Baustelle Heilbronner-/Wolframstraße Steigenberger plant zweites Tophotel

Von Hildegund Oßwald 

Für das neue Luxushotel am Rande des Europaviertels sind die Würfel gefallen: Neuer Betreiber wird die Steigenberger Hotels AG. Mit dem Bau soll im Sommer begonnen werden.

So könnte das neue Hotel aussehen. Foto: Staud Studios
So könnte das neue Hotel aussehen.Foto: Staud Studios

Stuttgart - Für das neue Luxushotel im geplanten Hochhaus an der Ecke Heilbronner -/Wolframstraße am Rande des Europaviertels sind die Würfel gefallen. Neuer Betreiber wird die Steigenberger Hotels AG, die bisher in Stuttgart bereits das Steigenberger Graf Zeppelin als Spitzenhaus und das Intercityhotel als Drei­sternehaus betreibt. Die internationale Hotelgruppe schätzt den Standort Stuttgart offensichtlich so stark ein, dass sie künftig mit zwei hochwertigen Häusern in der Landeshauptstadt vertreten sein wird. Dem Vernehmen nach wurde für das neue Hotel, das verteilt über sieben Stockwerke mit 170 Zimmern, fünf Luxusappartements für längere Aufenthalte und einer öffentlichen Bar auf einer Dachterrasse im fünften Geschoss konzipiert ist, ein Pachtvertrag über 20 Jahre geschlossen.

Mit dem Bau des Hochhauses soll im Sommer begonnen werden. Die Hoteleröffnung ist für den Herbst 2015, spätestens zum Frühjahr 2016 geplant. Die Steigenberger Hotels AG bestätigte auf Anfrage der StZ das neue Engagement in Stuttgart, nannte aber keine Details. „Es wird sicher eine exzellente Ergänzung zum Graf Zeppelin sein“, sagte die Pressesprecherin des Unternehmens, Angelika Heyer. Investor Tobias O.W.Fischer von der Schwäbischen Wohnungs AG mit Sitz in der Lenzhalde wollte sich zu dem am Montag in Frankfurt abgeschlossenen Pachtvertrag nicht äußern, verspricht jedoch „das künftig beste Hotel am Platz“. Dem Vernehmen nach hat Steigenberger erst vor kurzem das Rennen für sich entscheiden können und andere internationale Konkurrenten aus dem Feld geschlagen, darunter angeblich die großen Ketten Radisson Blu, Kameha und Meliá.

Engagement im Europaviertel

Wie berichtet, sieht das 80 Millionen Euro schwere Bauprojekt unter dem Namen Cloud No.7 auf dem ehemaligen Bahngrundstück ein Luxushochhaus vor, wie es in Stuttgart noch keines gibt. Über dem Hotel entstehen bis zum 18. Stock 58 Luxuswohnungen vom kleinen Businessappartement mit 40 Quadratmetern bis zum Penthaus mit 500 Quadratmetern. Der Investor rechnet mit internationaler Kundschaft, bereits vor dem noch im Mai geplanten offiziellen Verkaufsstart soll es eine zweistellige Zahl an Vormerkungen geben.

Steigenberger hatte sich bereits vor Jahren für das im Zuge der Neubebauung am Karlsplatz zunächst gedachte Luxushotel beworben, doch dann wurde das Dorotheenquartier von Breuninger bekanntlich doch ohne Hotel geplant. So gesehen erscheint das Engagement im Europaviertel als konsequent, und sei es nur, um weitere Konkurrenz aus der Stadt fernzuhalten. Ihre Spitzenposition in der Stuttgarter Hotellerie hatte sich die Steigenberger Gruppe bereits vor gut drei Jahren mit einer Vertragsverlängerung bis 2030 für das Graf Zeppelin gesichert, das für einen zweistelligen Millionenbetrag renoviert und umgestaltet wurde. Allerdings ist Steigenberger im Zeppelin Hotel nur Betreiber, Eigentümer ist die Archon Group Deutschland.

Im Dauerstreit darüber, wie viele Hotels Stuttgart überhaupt noch verträgt, war ein weiteres Luxushotel unter Fachleuten stets unumstritten. So warnte der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Markus Hofherr im Blick auf den sich abzeichnenden Neubauboom von preiswerten Hotels jüngst vor Überkapazitäten und einem Verdrängungswettbewerb zu Lasten kleinerer und älterer Hotelbetriebe. Hofherr betonte jedoch gleichzeitig, dass die Stadt im gehobenen Segment durchaus noch ein weiteres Hotel vertragen könne.

Auch der Touristikchef Armin Dellnitz sagt bei jeder Gelegenheit, dass Stuttgart ein Haus mit vier oder besser noch fünf Sternen nur gut tun würde. „Wir brauchen Hotels, die so gut sind, dass die Leute auch wegen der Hotels nach Stuttgart kommen“, argumentiert Dellnitz.

Die Innenstadt verändern

Jetzt geht dieser seit langem gehegte Wunsch in Erfüllung. Insgesamt wird sich die Hotellandschaft insbesondere in der Innenstadt in den nächsten zwei Jahren so stark verändern wie nie zuvor. Wie berichtet, sind allein im Europaviertel vier neue Häuser mit mehreren hundert Zimmern im günstigeren Preissegment geplant.

So sollen an der Ecke Wolfram-/Nordbahnhofstraße auf dem ehemaligen Areal von Autoteile Unger Anfang 2014 ein Holiday Inn Express mit 156 Zimmern und ein Hampton by Hilton mit 165 Zimmern gebaut und gemeinsam betrieben werden. Gleich daneben will die A & 0  Hotel und Hostels Holding AG ihr Debüt in Stuttgart geben und noch dieses Jahr mit dem Bau eines günstigen 400-Betten-Hauses beginnen. Und mit dem Bau des großen Einkaufszentrums Milaneo gegenüber entsteht bekanntlich ein Dreisternehotel der Marke Aloft an der Heilbronner Straße, ­in direkter Nachbarschaft zu der neuen Luxusherberge von Steigenberger.

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21 KommentareKommentar schreiben

Steigenberger - warum nicht?: Verstehe die negativen Kommentare nicht. Wenn das Haus wirklich ein Top-Hotel wird, dann ist es doch egal, wenn nicht Kempinski auf dem Dach steht. Und auch ein Kempinski steht nicht generell für gute Leistung und Servicequalität, man muss schon jedes Haus für sich sehen. Was den Service im Zeppelin betrifft, muss ich zustimmen: das Haus war mal eine Top-Adresse in Stuttgart und könnte es mangels Konkurrenz immer noch sein. Wenn da neue Steigenberger ein Top-Hotel werden soll, heisst das für das Zeppelin wahrscheinlich nichts gutes, sondern eher ein Down-Grading. Zwei Top-Hotels in einer Stadt machen ja keinen Sinn. Schade!

leo 10:48 bringt es auf den Punkt: Stuttgart ist wohl für weltweit führende Häuser als Standort wenig geeignet. Sonst hätte man für den Karlsplatz Interessenten aus der ersten Liga gefunden.

Wir brauchen Hotels, die so gut sind, dass die Leute auch wegen der Hotels nach Stuttgart kommen: Das wäre der erste Grund überhaupt, nach Stuttgart zu kommen. Es gibt noch zwei andere Gründe, der eine liegt am Stadtrand in Zuffenhausen, und Sindelfingen gehört gar nicht zu Stuttgart.

Warum denn nicht?: Ich weiß ja nicht, ob Ihnen klar ist, welchen Rang Stuttgart sowohl national, als auch international einnimmt! Stuttgart ist nicht nur Deutschlands fünftgrößte Metropole (Region Stuttgart mit 2,7 Millionen Einwohnern auf Platz 3 in Deutschland), die innovativste und wirtschaftlich bedeutendste Stadt Deutschlands und Heimat der meisten Weltmarkführer in Europa. Es ist die Stadt mit der in immer wieder neuen Erhebungen bestätigten höchsten Lebensqualität Deutschlands, ist Kulturhauptstadt und nimmt international eine äußerst herausgehobene Stellung ein. Viele Stuttgarter schauen in völliger Unterschätzung auf ihre Stadt. Wer ein bisschen über den Tellerand schaut, dem fällt auf, welche Bewunderung unsere Stadt auf der Welt genießt. Es ist die Erfindung des Autos, Unternehmen wie Daimler, Porsche, Bosch, Mahle und 160 weitere Weltmarktführer, das größte Drei-Sparten-Theater der Welt und vieles mehr, das die Menschen in unsere Stadt zieht. Von daher bin ich überrascht, dass Sie beide (@Leo @Stuttgarter) davon sprechen, dass Stuttgart zu klein sei und mit dem o.g. Projekt einmal die Chance gehabt hätte sich hervorzuheben. An Ihren Äußerungen merkt man sehr gut, wie wenig Sie Ihre eigene Stadt kennen, wie sehr Sie sie dadurch unterschätzen und damit wegweisende Projekte wie Stuttgart 21, aber auch Cloud No. 7 als unnötig abtun und letzten Endes u.U. sogar verhindern. Ich finde ein solches Projekt sehr gut! Es ist innovativ, wegweisend und in der Bundesrepublik einmalig. Keine Frage: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in unserer Stadt und ein entsprechendes Reagieren ist zwingend erforderlich, aber man muss zweckmäßigen sozialen Wohnungsbau nicht unbedingt zum Tor zur Innenstadt machen. Oder etwa doch? Wer will das schon...?! Ein repräsentatives Gebäude, einzigartig und mit WOW-Effekt gefällt mir zumindest besser und ich glaube, ich bin mit dieser Ansicht nicht allein... .

6 sterne?: wie das? die hotelkategorie in deutschland geht nur bis 5 sterne.

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