Bauarbeiten auf der Gäubahn Die Bahn behilft sich mit Bussen

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Einen Monat lang werden auf dem Abschnitt zwischen Horb und Rottweil keine Züge rollen. Der Intercity verlässt Stuttgart 50 Minuten früher.  

Das hier ist nicht die Gäubahn, aber die anfallenden Arbeiten gleichen sich an allen Bahnbaustellen: Schotter austauschen und Weichen ersetzen. Foto: AP
Das hier ist nicht die Gäubahn, aber die anfallenden Arbeiten gleichen sich an allen Bahnbaustellen: Schotter austauschen und Weichen ersetzen.Foto: AP

Stuttgart - Korridore nennt die Bahn Baustellen, in deren Rahmen mehrere anstehende Reparaturen am Schienennetz zu einem Projekt zusammengefasst werden. Das hat den Vorteil, dass die Arbeiten in einem Abschnitt schneller abgeschlossen sind. Mitunter allerdings muss während dieser Zeit eine Strecke komplett gesperrt werden. Immerhin bleibt den Anwohnern dann das durchaus lästige Hupen erspart, mit dem Bauarbeiter vor heranrollenden Zügen gewarnt werden.

Für 2011 wurden hat die Deutsche Bahn für Baden-Württemberg sieben dieser Korridore angekündigt. Aktuell ist die Gäubahn betroffen. Zwischen Horb und Rottweil fährt im Nah- wie Fernverkehr kein Zug, denn auf 16 Kilometer Länge werden die Gleise ersetzt. Parallel dazu wird auf einer Länge von zwei Kilometern der Schotter ausgetauscht, es wird an Tunneln gearbeitet, und Weichen werden ersetzt. Die Kosten für alle Arbeiten sollen sich auf elf Millionen Euro belaufen. Die in diesem Bereich eingleisige Strecke ist seit Freitag gesperrt. Das soll bis zum 29. Mai so bleiben.

"Das ist schon was Größeres", sagt ein Bahn-Sprecher zu diesem Projekt. Damit meint er nicht nur die Arbeiten selbst, sondern vor allem auch den Plan, die Reisenden auch in diesem Monat an ihr Ziel zu bringen. Das geschieht mit Hilfe von Bussen, die in den beiden Bahnhöfen Horb und Rottweil auf die Züge warten. Letztere fahren zurück an ihre Ausgangsstationen. Im Fernverkehr pendeln sie somit zwischen Stuttgart und Horb beziehungsweise zwischen Rottweil und Zürich.

Die "Direktbusse" für Reisende im Fernverkehr fahren ohne Stopp an einer Haltestelle von Horb nach Rottweil. Dabei vergehen rund 50 Minuten. Wer im Nahverkehr unterwegs ist, wird in der Regel einen "Regiobus" nutzen, der viermal zusätzlich an einem Wartehäuschen stoppt. Dabei lassen diese Busse weitere 15 Minuten auf der Strecke. "Das läuft alles problemlos", berichtet der Bahn-Sprecher vom ersten Tag der Streckensperrung am gestrigen Montag. Fahrräder lassen sich in den Bussen allenfalls an Wochenenden mitnehmen.

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15 KommentareKommentar schreiben

@O.Nurb: Danke für die Blumen, es gibt sicher auf beiden Seiten Menschen mit mehr oder weniger Ahnung und mehr oder weniger guter Kinderstube sowie Bahn- und reine Autofahrer. Aber man sieht, es geht auch anders! Und auch als S21-Befürworter gibt es Dinge, die meiner Ansicht nach an der Planung unbedingt verbessert werden müssen, die Wendlinger Kurve zum Beispiel und den Bereich Rohr-Flughafen. Zur Gäubahn muss man noch sagen, dass der Niedergang der Gäubahn sehr stark mit dem Bau der A81 zusammenfällt. Im Vergleich zur Südbahn war die Gäubahn schon immer kurviger und deshalb langsamer. Die 4-spurige B30 hat der Südbahn weitaus weniger geschadet, zum einen, weil der Ausbau der Straße nicht durchgehend erfolgt ist und zum anderen ist die Streckenführung konkurrenzfähiger. Nichtsdestotrotz kann die Gäubahn eine große Zukunft haben, wenn der 2-gleisige Ausbau kommt und der ICE-T mit Neigetechnik wieder fährt, dann kann man in Stuttgart die Fernzüge Richtung Norden erreichen, von denen man bisher in Stuttgart nur die Schlußlichter sieht und fast eine Stunde warten muss. Auch im Güterverkehr wird ihre Bedeutung wachsen, weshalb man z.B. auch über einen Wiederaufbau der Strecke Rottweil-Schömberg nachdenken sollte. Die dortigen Zementwerke fahren ihre Güterzüge derzeit mit einem Riesen-Umweg über Sigmaringen in die Schweiz. Von der Riesenlücke im Personenverkehr ganz zu schweigen.

@TRG: Lieber TRG, mit unseren Meinungen zu S21 und NBS werden wir wohl nie konform gehen, aber als offenbar regelmäßiger Bahnfahrer und Gegner des A8-Ausbaus sind Sie innerhalb der Befürworterschaft ja schon so etwas wie eine Orchidee im Brennesselfeld! Dafür große Hochachtung, auch für die für einen Proler ungewohnt sachliche Argumentation! Die Befürworter, die ich persönlich kenne (in Stgt. GsD nur wenige), sind allesamt so vom 'I-fahr-Daimler-Typus' und würden ihren faulen A... niemals in einen Zug setzen.

Manche sagen so, manche sagen so...: @TRG: 'Übrigens verlängert sich die Fahrtzeit auf der Gäubahn über den Flughafen nicht.' === Darüber wird gestritten: 'Diese neue Streckenführung verlängere, nach Angaben von Pro Bahn, die Strecke um etwa 4,2 Kilometer und beispielsweise die Fahrzeit zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Böblingen im Regionalverkehr um fünf Minuten.[18] Nach Angaben von DB Netz seien mit der neuen Streckenführung dagegen „nahezu identische“ Fahrzeiten zu erreichen. Ein Gutachten der Berater Vieregg-Rössler erwartet eine Fahrzeitverlängerung von rund fünf Minuten durch den Umweg, einschließlich weiterer Faktoren von zehn Minuten. Das Planungsbüro SMA und Partner stellt hingegen fest, dass es keine fahrplantechnischen Einschränkungen auf der Gäubahn gäbe und es nicht zu Fahrzeitverlängerungen komme.' Um die Filder besser mit der übrigen Region zu verzahnen ist die jetzige S21-Planung übrigens denkbar ungeeignet und zu recht kaum der Rede wert. Sowohl die Vermengung von Fern- und S-Bahnverkehr auf dem Abschnitt Rohr-Flughafen, als auch die ungeklärten Sicherheitsprobleme beim Flughafentunnel beschränken die Leistungsfähigkeit der geplanten Strecke massiv.

@Reigschmeckter: Vergessen Sie nicht: Vergessen Sie nicht, dass der Flughafenbahnhof zwar Flughafenbahnhof heißt, er aber weitaus mehr erschließt als den Flughafen. Es ist leider bezeichnend für die alte Landesregierung, dass sie das Potential dieses neuen Bahnhofs nicht ansatzweise erkannt hat und nur unter dem Mantel 'Flughafen' und 'Messe' beworben wurde. Im direkten Umkreis des Flughafens leben in Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern, Filderstadt und den restlichen Orten ca. 200.000 Menschen (also mehr als in Ulm und Neu-Ulm zusammen). Viele namhafte mittelständische Firmen liegen auf den Fildern. Die derzeitige Anfahrt zum Hauptbahnhof in Stuttgart mit der S-Bahn ist leider absolut unattraktiv, vor allem, wenn man weiter in Richtung Süden will. In der halben Stunde ist man von Leinfelden aus auf der A8 schon über die Alb oder in Pforzheim oder über die B27 in Tübingen. Was der S21-Planung fehlt, ist ein Busnetz, das sternförmig auf den neuen Flughafenbahnhof hin zuläuft und so diesen Bahnhof zum echten Regionalbahnhof für den Filderraum macht. Übrigens verlängert sich die Fahrtzeit auf der Gäubahn über den Flughafen nicht.

Nicht über einen Kamm: @Bruddler: Die Südbahn kann man beim besten Willen nicht als verlottert bezeichnen. Nahezu alle Bahnhöfe sind in den letzten Jahren umgebaut und modernisiert worden, z.B. Ravensburg und Biberach. In ein paar Wochen wird die Süedkurve in Laupheinm West in Betrieb gehen, so, dass man von Laupheim auch direkt nach Biberach uns weiter südlich fahren kann. Das Verkehrsangebot ist relativ gut mit stündlich mindestens je einem RE und einer RB bzw. BOB sowie 2-stündlichen Sprinterzügen. Unattraktiv wird es erst Richtung Stuttgart. Die Elektrifizierung (und der damit geplante Ausbau der Streckenhöchstgeschwindigkeit von 140 auf 160 km/h) ist gleichwohl sinnvoll, wirklich attraktiv und wirtschaftlich wird sie aber erst mit der NBS Stuttgart-Ulm, weil dadurch die Gesamtreisezeit Richtung Stuttgart unter der des PKW wird und das Fahrgastaufkommen sich rapide steigern wird. Zudem wird die Strecke dann wieder für internationale Güterzüge interessant, die NBS schafft dann auch die entsprechenden Kapazitäten auf der Filstalstrecke. Anders ist es freilich bei der Gäubahn. Hier hat man tatsächlich nur das allernotwendigste investiert. Die Bahn hat mangels Geld vom Bund viele Jahre nur Mangelverwaltung betrieben. Vor allem die Bahnhöfe der Gäubahn sind alles andere als Aushängeschilder. Es gibt ja den Spruch von Ex-Bahnchef Mehdorn, der dort einen Bus als ausreichend gesehen hätte. Gut, dass der weg ist. Immerhin ist ja jetzt die Zusage zum ersten 2-gleisigen Abschnitt zwischen Horb und Neckarhausen da (der für die meisten sich aufschaukelnden Verspätungen bei Zugkreuzungen in Horb verantwortlich ist). Mit der Flughafenanbindung der Gäubahn bei S21 wird diese Strecke deutlich aufgewertet, damit stehen die Chancen gut für eine Aufwärtsspirale der Gäubahn: Mehr Fahrgäste, mehr Züge, mehr Bedeutung, mehr Investitionen, mehr Fahrgäste...

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