nur bei Unfällen!' BlaBlaBla, wieder nur tumbe Schwarzmalerei!

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