Beck-Kolumne
Die Binde muss auf den Tisch
Oskar Beck,
26.08.2010 17:02 Uhr
Foto: dpa
Dieses Beißen und Durchbeißen, das ist die Schule von Hermann Gerland. Der hat unter dem Kampfnamen "Der Tiger" den Torjägern der Bundesliga jahrzehntelang die Knochen poliert und später als Trainer seinen Bayern-Amateuren erzählt: "Ich hatte noch keinen Föhn, mit nassen Haaren bin ich vom Training jeden Tag heimgeradelt, und als ich ankam, war meine Birne gefroren." Dieser Mann hat also auch den jungen Lahm geprägt.
Der sieht zwar aus, als ob er keine Stubenfliege an die Wand schlagen kann, aber fragen Sie sicherheitshalber auch Ballack, der sieht das sicher anders. Die Kleinen mit den hohen Absätzen sind gefährlich, wird Ballack sagen, die haben so dicht über der Grasnarbe kein einfaches Leben, auf Schritt und Tritt werden sie als laufende Meter belächelt, und jedes Zimmer müssen sie zweimal betreten, bevor einer sie erkennt. Da steckt in der Kürze dann schnell mal die Würze, und sie können giftig und ehrgeizig werden.
Kam Lahms Putschversuch zum falschen Zeitpunkt?
So ging Lahm schmächtig, aber mächtig seinen Weg. Er wollte die Gunst des WM-Augenblicks nutzen, aber da oben auf dem schmalen Grat des Gipfels kann einem von jetzt auf nachher die Luft wegbleiben: Am Tag nach Lahms Putschversuch gelang der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Spanien schockierend wenig, und im nachlassenden Rausch haben sich die einen gefragt, ob die Kapitänsattacke womöglich die falsche Idee zum verkehrten Zeitpunkt war - und für die besonders Frustrierten reimte sich Lahm gar auf Größenwahn.
Kommt nun bald wieder die Zeit von Ballack?Mitleiderregend war dessen Lage nach dem Tritt von Boateng noch im Juni und Juli. Ballacks Unglück war das Glück der Ersatz-Ballacks: Lahm nahm ihm die Binde weg und Khedira das Trikot, und das so, dass er jetzt bei Real Madrid spielt. Alles lief gegen Ballack.
Aber alles scheint er irgendwie auszuhalten, sogar eine Geschichte in der "Bunten", die ihn unlängst in einem Atemzug nannte mit dem früheren Bayern-Spieler Lell und, hört, hört, dessen schwangerer Freundin. Mit links scheint Ballack das alles wegzustecken, und jetzt ist Ende August, und in die Bundesliga ist er stark genug gestartet, um es dem Bundestrainer und dem Interimskapitän schwerzumachen.
Eine Entscheidung wird von allen erwartet
Die friedlichste Lösung wäre nun die: der Capitano gibt die Binde mit der geballten Faust in der Tasche freiwillig ab und darf zum Dank noch bis zur EM in zwei Jahren mitspielen. Mit diesem Kompromiss wäre allen gedient, Ballacks letzter Wunsch wäre halbwegs erfüllt, und der Löw müsste den Lahm nicht wieder einen Kopf kürzer machen und zurückstutzen auf Einsfünfzig mit Hut.
Aber vor allem könnten Millionen Menschen endlich befreit aufatmen und in Ruhe übergehen zum nervtötenden Wahnsinnsthema der nächsten zwei Jahre - dem Krieg um die Nummer sechs: Ballack oder Khedira?
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beck
Genialer Artikel mal wieder! Tatsachen und Entwicklungen des Fußballs zum totlachen auf den Punkt gebracht! BRAVO!!! :D
Ballack vs Lahm
Guter Artikel. habe schon seit längerem gedacht, dass der Lahm ein kleiner Gifzwerg ist. Hat was von Kita,wie er sich die Binde am Arm festtackert. Normalerweise ist es ja selbstverständlich, dass Ballack die wieder zurückbekommt, so wie es in der Arbeitswelt mit Chef u. Krankheitsvertreter auch üblich ist, aber mittlerweile würde ich, als Ballack, Lahm die Binde lassen u. das Ganze als lapidar abhaken,vllt sogar mit ein bisschen Überheblichkeit dabei.. das hätte was Gewisses,. Das Problem Khedira /Ballack sehe ich auch noch kommen, vllt ist das auch der Grund, dass Löw sich nicht entscheiden kann.Kheidra hat ja nun das "Glück", dass sich die 1. Wahl des 6ers bei Real verletzt hat u. er spielen kann.Wenn er sich durchsetzt, wird er sicher auch in der N11 spielen.