Bahnverkehr in Deutschland Warum Funklöcher so gefährlich sind

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Wie funktioniert der Zugfunk und wie das Notrufsystem? Und wie gefährlich können Funklöcher werden? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gab es ein Funkloch auf der Strecke? Das ist die zentrale Frage beim Zugunglück in Bad Aibling. Foto: Getty Images Europe
Gab es ein Funkloch auf der Strecke? Das ist die zentrale Frage beim Zugunglück in Bad Aibling.Foto: Getty Images Europe

Berlin - Wie funktioniert der Zugfunk?

Das Streckennetz der Deutschen Bahn wurde nach der Jahrtausendwende zum großen Teil mit dem digitalen Zugfunk GSM-R ausgestattet. GSM steht für Global System für Mobile Communication. Auf diesem weltweiten Funkstandard basieren viele hundert Mobilfunknetze und auch die deutschen D- und E-Netze, die jeder für Handygespräche nutzt.

Der Zugfunk wurde für die speziellen Bedürfnisse im Bahnverkehr angepasst. Dafür steht bei GSM-R der Buchstabe R (Rail). Besonders wichtig: die schnelle und sichere Kommunikation zwischen dem Fahrdienstleister im Stellwerk und den Lokführern in den Zügen. Die Lokführer fahren zwar streng nach den Signalen entlang der Strecken. Doch im Notfall und bei Störungen soll der sofortige persönliche Kontakt möglich sein, um Unfälle zu verhindern.

Wie funktioniert das Notrufsystem?

Das GSM-R-Netz ermöglicht blitzschnelle Not-Rundrufe an alle Lokführer, mit denen Züge sofort gestoppt werden können. Dazu drückt der Fahrdienstleiter im Stellwerk dauerhaft die Notruftaste. Alle anderen Gespräche werden dann unterdrückt, der Notruf hat absoluten Vorrang und erreicht alle Lokführer gleichzeitig per Sammelruf mit höchster Priorität.

Die Lokführer hören dann zunächst einen wechselnden Hochton über Lautsprecher im Führerstand und wissen, dass Gefahr droht. Schon jetzt sind sie verpflichtet, abzubremsen und nur noch sehr langsam zu fahren. Folgt die mündliche Durchsage des Fahrdienstleiters, müssen alle Züge in der Regel sofort gestoppt werden.

Warum sind Funklöcher gefährlich?

Mobilfunk kann gestört sein und ganz ausfallen. Das weiß jeder Handybesitzer und jeder WLAN-Nutzer. Ursachen können zu geringe Sendeleistung, ungünstige Empfangslagen, Lücken im Netz, aber auch häufig Störungen durch andere Sendeanlagen und Funknetze sein. Für private Nutzer sind Empfangslöcher meist nur ärgerlich, beim Zugfunk aber können sie lebensgefährlich sein.

Denn in den vielen hundert Funklöchern entlang deutscher Bahnstrecken funktioniert dann auch der Notruf nicht. Im schlimmsten Fall können Lokführer also nur mit Verzögerung vor drohenden Kollisionen und anderen Gefahren gewarnt werden. Dann kann es aber bereits zu spät sein. Es gibt daher Experten, die generell davor waren, den störanfälligen Digitalfunk als Notrufsystem einzusetzen.

Im Luftverkehr wird auch aus diesen Gründen noch immer der analoge Funk genutzt, der zwar rauscht und abgehört werden kann, aber nicht so leicht abbricht. Im Schienenverkehr versuchen die DB Netze und das EBA, die Risiken durch einen „Regelprozess“ zu minimieren. Dazu werden den Angaben zufolge halbjährliche Messfahrten durchgeführt, die Funklöcher erfasst und in Mängellisten für die Lokführer laufend dokumentiert.

Die Lokführer können in Funklöchern umständlich auf ein öffentliches Ersatznetz umschalten, wenn sie das Stellwerk kontaktieren wollen. Der Fahrdienstleiter allerdings kann die Lokführer in Funklöchern generell nicht per Notrufsystem erreichen. Der Notruf geht dann ins Leere - mit im schlimmsten Fall tödlichen Folgen.

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8 Kommentare Kommentar schreiben

Ob es da auch Funklöcher gab?: Selbst in der Schweiz gibt es jetzt schon Probleme im Bahnverkehr. Der Unfall erinnert fatal an den Transrapidunfall von 2006. Nicht mal mehr in der Schweiz ist man sicher. Die Strecke wird übrigens von den Schweizer Bundesbahnen betrieben. http://www.nzz.ch/zuerich/sihlbrugg-unfall-dampfzug-fatales-ende-einer-nostalgiefahrt-1.18698844

Besigheim: Ganz schlimm in Besigheim. Da hat man mit vodafone null Empfang. Ich frag mich jedes mal, was das soll.

Funklöcher hin oder her: : fest steht, dass der verantwolrtliche Fahrdienstleiter seinen Dienst nicht oder nur schlampig, keinesfalls ordnungsgemäß versehen hat, die verunglückten Menschen würden sonst noch leben. Er hat sie zu Tode gebracht. Dass unsere technikversessene Gesellschaft dieses nicht zur Kenntnis nicht möchte, wird weitere Unfälle nach sich ziehen. Ein mit Personen voll besetzter Zug ist eben etwas anderes als die Märklineisenbahn im Keller ..... Walter Speidel.

Machen Sie nie Fehler?: Doch, Herr Speidel, schon hier und jetzt in Ihrem Kommentar: Ihr neuntes Wort "verantwolrtliche" ist offensichtlich falsch geschrieben. Schon so etwas einfaches machen Sie falsch. Wie war das mit dem Glashaus in dem man sitzt...? Ein Fahrdienstleiter muss den ganzen Tag _alles_ richtig machen. Das ist eine ungeheure Anforderung und Leistung! Aber wo Menschen arbeiten, passieren auch mal Fehler. Niemand bestreitet, dass der Fahrdienstleiter einen Fehler gemacht hat - das hat er gemäß Zeitungsbericht selbst zugegeben. Er hat den Fehler auch selbst bemerkt! Er hat auch versucht, die Folgen, also den Zusammenstoß, zu verhindern! Warum der Notruf des Fahrdienstleiters den Zusammenstoß nicht verhindert hat müssen die untersuchenden Fachleute klären. In den meisten Berufen hat ein kleiner Fehler keine so schlimme Auswirkung. Aber Menschen sind nicht perfekt. Der Fahrdienstleiter wollte sicher keinen Fehler machen und niemanden "zu Tode bringen"!

aber menschen sind nicht perfekt: das ist richtig. aber technik ist auch nicht perfekt. und wir sind auf dem besten weg alles auf die technik zu schieben und den menschen außen vor zu lassen. und der mensch ist völlig technikhörig und aufgeschmissen wenn was nicht funktioniert. der mensch wird immer weniger gefordert und so immer fehleranfälliger. dann wird die technik wieder erhöht und dadurch der mensch wieder ein stück weniger gefordert. und immer weiter verlernt der mensch seine fähigkeiten, weil die technik ihm alles abnimmt.

Über- oder Unter-Forderung?: Gewisse Personen, welche bei gewissen Beurteilungen zu sehr von sich selbst auszugehen scheinen, könnten sich tatsächlich schon mal selbst-persönlich unterfordert fühlen. Für das Tätigkeits-Profil eines ehrgeizigen und zugleich sich durchaus auch verantwortlich fühlenden Fahrdienst-Leiters scheint ihre "einfühlsame" Beschreibung aber eher mitnichten zuzutreffen.

sie schreiben wieder mist: warum schreiben sie auf einen kommentar anderer einen text der nichts, aber auch gar nichts mit dem kommentar der anderen zu tun hat? begrenzen sie das bitte auf s21, da ist man es gewohnt. man erschrickt ja, wenn man ihre gruseligen texte auch woanders sieht.

Nachtrag: Wenn ich mich richtig erinnere, stand in einem Bericht, dass der Fahrdienstleiter alleine war. Vielleicht wäre der Fehler durch ein Vier-Augen-Prinzip vermeidbar gewesen? Das ist aber Organisationsaufgabe der Bahn, insofern trifft die Bahn evtl. Organisationsverschulden.

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