Stuttgart - Nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hat Stuttgart 21 den S-Bahn-Takt und damit das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Großraum Stuttgart bereits so zerstört, "dass Verbesserungen beim S-Bahn-Betrieb unter den aktuellen Voraussetzungen kaum realistisch sind". Diese Kritik findet sich in einem offenen Brief des VCD-Landesvorsitzenden Matthias Lieb an den Verband Region Stuttgart (VRS). Darin fordert Lieb den "Aufgabenträger für die S-Bahn" zum Handeln auf. Der Verband müsse die "Wiederherstellung des vor dem 2. Februar 2010 (Beginn der Umbauarbeiten auf dem Gleisvorfeld) gültigen S-Bahn-Fahrplans" fordern, so Lieb. Außerdem verlangt der VCD einen "Baustopp für Stuttgart 21". Nur so seien weitere Beschädigungen bei der S-Bahn zu vermeiden.
Die Pläne für das umstrittene Schienenprojekt müssten zudem "durch unabhängige Ingenieure und Institutionen, die bisher nicht in die Planung und Begutachtung von Stuttgart 21 involviert waren", überprüft werden. In der Vergangenheit hätten die Erfinder des Schienenprojekts ihre eigenen Vorschläge begutachtet. Für den VCD-Vorsitzenden steht fest, dass wegen der mangelhaften Planung der Deutschen Bahn die infrastrukturellen Voraussetzungen für den 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn entfallen sind. Dabei wolle der VRS-Verkehrsausschuss am Mittwoch Verbesserungen im Stuttgarter S-Bahn-Netz, vor allem die Ausweitung des 15-Minuten-Taktes, erörtern.
Es zeichnet sich im Moment keine rasche Lösung ab
Laut Lieb ist "nach den unsachgemäßen Umbauten im Gleisvorfeld ein neues Nadelöhr im Schienennetz entstanden". Demnächst solle dieser Abschnitt sogar auf einen eingleisigen Betrieb zurückgebaut werden. Das werde die Leistungsfähigkeit der S-Bahn weiter einschränken, warnt Lieb. "Mit dem Baubeginn für das am besten geplante Bahnprojekt hat die Bahn das ausgeklügelte S-Bahn-System zum Einsturz gebracht." Eine Lösung sei nicht erkennbar. "Die Operation am offenen Herzen Europas ist misslungen."