Fellbach - Dass die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg ein dickes Plus in den Bilanzen verbuchen kann, daran hat auch ein Großprojekt am westlichen Stadtrand von Fellbach seinen Anteil. Auf der Freifläche zwischen dem Jugendhaus und dem Stadtteil Lindle entsteht derzeit für rund 37 Millionen Euro ein neues Bäderzentrum mit Freibad, Hallenbad, drei großen Rutschen und reichlich Platz zum Schwitzen in einer Saunalandschaft. Rechtzeitig vor Beginn der Frostperiode konnte der Rohbau fertiggestellt werden, berichtete die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys auf Anfrage, „das Wetter war in diesem Winter bisher gut für die Bauarbeiten“. Richtfest wird voraussichtlich in vier Wochen, am 28. Februar, sein. Bis dahin will der Leiter des Hochbauamts, Jürgen Mildenberger, auch die Stahlkonstruktion installiert sehen: „Dann kann man die Dimensionen des Gebäudes erkennen.“
Auch finanziell ist noch alles im grünen Bereich. Obwohl sich teilweise sehr wenige Firmen um die ausgeschriebenen Aufträge bemühten – eine Folge der guten Baukonjunktur – liegt das Projekt „gut innerhalb des Kostenrahmens“, versicherte Soltys. Auch bei den Auftragsvergaben am Dienstag im Gemeinderat registrierte der Finanzbürgermeister Günter Geier zufrieden einen sicheren Abstand zu den Kostenschätzungen. Den größten Brocken im Sechs-Millionen-Paket sicherte sich eine Bietergemeinschaft von zwei Garten- und Landschaftsbaubetrieben; sie werden für 4,9 Millionen Euro die Außenanlagen herstellen: die Freiflächen im Bad, den Vorplatz vor dem Eingang und den Parkplatz für rund 300 Autos. Die beiden Unternehmen Link aus Fellbach und Seidenspinner aus Stuttgart profitieren davon, dass die Stadtverwaltung darauf verzichtet hatte, des Badprojekt einem Generalunternehmer anzuvertrauen. Daher kommen jetzt auch Handwerksbetriebe aus Süddeutschland zum Zug. Bei der europaweiten Ausschreibung von Holzverkleidungen setzte sich die Firma Weibrecht aus dem oberbayrischen Bad Endorf durch, der Auftrag hat einen Wert von 508 000 Euro. Nach Gemmrigheim im Kreis Ludwigsburg an die Firma Scholl geht der Auftrag für die Putzfassade im Wert von 406 000 Euro, die Firma Trumpf aus dem nordbadischen Walzbachtal wird für rund 310 000 Euro die Innenverglasung liefern. Zusammen liegen die vier Aufträge um rund 806 000 Euro, unter der Kostenschätzung.
Mit der Fertigstellung des Familien- und Freizeitbades Fellbach (F.3), wie es offiziell genannt wird, ist im Frühjahr 2013 zu rechnen. Dann werden das alte Hallenbad in der Stadtmitte und das Freibad an der Untertürkheimer Straße geschlossen. Mit beiden Bädern erwirtschaftet die Stadt jährlich rund 1,2 Millionen Euro Defizit. Das neue Kombibad soll dagegen kostenneutral oder sogar mit Gewinn betrieben werden können, jedenfalls traut sich dies der private Betreiber zu. Das Bäderzentrum wird von der Städtischen Holding Fellbach komplett gebaut und schlüsselfertig an die Bädergesellschaft g1 aus Schwabach bei Nürnberg verpachtet. Gebaut wird das Bad ausschließlich auf Kredit – für Zins und Tilgung rechnet die Stadt das bisherige Bäderdefizit gegen. So soll der neue Wassertempel nicht mehr kosten als die maroden alten Badeanstalten.
Nicht jeder im Gemeinderat traut dieser Kalkulation. Die SPD und die Grünen haben sich bei den Arbeitsvergaben wie bisher auch der Stimme enthalten, sie hätten das Projekt gerne eine Nummer kleiner und unter der Regie der Stadtwerke gehabt.

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