Bahnprojekt Stuttgart 21 Land will frühzeitig Züge auf ICE-Strecke

Von Konstantin Schwarz 

Die schnelle Verbindung von Wendlingen nach Ulm könnte Jahre vor Stuttgart 21 genutzt werden. Das würde die Filstalbahn entlasten.

Die Brücke über das Filstal ist ein wesentlicher Abschnitt auf der Neubaustrecke. Das Bild zeig den Stand der Arbeiten im Oktober 2017. Foto: Bahn AG/Thopmas Niedermüller
Die Brücke über das Filstal ist ein wesentlicher Abschnitt auf der Neubaustrecke. Das Bild zeig den Stand der Arbeiten im Oktober 2017. Foto: Bahn AG/Thopmas Niedermüller

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird nicht vor Ende 2023 in Betrieb gehen. Der Bau von Haupt-, Flughafen- und Abstellbahnhof samt den langen Tunnelstrecken könnte sich auch länger hinziehen. Bei der in Wendlingen anschließenden Schnellfahrstrecke nach Ulm zeigt der Bau dagegen deutlich geringere Abweichungen vom Plan und aktuell auch nur vier Änderungsverfahren – bei S 21 sind es 13. Der eben begonnene, 8,2 Kilometer lange Albvorlandtunnel auf der ICE-Strecke soll mithilfe zweier Tunnelbohrmaschinen bereits nach 18 Monaten im Rohbau fertig sein.

Der Umbau des Stuttgarter Bahnknotens und das Streckenprojekt bilden letztlich eine Einheit. In der Summe sollen beide die Reisezeit Stuttgart–Ulm im Fernverkehr von 54 auf 28 Minuten kürzen, was ganz überwiegend an dem mit 250 Kilometern pro Stunde befahrbaren, 60 Kilometer langen Gleisband ab Wendlingen liegt. Für dieses hat das Land tief in die Tasche gegriffen: 950 Millionen der 3,26 Milliarden Euro Baukosten hat das Land bezahlt, die letzte Rate wurde im Jahr 2016 überwiesen. Alle weiteren Kosten trägt, bis auf 75 Millionen Euro Eigenmittel der Bahn, der Bund.

Anbindung ist nur eingleisig

Nach den jüngsten Aussagen von Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla ist klar, dass die Strecke mindestens ein Jahr, vielleicht auch mehr als zwei Jahre vor S 21 fertig wird. Das Land will die neuen Gleise dann nicht vor sich hin rosten lassen. „Das wäre nicht in unserem Interesse“, sagt ein Sprecher von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). In Wendlingen wird es eine eingleisige Anbindung an die Strecke Plochingen–Tübingen geben. Über diese sogenannte Güterzuganbindung kann die Fils­talbahn als bisherige Hauptstrecke erreicht werden. Züge aus Stuttgart könnten über Plochingen und die Güterzugkurve auf die Schnellfahrstrecke und retour gelangen. Die Leistungsfähigkeit der eingleisigen Anbindung müsse geprüft werden, grundsätzlich könne man über sie aber einzelne Personenzüge auf die Strecke über die Alb leiten.

Haltepunkt Merklingen muss bedacht werden

„Es müssen zahlreiche betriebliche Fragen geklärt werden und Abstimmungen mit dem Land und den S-21-Projektpartnern erfolgen“, so Hermanns Sprecher. Die Bahn habe angekündigt, dies in Angriff zu nehmen, „wenn sich ein Auseinanderfallen der Fertigstellung von Neubaustrecke und Stuttgart 21 bestätigen sollte“. Dann müssten Fahrpläne umgestellt werden. Auch der neue Haltepunkt Merklingen muss bedacht werden. Ob die Fahrzeit mit dem Umweg über Plochingen und Wendlingen tatsächlich sinke, sei unklar. Doch selbst wenn die Fahrzeit bliebe und die neue Strecke zunächst nur von einzelnen Zügen genutzt werden könne, ergebe sich für die Filstalbahn eine dringend nötige Entlastung. Fern-und Regionalverkehr kommen sich dort regelmäßig ins Gehege, die Verspätungen auf der Filstalbahn haben zu geharnischten Protesten der Fahrgäste und Krisensitzungen von Land- und Bahn-Vertretern geführt.

In der Debatte über eine mögliche komplette Neuplanung des bereits genehmigten Flughafenanschlusses bei Stuttgart 21 meldeten sich am Freitag die CDU-Verkehrs­expertin Nicole Razavi und der grüne Fraktionschef Andreas Schwarz zu Wort. Sie sehen die mögliche Neuplanung laut Deutscher Presse-Agentur skeptisch und fordern die Bahn auf, Stellung zu beziehen.