Bauingenieure Von wegen Überangebot

Von Michael Vogel 

Die Zahl der Bauingenieur-Absolventen ist gesunken - der Bedarf am Arbeitsmarkt steigt aber.

Der moderne Bauingenieur versteht sich als Unternehmer seiner Baustelle. Foto: A1PIX/Your Photo Today
Der moderne Bauingenieur versteht sich als Unternehmer seiner Baustelle. Foto: A1PIX/Your Photo Today

Stuttgart - Als Bauingenieur findet man eh keinen Job. Diese über viele Jahre genährte Einschätzung ist nicht mehr zutreffend. „Inzwischen gibt es einen sehr gleichmäßigen Bedarf an jungen Bauingenieuren, weil die Absolventenzahlen vergleichsweise gering sind”, sagt Thomas Terhorst, Geschäftsführer der Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik im Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Lag die Zahl der Studierenden in den 90er Jahren noch zwischen 50.000 und 60.000, pendelte sie sich in den vergangenen Jahren zwischen 30.000 und 40.000 ein. „Zur Zeit fehlen in Deutschland 2000 bis 3000 Bauingenieure”, sagt Karsten Wischhof vom Kompetenzzentrum für Berufsbildung und Personalentwicklung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. „Jährlich wird sich diese Lücke um etwa 1300 vergrößern, weil den 4500 Bauingenieuren, die aus Altersgründen ausscheiden, nur 3200 Absolventen gegenüberstehen.

Branche blickt optimistisch in die Zukunft

Hinzu kommt, dass die Bauindustrie in jüngster Zeit aufgrund der Konjunkturpakete einen Auftragsschub im Bereich Infrastruktur und öffentliche Gebäude verzeichnen konnte, der Rückstellungen bei privatwirtschaftlichen Investitionen zum Teil kompensierte. Mit dem Auslaufen der Konjunkturpakete werden sich die Prioritäten wieder verschieben, aber die Branche blickt weiterhin optimistisch in die Zukunft. „Allein in den Bereichen Klimaschutz, Nachhaltigkeit sowie Erhalt und Ausbau der Infrastruktur sieht die Bauwirtschaft beträchtliche Potenziale”, sagt Wischhof. „Für die kommunale Infrastruktur zum Beispiel rechnen wir bis 2020 mit erforderlichen Investitionen in einer Größenordnung von 700 Milliarden Euro.”

Auch im Hochbau sieht die Bauindustrie für 2011 eine positive Entwicklung, wie eine Umfrage der Marktforschungsfirma Bau Info Consult Ende vergangenen Jahres unter Herstellern von Produkten für Ausbau, Rohbau und Installation zeigt: Zwei Drittel der Befragten glauben danach, dass sie 2011 einen höheren Umsatz erzielen werden als im Vorjahr. Das Neubaugeschäft ziehe wieder an. Jeder zweite Befragte erwartet außerdem, dass die Bautätigkeit bei gewerblichen Gebäuden wieder zunimmt.