Bayern-Star Wer kann diesen Robben stoppen?
Andreas Morbach, 26.03.2010 18:46 Uhr
Der Mann des Abends: Arjen Robben schießt den FC Bayern ins Pokalfinale gegen Werder Bremen. Foto: ddp
Der Mann des Abends: Arjen Robben schießt den FC Bayern ins Pokalfinale gegen Werder Bremen. Foto: ddp
Stuttgart - Das Fleißkärtchen hat Hermann Gerland von seinem Boss gleich an Ort und Stelle zugesprochen bekommen. Im Maulwurfparadies Schalke-Arena war der FC Bayern München eine halbe Stunde zuvor zum 17. Mal in der Vereinsgeschichte in ein deutsches Pokalfinale eingezogen, als Louis van Gaal erzählte, was sein Assistent nebenher so erledigt. "Hermann Gerland", so berichtete Münchens Cheftrainer, "hat einen Film von Berlin und vom Pokalfinale machen lassen.

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"Van Gaal hat also längst "davon gehört, wie fantastisch, wie wunderschön" so ein Cup-Samstag in der Hauptstadt sein kann. Vor dem Halbfinale in Gelsenkirchen nutzte der Niederländer den Streifen noch nicht zur teaminternen Animation. "Aber vielleicht", überlegt er, "mache ich das dann vor dem Endspiel." Zum Dank an den Mann, der ihnen die nächste Berlintour im Alleingang ermöglicht hat, sollten die Münchner in Gerlands Stimmungsfilmchen auf alle Fälle das persönliche Kunstwerk des Arjen Robben hineinschneiden.

Dessen Solo in der 112. Minute, mit Start in der eigenen Hälfte, immer haarscharf an der Seitenauslinie entlang, mit zügigem Schlenker in die Mitte, wo er noch Schalkes Christoph Moritz wie eine Holzpuppe stehen ließ und den Ball am Ende des 60 Meter langen Sturmlaufs schließlich höchst präzise in den Torwinkel jagte. "Weltklasse, ein Weltklassetor", gratulierte selbst der Schalker Trainer Felix Magath nach dem 0:1 zähneknirschend.

Der FC Bayern darf noch von den drei Titeln träumen


Vergleichbare Wunderwerke hat die Welt zuvor allein von Diego Maradona und Lionel Messi zelebriert bekommen. Bei den Bayern nimmt die Anzahl entscheidender Traumtore vom linken Fuß Robbens inzwischen jedoch beängstigende Ausmaße an: Beim Pokalfinalgegner Bremen, in Florenz, zweimal gegen Freiburg, jetzt in Gelsenkirchen - in den vergangenen Wochen waren Bilderbuchtreffer des 26-jährigen Niederländers regelmäßig Garanten dafür, dass die Bayern Ende März tatsächlich noch von drei Titeln träumen dürfen.

Den Trainer treibt die These von der ungesunden Abhängigkeit seiner Mannschaft vom unglaublichen Robben und dem gerade mal wieder vom Gedanken an einen - wo auch immer zu unterschreibenden - Traumvertrag beseelten Franck Ribéry zwar zuverlässig zur Weißglut, aber auch van Gaal spürt, dass die Luft für sein Ensemble langsam dünn wird.

Der Dauerläufer Bastian Schweinsteiger, auf Schalke der Münchner mit den meisten Ballkontakten (vor Robben), wurde am Ende der 120 Minuten von Krämpfen geplagt. "In beiden Beinen, das war schwierig für ihn", witzelte van Gaal, erklärte aber deutlich ernster: "Innerhalb von zwei Tagen wieder physisch, vor allem aber psychisch mit einer Siegermentalität auf dem Platz zu stehen - das ist die Schwierigkeit." Den VfB Stuttgart, am Freitag in München Bayerns Gegner, wird's freuen.

Bayern war Schalke spielerisch und konditionell überlegen


Immerhin: die Betonmischmaschine Schalke 04, bei der Magath aus defensiv-taktischen, wieder einmal aber auch aus erzieherischen Gründen auf Rafinha (der Brasilianer hatte am Montag seine Frau zum Flughafen gebracht, kam zu spät zum Training und durfte nicht mitmachen) verzichtete, haben sie dank Robben erfolgreich abgestellt. Nun aber folgen im Dreitagerhythmus: Stuttgart, Manchester United, nochmals Schalke, wieder ManU, Leverkusen. "Wir waren Schalke spielerisch, aber auch bei der Ausdauer überlegen", sagte van Gaal trotzig - und auch Robben hob hervor: "Wir waren fitter als Schalke."

Damit meinte das Münchner Juwel sich selbst. "Ich habe in der Verlängerung mein zweites Leben gefunden", sagte Robben, der bei den Bayern auf eine Torquote kommt wie nie zuvor in seiner Karriere. In der Liga traf er bei 18 Einsätzen bereits zehnmal - und bei seinem entscheidenden Pokalsolo konnten ihn weder der Nationalspieler Heiko Westermann noch der holprige Gelsenkirchener Rasen bremsen.

Der betont zornige Bayern-Präsident Uli Hoeneß faselte beim Blick auf das unansehnliche Grün-Braun von einem "Mittel zum Zweck, um die spielerischen Defizite auszugleichen". Ein Problem, mit dem Arjen Robben nichts zu schaffen hat. Der flinke Kunstschütze mit der Pferdelunge dachte lieber an seine Zeit in England zurück. "Mit Chelsea habe ich im FA-Cup-Finale in Wembley gespielt - und gewonnen", sagte er. Am 15. Mai wird der Holländer in Berlin das deutsche Wembley kennenlernen. Erst im Film und danach live.

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