Beach Boys in Stuttgart Surfin’ Wagenhallen

Nahezu unbemerkt stranden die Beach Boys in Stuttgart für ein Privatkonzert. Die Wagenhallen am Nordbahnhof machen einen Abend lang auf kalifornische Strandlandschaft.

Das Ehepaar Klein  mit Mike Love (Zweiter von links) und Bruce Johnston (Zweiter von rechts) hat in den Wagenhallen ein exklusives Fest genossen. Foto: Bernd Leitner
Das Ehepaar Klein mit Mike Love (Zweiter von links) und Bruce Johnston (Zweiter von rechts) hat in den Wagenhallen ein exklusives Fest genossen. Foto: Bernd Leitner

Stuttgart - Wer braucht schon einen Anlass, um die Beach Boys einzuladen? Peter Klein jedenfalls nicht. Der 67-jährige Unternehmer, der zwischen dem beschaulichen Eberdingen (Kreis Ludwigsburg) und New York pendelt, hat am Wochenende eine Surf-Party für Freunde und Familie ausgerichtet, bei der die mittlerweile recht betagten US-Jungs als Special Guests in den Stuttgarter Wagenhallen strandeten. Als Anlass für das exklusive Fest mit 370 Menschen genügten dem passionierten Kunstsammler, der in seinem Heimatort Nußdorf ein eigenes Museum gebaut hat, ein simples „Carpe diem“ – und eine recht lebendige Erinnerung an die wilden Siebziger, als er durch Amerika trampte. Immer mit dabei: der Sound der Beach Boys, die er damals freilich nicht persönlich kannte. Seit dem zweieinhalbstündigen Auftritt aber, bei dem Klein selbst zu „Ba ba ba ba Barbara Ann“ auf die Bühne sprang, schreiben sie sich auch SMS. „Die Stimmung war gigantisch“, sagt Klein, der sich über den Preis für den Auftritt natürlich ausschweigt: „Das verbindet.“

Zwischenstopp auf der Tournee

„Das war das schönste private Fest, das wir jemals in den Wagenhallen hatten“, schwärmt auch Stefan Mellmann, einer der Betreiber des Kulturbetriebs. „Die Gäste von Herrn Klein waren unheimlich nett, die hätten auch gefeiert, wenn das Wetter nicht mitgespielt hätte.“ Mellmann hatte schon seit einiger Zeit gewusst, dass die Beach Boys in den Wagenhallen auftreten würden. „Das dufte aber natürlich niemand wissen, die würden ja mal eben die Schleyerhalle voll machen.“ So kamen die geladenen Gäste in den Genuss eines ungewohnt intimen Auftritts der Surf-Pop-Legende. „Ich wusste selbst gar nicht, wie viele Hits die geschrieben haben. Im Laufe des Abends musste sogar ich irgendwann tanzen“, sagt Mellmann. Anfangs habe sich der unkonventionelle Gastgeber Bon Jovi gewünscht; die Beach Boys hätten sich aber als die günstigere und praktikablere Variante erwiesen, da sie derzeit durch Europa touren und auf dem Weg von Zürich nach Schweden einen Zwischenstopp in Stuttgart einlegen konnten.

Unverhofftes „California Dreaming“

Und Mellmanns Team zauberte in die Wagenhallen das entsprechende Strand-Feeling: Das komplette Personal und alle Gäste verkleideten sich im Stil des Summer of Love, so mancher packte sein Original-Hippie-Outfit wieder aus. Vor den Wagenhallen waren Strandbuden aufgestellt, an denen das entsprechende gastronomische Motto „Surf and Turf“ hieß – mit Seafood, Burgern, Hotdogs und Cocktails. „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass die Gäste an einem Sonntagabend so ein entspanntes Fest gefeiert haben“, wundert sich Mellmann auch am Montag noch über das unverhoffte „California Dreaming“ vor den Wagenhallen.

Peter Klein dagegen wundert das gar nicht; schließlich habe der positive, weltoffene und tolerante Hippie-Geist die Laune vorgegeben. Und damit sie noch möglichst oft feiern können, geben sich die frisch verbandelten Freunde gegenseitig Gesundheitstipps. Während die Beach Boys auf vegane Ernährung und Öle schwören, empfiehlt Marathonmann Klein Sport: „Ich habe ihnen geraten, sich möglichst viel zu bewegen – nicht nur auf der Bühne.“