Bastian Schweinsteiger Von wegen Karriereherbst

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Der Kapitän Bastian Schweinsteiger will nach dem Wechsel vom FC Bayern München zu Manchester United auch im Nationalteam wieder durchstarten. „Wir werden gegen Polen gut spielen und gewinnen – weil wir es müssen“, sagt der 31-Jährige.

Frankfurt - Er begann als blondierter „Schweini“ an der Seite seines Kumpels „Poldi“ – und wurde vom Boulevard später als „Chefchen“ vom FC Bayern München belächelt. Als blutverschmierter WM-Finalist ist er zum gestandenen Fußballer-Mannsbild gereift – nun trägt er die Kapitänsbinde, denn er ist im Kreis der Nationalelf bereits seit elf Jahren eine prägende Figur. Mit seinen 111 Länderspielen fehlen ihm zum Vorgänger Philipp Lahm jetzt nur noch zwei Partien. Doch auch für den an den Schläfen leicht ergrauten Bastian Schweinsteiger, diesen alten Fahrensmann im internationalen Fußballgeschäft, gibt es rund um die wichtigste Nebensache der Welt noch Neues zu entdecken.

Also ist der 31-Jährige vor dem EM-Qualifikationsspiel am Freitag (20.45 Uhr/RTL) gegen Polen erstmals nicht aus München, sondern aus dem Ausland zum Sammelpunkt der DFB-Elf nach Frankfurt eingeschwebt. „Das war auch mal eine schöne Erfahrung, ohne den Thomas Müller anzureisen, der einen den ganzen Flug über vollquasselt“, berichtet der verschmitzte Schweinsteiger auf dem Pressepodium mit einem Augenzwinkern von seinem Trip aus Manchester. Frisch sieht der dabei aus, ist gut gelaunt, obwohl für den Käpt‘n, der nach 17 Jahren beim FCB den Absprung auf die Insel wagte, in den vergangenen 48 Stunden wahrlich nicht alles optimal lief.

Auffahrunfall bei der Ankunft am Hotel

Jedes Spiel in der Premier League ist eine Herausforderung. „Deshalb habe ich diesen Wechsel gemacht“, erzählt Schweinsteiger, der bei ManUnited am Sonntag erstmals über die vollen 90 Minuten durchspielen durfte. Doch gegen den Außenseiter Swansea City setzte es für den deutschen Dirigenten und seinen Trainer Louis van Gaal eine unerwartete 1:2-Niederlage. Tags darauf erreichte Schweinsteiger auch noch die Nachricht, dass seine Freundin, die serbische Tennisikone Ana Ivanovic, bereits in der ersten Runde der US Open gegen die weithin unbekannte Slowakin Dominika Cibulkova ausgeschieden ist. Und als der Ex-Münchner am Montagnachmittag vor das Frankfurter Teamhotel, dem Fünfsternehaus Villa Kennedy, vorgefahren wurde, da endete die Reise in dem engen Innenhof mit einem Auffahrunfall seines Chauffeurs.

„Ich brauche ihn nicht mehr in jedem Testspiel, denn ich bin mir sicher: Wenn es drauf ankommt, ist er noch immer ein Weltklassespieler“ – das hatte der Bundestrainer Joachim Löw tags zuvor über seinen Regisseur gesagt. Sätze, die in den Ohren des Mittelfeldmannes ein wenig nach Karriereherbst geklungen haben mögen. Doch Bastian Schweinsteiger, der Routinier, weiß inzwischen mit den kleinen Rückschlägen des Alltags ebenso gut umzugehen wie mit seinen vielen größeren Verletzungen.

So lernte er etwa während seiner langen Ausfallzeit nach dem WM-Erfolg von Rio immerhin beim Kurztrip nach New York Ivanovic kennen. Sportlich zählt für Schwein­steiger unterm Strich ohnehin nur das große Ganze. Und dazu zählt neben der Qualifikation für die Champions League mit Man­United („die Atmosphäre im Old Trafford hat mich beeindruckt“) auch ein souveräner Einzug der Nationalelf zur EM 2016 in Frankreich.

Woche der Wahrheit gegen Polen und Schottland

Soll das Publikum doch leichte Bedenken anmelden angesichts der nur fünf Siege in den zehn Länderspielen der DFB-Elf seit dem Finale vom Maracanã, nach denen einer jüngsten Umfrage zufolge lediglich 13 Prozent der Fans an einen EM-Triumph glauben. Schweinsteiger hält Kurs. „Wir werden gegen Polen gut spielen und gewinnen – weil wir es müssen“, sagt der Kapitän vor dem Auftritt gegen den Tabellenführer der Gruppe D, dem am Montag in der „Woche der Wahrheit“ (Trainer Löw) das Gastspiel in Schottland folgen wird.

Nach bisher sechs von zehn zu absolvierenden EM-Qualifikationsspielen rangiert der Weltmeister mit 13 Punkten als Zweiter einen Zähler hinter dem Nachbarn. „Wir werden die deutschen Tugenden in die Waagschale werfen und voll angreifen. Wir brauchen die Punkte“, sagt Schweinsteiger, der beim 0:2 in Warschau im vergangenen Herbst verletzt fehlte.

Lange hatte der Münchner das Schicksal anderer Größen wie des früheren Capitano Michael Ballack geteilt, denn er drohte als international titelloser Fußballheld in die Geschichte einzugehen. Jetzt fehlt dem Weltmeister und Champions-League-Sieger lediglich noch der EM-Pokal zur Vollendung seiner erfolgreichen Karriere. Bis dahin genießt der gereifte Fußballer auch den Augenblick. „Es ist jedes Mal ein besonders schönes Gefühl“, sagt der Leitwolf, „das Trikot der Nationalelf überzustreifen.“

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